Im Rückblick : Krankenhäuser Ost und West

BETTENLAND BERLIN

Mit der Wiedervereinigung wurde Berlin zu einem Bundesland mit mehr als 43 000 Krankenhausbetten in 113 Krankenhäusern mit insgesamt 149 Standorten. Das bedeutet

12,3 Betten je 1000 Einwohner – bundesweit mit Abstand die höchste Versorgungsdichte.

QUALITÄTSMÄNGEL

Bei den meisten Kliniken im Osten wurden bauliche Mängel festgestellt, außerdem Defizite in der Behandlung, etwa bei Herzerkrankungen oder Prothesen. Im Westen gab es laut Senatsverwaltung ein allgemeines Überangebot. Und die Psychiatrien überall in Berlin waren in einem desolaten Zustand.

INVESTITIONEN

Im Ostteil ließen sich immer mehr freiberuflich praktizierende Ärzte nieder – das Ende vieler Polikliniken, die auch von der Kassenärztlichen Vereinigung bekämpft wurden. In die Krankenhäuser Berlins investierte der Senat zwischen 1991 und 2005 fast drei Milliarden Euro. 1997 eröffnete mit dem UKB in Marzahn das modernste Unfallkrankenhaus Europas in gemeinsamer Trägerschaft des Landes Berlin und gewerblicher Berufsgenossenschaften. 490 Millionen Mark hatte der Neubau gekostet.

NEUE STRUKTUREN

Aus zehn kommunalen Krankenhäusern wurde 2001 eine GmbH gebildet: Vivantes. Der Konzern sollte grundlegende Strukturveränderungen ermöglichen. Seine heute neun Häuser stellen etwa ein Viertel der Bettenkapazität in Berlin und versorgen rund 30 Prozent der Patienten im stationären Bereich. Hinzu kommt die Charité mit drei Standorten. 1994 wurde die Fusion des Rudolf-Virchow-Klinikums mit der Charité festgelegt und 2003 die „Charité-Universitätsmedizin Berlin“ als eine gemeinsame Gliedkörperschaft von Freier Universität und Humboldt-Universität gegründet. Die Zahl der Standorte und Betten wurde drastisch reduziert: Bis 2005 um fast die Hälfte auf 23 000.

NEUE TRÄGER

Andere Krankenhäuser fanden nach der Wende neue Träger: Das Krankenhaus Lichtenberg (Oskar-Ziethen-Krankenhaus) gehört heute dem Konzern Sana-Kliniken. Auch die Parkklinik Weißensee ist privatisiert. Die Caritas bekam das Krankenhaus Pankow. Dem zu DDR-Zeiten zeitweise größten Krankenhaus Europas in Buch drohte lange die Schließung. 2001 übernahm der Konzern Helios das Klinikum, einschließlich einer Schuldenlast von 57 Millionen Euro. 500 von 3000 Beschäftigten wurden entlassen. 167 kleinere Häuser auf dem Gelände des Klinikums wurden geschlossen und stattdessen wurde ein großer Neubau errichtet. 2004 kaufte der Helios-Konzern auch noch die Zentralklinik „Emil von Behring“ in Zehlendorf und schloss 2007 den Standort der Lungenklinik Heckeshorn am Wannsee. 2003 zog sich das Land Berlin aus der Trägerschaft des UKB in Marzahn zurück. Die gewerblichen Berufsgenossenschaften sind alleiniger Träger.

SCHLIESSUNGEN

2001 musste das landeseigene Krankenhaus Moabit schließen – es war zahlungsunfähig. Es folgten Ankündigungen, auch andere Krankenhäuser zu schließen, etwa das Universitäts-Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz. Die Folge: heftige Proteste. Im Juli 2010 schloss die Charité die dortige Klinik für Geburtsmedizin.

HEUTE

Der Senat will die Zahl der Krankenhausbetten um 900 auf 21 000 erhöhen. Schon jetzt bleibt aber jedes fünfte Bett leer. Polikliniken erleben seit einigen Jahren als Medizinische Versorgungszentren (MVZ) ein Comeback. Derzeit stehen die DRK-Kliniken in Berlin unter dem Verdacht des Abrechnungsbetrugs. Sie sollen Kassenärzte für ihre MVZ abgeworben, sie dort nur kurz eingesetzt, aber über deren Zulassung Leistungen zu Unrecht abgerechnet haben.dma

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