Berlin : Havelchaussee: CONTRA von Lorenz Maroldt

Eines vorab: Dem Streit um die Havelchaussee liegt ein kleines Missverständnis zu Grunde, das wir gerne an dieser Stelle ein für allemal klären möchten, damit Sie, liebe Leser, sich nicht noch einmal zehn, zwanzig Jahre mit so abseitigen Meinungen wie der links von dieser stehenden beschäftigen müssen und statt dessen voller Zeit und Wonne an den Wannsee rauschen können. Also, bitteschön: Berlin ist eine Stadt.

Zum Thema Ted: Soll die Havelchaussee für Autos gesperrt werden? Wer dies nicht glauben will, nehme als Beweis zur Kenntnis: Seit Menschengedenken hat Berlin nicht ein einziges Mal beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" gewonnen. Nicht einmal 1989"/"1990, als die Havelchausse tatsächlich zwischen Lieper Bucht und Großer Steinlanke - also dort, wo Berlins Traumstraße am schönsten ist und direkt am Wasser entlang führt - für Autos gesperrt war.

Es gilt auf der Havelchaussee übrigens die Straßenverkehrsordnung, und auch andere Gesetze sind nicht außer Kraft gesetzt, nur weil die Polizei keine Zeit hat, hier zu kontrollieren. Eine Tagespiegel-Testfahrt auf vier Rädern ergab: Die meisten Leute halten sich an Recht und Ordnung. Niemand ließ sein Motoröl ab, es wurde nicht gerast, und die Falschparkerquote war klar kleiner als auf der Potsdamer Straße. Zu bemängeln wäre allenfalls das ordnungswidrige Verhalten einiger Skater und Radler. Aber auch das ist man als Städter ja gewohnt. Und sollen wir nun deswegen gleich die Straße sperren? - I wo, wir sind ja tolerant, wir wollen diese Idylle nicht zerstören. Wir bringen die Natur der Stadt doch bitte nicht aus dem Gleichgewicht. Sonst müssen wir am Ende noch alle nach Zehlendorf ziehen.

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