Berlin : Havelchaussee: PRO von Jörn Hasselmann

Zum Thema Ted: Soll die Havelchaussee für Autos gesperrt werden? Der Grunewald ist ein Wald, das verrät der Name recht deutlich. Und in einen Wald gehören Bäume, Spaziergänger, die sich am Grün erfreuen, Radfahrer, die einmal gute Luft atmen wollen - aber keine Autos. Stinkende, rasende, Öl-tropfende Blechkisten gibt es in dieser Stadt schon viel zu viele, sie müssen nicht die schönste Straße dieser Stadt in eine Miniatur-Autobahn verschandeln. Cabriofahrer, die ihr Gefährt der Welt vorführen müssen, Motorradfahrer, die den 120er-Kick in der Tempo-30-Zone suchen, "Gelände"-Wagen-Besitzer, die der Geliebten zeigen wollen, wie prima 20 Liter Sprit durch den Auspuff rauschen, ganz Schlaue, die die Havelchaussee als prima Abkürzung bei Staus auf der Avus gefunden haben - alle sind dort völlig verzichtbar. Appelle helfen nicht. Dass die Havelchaussee ein höchst empfindliches Wasserschutzgebiet ist, dass Havel-Badende (und die Bäume natürlich auch) von Abgaswolken gequält werden, dass Radler gefährdet und Fußgänger behindert werden - das verpufft. Vor 12 Jahren kam die gute Idee von Rot-Grün zu früh, doch nun ist die Zeit reif und die öffentliche Meinung gereift: Autos müssen nicht mehr überall hinkommen. Nur die CDU setzt noch auf Beton und Asphalt.

Die Welt bricht nicht zusammen, wenn die Chaussee gesperrt wird. Das sind zehn von 5209 Kilometern Berliner Straßen. Und Tempo 100 kann man auf den 64 Kilometern Stadtautobahn brausen ohne Radfahrer zu gefährden. Die wissen nach einigen Touren über die jetzige Havelchaussee am besten, dass die rechts von diesem Artikel stehende Meinung über die freiwillige Einhaltung der Straßenverkehrsordnung eine recht abseitige ist.

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