Berlin : Hotel soll Kunsthalle weichen

Studie Potsdams trifft Wunsch des Stifters.

Foto: Andreas Klaer
Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Software-Milliardär und Mäzen Hasso Plattner kann die geplante Kunsthalle an seinem Wunschstandort im Potsdamer Lustgarten errichten: Das Areal, auf dem jetzt noch das 17-stöckige Mercure-Hotel steht, ist dafür am besten geeignet. So lautet das Fazit einer Studie der Stadtverwaltung. Die Untersuchung werde den Stadtverordneten am 6. Juni zur Kenntnis vorgelegt. Baubeginn könnte bereits Anfang 2013 sein.

Wie berichtet, hatte Plattner im April angekündigt, der Landeshauptstadt eine Kunsthalle stiften zu wollen. In dem Bau soll zunächst eine Sammlung von DDR- Kunst gezeigt werden sowie wechselnde Ausstellungen von Bildern und Skulpturen. Später soll die Halle auch mit Werken der klassischen Moderne aus Plattners Privatsammlung bestückt werden.

Insgesamt standen neun Varianten an acht Standorten zur Debatte. Der Lustgarten schnitt bei mehr als drei Vierteln der Kriterien am besten ab. Schon die zentrale Lage spricht für den Standort. Auch die künftige Entwicklung des Lustgartens und des Hafens floss in die Untersuchung ein. Zudem übt die neue Potsdamer Mitte mit dem Landtagsschloss eine erhebliche Anziehungskraft aus.

Plattners Wunsch war stets der Standort des Mercure-Hotels: „Es gibt in ganz Deutschland kein schöneres Grundstück.“ Wenn es zur Verfügung stünde, würde es die Hasso-Plattner-Förderstiftung kaufen, sagte er. Die Bedingungen sind günstig: Das Grundstück gehört der US-Fondsgesellschaft Blackstone, die das Hotel an die Accor-Gruppe verpachtet hat. Deren Mietvertrag läuft zum Jahresende aus. Bis zum 31. Dezember 2012 hat die Stadt ein Vorkaufsrecht. Die Kosten des Areals werden auf 14 Millionen Euro geschätzt. Für Abriss und Neubau müsste Plattner vermutlich 27 Millionen veranschlagen. Als mögliches Vorbild für das zweistöckige Museum, zu dessen Gestaltung er einen Wettbewerb durchführen will, sieht der Milliardär die Kunsthalle Baden-Baden.

Plattner hatte deutlich gemacht, dass er das Projekt nicht gegen den Willen der Potsdamer verwirklichen will. Wenn die Halle hier nicht gewünscht sei, baue er sie anderswo. Der Mäzen, der aus seinem Privatvermögen bereits 200 Millionen für das von ihm gegründete Hasso-Plattner-Institut sowie knapp 22 Millionen für Fassade und Kupferdach des Landtagsschlosses gespendet hat, kann allerdings auf breite politische Unterstützung zählen. Anfang Mai haben die Stadtverordneten bei nur zwei Gegenstimmen für eine Kunsthalle im Zentrum der Landeshauptstadt votiert. Selbst die Linke hatte ihren ursprünglichen Antrag zurückgezogen, wonach eine „Vorfestlegung“ auf den Standort des Mercure-Hotels vermieden werden sollte. Auch zahlreiche Künstler und Prominente hatten sich für eine Kunsthalle anstelle des Mercure-Hotels ausgesprochen, darunter der Wahl-Potsdamer Günther Jauch. pee/SCH

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