Immobilie in Berlin-Kreuzberg : Investor lässt Wohnungsbau auf der Cuvrybrache platzen

Die umstrittenen Cuvryhöfe in Berlin-Kreuzberg werden doch nicht gebaut, der Investor kündigt sein Vorhaben auf. Wie geht es nun weiter auf der Cuvrybrache?

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Symbol des Kiez-Protestes. Die Cuvrybrache wurde 2014 wurde geräumt. Kurze Zeit später übermalten Berliner Künstler die berühmten Graffiti des Street-Art-Künstlers Blu – mit dessen Einverständnis. Eine Protestaktion gegen Gentrifizierung.
Symbol des Kiez-Protestes. Die Cuvrybrache wurde 2014 wurde geräumt. Kurze Zeit später übermalten Berliner Künstler die berühmten...Foto: Thilo Rückeis

Seit September 2014 ist die Cuvrybrache in Kreuzberg geräumt. Damit das so bleibt, muss sie ständig bewacht werden. Das kostet Geld und erhöht den Druck, bald loszulegen. Doch was hier wirklich gebaut wird und wann, ist nun wieder unklar. Das zwischen Investor Artur Süßkind und der Senatsbauverwaltung ausgehandelte Projekt „Cuvryhöfe“ ist nach Informationen des Tagesspiegels geplatzt.

Weder das Unternehmen Terra Contor von Süßkind noch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wollten sich dazu äußern. Der Münchener Investor Süßkind plante auf dem rund 11 000 Quadratmeter großen Areal an der Spree 250 hochwertige Wohnungen, Büros und Einzelhandel. Dazu musste ein neuer Bebauungsplan erstellt werden. Der Senat verlangte Zugeständnisse: einen Uferweg, breite Grünflächen zur Spree, eine Kita – und einen 25-prozentigen Anteil Sozialwohnungen mit einer verbilligten Miete von 6,50 Euro pro Quadratmeter.

Die Graffiti-Kunst an der Cuvry-Brache
Sie waren ein beliebtes Fotomotiv und wurden zum Wahrzeichen der lange umkämpften Cuvry-Brache: Zwei Street-Art-Bilder in Schwarz-Weiß-Gold, gefertigt vom italienischen Street-Art-Künstler Blu. Sie zeigen eine kopflose Figur mit zwei Golduhren, die sie wie Handschellen trägt, und zwei Figuren mit Masken.
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1 von 5Foto: Carmen Schucker
12.12.2014 13:51Sie waren ein beliebtes Fotomotiv und wurden zum Wahrzeichen der lange umkämpften Cuvry-Brache: Zwei Street-Art-Bilder in...

Süßkind war bereit, maximal zehn Prozent Sozialwohnungen zu bauen, doch der 25-Prozent-Anteil wurde inzwischen zur Regel erhoben. Würde Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) davon abweichen, könnte er sie auch andernorts nicht mehr durchsetzen. Die Verhandlungen zogen sich hin, jetzt kündigte Süßkind das Vorhaben in einem Schreiben an Bauverwaltung und Bezirk auf.

Der Investor könnte das Filetgrundstück mit Gewinn weiterverkaufen, doch dem Vernehmen nach plant er, eine bestehende Baugenehmigung für gewerbliche Nutzungen umzusetzen. Dann wäre für Wohnungen, geschweige denn Sozialwohnungen, kein Platz mehr. In den 90er Jahren war auf dem Areal ein Shoppingcenter mit Büros geplant, doch der Bezirk wehrte sich dagegen. Bis der Investor pleiteging und der Senat die Planungen an sich zog. Die neuen Besitzer entwickelten Pläne für ein Gründerzentrum mit Lofts und ein Fünf-Sterne-Hotel, doch es blieb bei Ankündigungen.

Für Geisel ist das erneute Scheitern der Cuvry-Pläne ein Rückschlag. Für Investoren ist die öffentliche Wohnungsbauförderung trotz Nachbesserungen nicht attraktiv. Weil sie Bauland und Bauleistungen teuer einkaufen müssen, rechnet sich der Bau von Sozialwohnungen nicht. Liegt bereits Baurecht vor, hat der Senat kein Druckmittel mehr – die „soziale Infrastruktur“ wird dann gerne weggelassen. Derzeit beklagt sich die Betroffenenvertretung im Sanierungsgebiet an der Köpenicker Straße in Mitte, dass keiner der Investoren an der öffentlichen Wohnungsbauförderung Interesse zeige. Um dennoch neue Sozialwohnungen anbieten zu können, müssen die städtischen Wohnungsbaugesellschaften einspringen.

Die Cuvrybrache ist über die Jahre zum Symbol für den Kiez-Protest gegen Investorenpläne geworden. Jahrelang tummelten sich Obdachlose, Globetrotter, Aussteiger und politische Utopisten auf dem Brachland mitten im belebten Kiez. Als Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Artur Süßkind 2013 ihre Cuvryhöfe öffentlich vorstellten, wurden sie zeitweise niedergebrüllt. Dabei hatte Lüscher mit der steigenden Wohnungsnot und privat finanzierten Leistungen wie Kitaplätzen für Akzeptanz geworben.

Nun könnten zwar alte Pläne schnell reaktiviert werden, müssten aber mit den aktuellen Entwicklungen am Markt abgeglichen werden.

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