Hauptverdächtiger im Fall Jonny K. : Der letzte Übergriff liegt nur vier Monate zurück

29.10.2012 00:00 Uhrvon
  • In der Marienkirche zeigt Tina einen Anhänger in die Kameras. Jeder in der Familie hat ein. Auch ihr getöteter Bruder Jonny. Foto: dpa
    In der Marienkirche zeigt Tina einen Anhänger in die Kameras. Jeder in der Familie hat ein. Auch ihr getöteter Bruder Jonny. - Foto: dpa
  • Nach dem Gedenkgottesdienst am Buß und Bettag für den getöteten Jonny entzündet seine Schwester ein Räucherstäbchen am improvisierten Mahnmal am Alexanderplatz. Foto: dpa
    Nach dem Gedenkgottesdienst am Buß und Bettag für den getöteten Jonny entzündet seine Schwester ein Räucherstäbchen am improvisierten Mahnmal am Alexanderplatz. - Foto: dpa
  • Unterstützung erhält Tina K. von Roland Weber, dem Opferbeauftragten des Landes Berlin. Auch er sprach beim Gottesdienst in der Marienkirche. Foto: dapd
    Unterstützung erhält Tina K. von Roland Weber, dem Opferbeauftragten des Landes Berlin. Auch er sprach beim Gottesdienst in der Marienkirche. - Foto: dapd

Nachdem am gestrigen Sonntag die Trauerfeier für den getöteten Jonny K. stattfand, sucht die Polizei noch immer fieberhaft nach dem mutmaßlichen Haupttäter Onur U. (19). Der frühere Boxer, der in der die Türkei geflüchtet sein soll, war schon früher gewalttätig.

Die Fahndung nach den drei noch flüchtigen mutmaßlichen Tätern vom Alexanderplatz läuft auf Hochtouren. Eine heiße Spur gibt es noch nicht, teilte die Staatsanwaltschaft am Sonntag mit. Doch inzwischen wurden Einzelheiten über die bisherige kriminelle Karriere des mutmaßlichen Haupttäters Onur U. (19) bekannt, der sich nach dem tödlichen Angriff auf den 20-jährigen Jonny K. in die Türkei abgesetzt haben soll.

Onur U. wurde in den vergangenen Jahren nach Angaben eines Justizsprechers bereits mehrfach wegen Gewaltdelikten und Nötigung zu Jugendstrafen verurteilt.

Dazu gehörten gemeinnützige Arbeit, Jugendarrest oder ein Anti-Aggressions-Training. Er sollte lernen, bei Wut auf Gewalttätigkeit zu verzichten.

Der letzte Übergriff des jungen Deutschen türkischer Herkunft liegt nur vier Monate zurück. Im Juni bedrängte er als Autofahrer einen Radler auf einem Radstreifen so stark, dass dieser beinahe stürzte. Onur U. hielt an, die beiden Männer gerieten in Streit, den U. mit einem Faustschlag beendete. Der Radler erlitt eine Gesichtverletzung. Bei der späteren Gerichtsverhandlung wurde Onur U. noch nach Jugendstrafrecht verurteilt, obwohl er bereits 19 Jahre alt war und sich als Heranwachsender verantworten musste. Er bekam zwei Wochen Jugendarrest, die er in der Arrestanstalt in Lichtenrade absaß. Zuvor war der Mann zwei Mal wegen anderer Gewaltdelikte verurteilt worden. Hinzu kommt eine Jugendstrafe wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz: Onur U. trug ein in Deutschland verbotenes Butterflymesser bei sich, als er von der Polizei überprüft wurde.

Bei der Attacke am Alexanderplatz soll er nach bisherigen Erkenntnissen „die treibende Kraft“ gewesen sein. Die drei bislang gefassten mutmaßlichen Mittäter, zwei 19-Jährige und ein 21-Jähriger, haben ihn in ihren Teilgeständnissen offenbar schwer belastet. Dass er möglicherweise besonders gezielt und heftig zuschlug, könnte mit seiner langjährigen Karriere als jugendlicher Amateurboxer zusammenhängen. Onur U. trainierte erst in der Boxabteilung von Hertha BSC, später beim Verein Schöneberger Boxfreunde 1924, zuletzt im Halbschwergewicht. Er gehörte zum Jugendkader der Amateurboxer, wurde im Leistungszentrum in Hohenschönhausen trainiert.

Nach den Worten seines langjährigen Trainers bei den Schöneberger Boxfreunden, Fred Bergemann, war Onur U. „ein höflicher, netter Junge“. Bergemann sagt: „Als ich las, was ihm vorgeworfen wird, war ich wie vor den Kopf geschlagen.“

Wie berichtet, hatten sechs junge Männer vor zwei Wochen nachts auf Jonny K. eingeschlagen und getreten, als dieser mit Freunden aus einem Club am Alexanderplatz kam. Ihr Opfer starb wenig später, ein Freund, der Jonny K. helfen wollte und gleichfalls attackiert wurde, erlitt leichte Verletzungen. Beide Gruppen kannten sich zuvor nicht.

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