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Hubschrauber-Unglück : Grüne und Linke: Übung am Olympiastadion hätte abgebrochen werden müssen

22.03.2013 17:54 Uhrvon , und
Die Aufklärung des Unfallhergangs wird noch einige Zeit dauern.Bild vergrößern
Die Aufklärung des Unfallhergangs wird noch einige Zeit dauern. - Foto: dpa

UpdateIm April soll ein erster Bericht zur Ursache des Hubschrauber-Unglücks am Olympiastadion in Berlin vorliegen. Grüne und Linke im Berliner Abgeordnetenhaus kritisierten die Anti-Hooligan-Übung unterdessen als "unverhältnismäßig".

Einen Tag nach der Kollision zweier Hubschrauber der Bundespolizei bei einer Anti-Hooligan-Übung nahe des Olympiastadions mehren sich kritische Stimmen, die den Übungseinsatz mit Helikoptern bei einer derart schwierigen Wetterlage als "aberwitzig" oder "unangemessen" verurteilen. Im Berliner Abgeordnetenhaus rügten am Freitag die sicherheitspolitischen Sprecher der Fraktionen von Grünen und Linken den Einsatz.

Aus Sicht von Benedikt Lux (Grüne) war schon alleine "das Szenario der Übung gänzlich unrealistisch." Es sei doch höchst unwahrscheinlich, dass viele Hooligans bei Eiseskälte und Schneetreiben am S-Bahnhof Olympiastadion aufeinander losgingen.

Lux: "Um einen Hubschraubereinsatz zu rechtfertigen, müsste es ja schon eine richtig große Prügelei gegeben haben." Die Bundespolizei habe die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt, sie hätte die Übung "sicherheitshalber" abblasen müssen. Und für kleinere Prügeleien hätte ja auch ein Trupp Polizisten im Mannschaftswagen gereicht, meint der Grüne.

Ähnlich sehen es der linke Fraktionschef Udo Wolf und der Polizei-Experte der Linken, Hakan Tas. Die Verantwortung für das Unglück dürfe nicht nur bei den Piloten gesucht werden, sagt Tas. Angesichts des Wetters wäre ein solcher Einsatz "nur bei einer echten Notlage" gerechtfertigt gewesen. Linke und Grüne wollen diese Vorwürfe und "die vielen noch offenen Fragen", so Udo Wolf, bei der nächsten Sitzung des Innenausschusses im Abgeordnetenhaus zur Sprache bringen.

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Videos  21.03.2013 0:41 MinBilder vom Helikopter-Absturz in Berlin

Dabei können sie allerdings kaum mit einer Unterstützung durch die Koalitionsfraktionen rechnen. Die sicherheitspolitischen Sprecher von SPD und CDU stellen sich eher hinter die Bundespolizei. Ernstfälle müssten auch bei schwierigen Wetterlagen geübt werden, meint Thomas Kleineidam (SPD). Die Polizei müsse auch in Extremsituationen einsatzfähig sein. "Sie kann ja nicht, wenn es wirklich notwendig ist, Zuhause bleiben." Und Robbin Juhnke von der CDU ergänzt, man wolle ja "keine Schönwetterpolizei." Natürlich müssten nun die Ursachen des tragischen Unfall untersucht und Konsequenzen gezogen werden. Aber, so Juhnke: "Die Polizei muss eben für alle Eventualitäten gerüstet sein."

Die Unglücksstelle am Maifeld gleich neben dem Olympiastadion.Bild vergrößern
Die Unglücksstelle am Maifeld gleich neben dem Olympiastadion. - Foto: Tsp

Man könne keine Übungen "unter Laborbedingungen" veranstalten, stimmte ihm der Vorsitzende der Berliner Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, zu. Im übrigen ist Pfalzgraf überzeugt, dass die Übung sofort gestoppt worden wäre, "wenn die Piloten sie angesichts des Wetters als zu gefährlich eingeschätzt hätten." Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) will im April einen ersten Bericht zur Hubschrauber-Kollision am Berliner Olympiastadion vorlegen. Die Untersuchung zur Ursache werde aber längere Zeit dauern, sagte ein Sprecher der Behörde in Braunschweig am Freitag. Die BFU versuche, sie innerhalb von zwölf Monaten abschließen zu können. Die Experten müssen klären, ob ein technischer Defekt der Maschine, die den Zusammenstoß verursachte, zu dem Unglück führte, oder ein Versagen von deren Piloten.

Auch eine mögliche gesundheitliche Beeinträchtigung des Mannes am Steuer, beispielsweise ein kurzer Bewusstseinsschwund, müsse in Betracht gezogen werden, heißt es. Ob der Pilot bei dem Unglück verletzt wurde und ob er inzwischen schon befragt werden konnte, ist bislang noch unklar. Die Pilotenvereinigung Cockpit hält Schneeverwirbelungen für einen möglichen Auslöser der Kollision. In die Untersuchungen ist auch die Berliner Staatsanwaltschaft einbezogen. Sie muss klären, ob ein strafrechtlich relevanter Tatbestand vorliegt. Die anfangs eingeschaltete Mordkommission der Berliner Polizei hat ihre Ermittlungen wieder eingestellt, nachdem eine Obduktion des getöteten Piloten ergab, dass dieser an den schweren Verletzung starb, die er bei dem Unglück erlitt.

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