Berlin : In Bonn kein Anschluß unter Herzogs Nummer

CHRISTIAN VAN LESSEN

BERLIN .Mit dem Hauptstadtumzug wird es ernst, der Abschied von Bonn beginnt an oberster Stelle, und zwar gründlich: Vom 23.November an ist das Bundespräsidialamt nur noch unter seiner Berliner Rufnummer zu erreichen.Damit kündigt sich die Ankunft der ersten obersten Bundesbehörde an, die komplett mit 150 Mitarbeitern ihren Sitz nach Berlin verlegt.Der Neubau am Schloß Bellevue ist bezugsfertig.Am 19.November wird der Dienstbetrieb in Bonn eingestellt.

Damit geht in Bonn eine Ära zu Ende.Schon jetzt sind in den Dienstgebäuden erste Kisten gepackt, die Mitarbeiter haben den Umzug vor Augen.Amtssprecher Thomas Ellerbeck beispielsweise muß um drei Umzugskartons herumsteigen, um an das Telefon zu kommen.Mit dem kleinen Chaos wird man noch einige Tage leben müssen.Aber am Donnerstagnachmittag in zwei Wochen ist unwiderruflich Dienstschluß.

Dann werden die letzten Akten zusammengepackt, und am Freitag ist der große Umzugstag.Lastwagen werden sich mit Kisten voller Unterlagen auf den Weg nach Berlin machen - und die Mitarbeiter, sofern sie nicht zur Minderheit der Pendler gehören, dürfen den Tag für ihren Privatumzug an die Spree nutzen.Am folgenden Wochenende sollen mit Hochdruck die neumöblierten Büros am Tiergartenrand eingeräumt werden, denn ein Termin ist unbedingt einzuhalten: Am Montag, Punkt 8 Uhr, soll offizieller Dienstbeginn des neuen Bundespräsidialamtes sein.Dann wird der Erste Mann des Staates ausschließlich in Berlin amtieren.

Die repräsentative Villa Hammerschmidt, aus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nicht wegzudenken, bleibt zwar vorläufig zweiter Amtssitz des Bundespräsidenten.Hausmeister und Gärtner werden das Haus am Rhein in Schuß halten - aber für Außenstehende ist es dann keine Telefonadresse mehr.Und die weiteren Bonner Dienstgebäude, in denen das Präsidialamt untergebracht ist, werden samt Mobiliar vom Bundeskartellamt übernommen.

Der bevorstehende Einzug des kompletten Bundespräsidialamtes vollendet die Umzugsphase, die im Januar 1994 von Roman Herzogs Amtsvorgänger eingeleitet worden war.Damals hatte Richard von Weizsäcker erstmals den traditionellen Neujahrsempfang im Schloß Bellevue veranstaltet und offiziell seinen Amtssitz nach Berlin verlegt.An der Spree konnte aber nur ein kleiner Stab arbeiten, recht schnell stellte sich die Frage nach einem Neubau, der möglichst neben dem Schloß Bellevue entstehen sollte - wobei ein Stück des Englischen Gartens geopfert werden mußte.

Den noch 1994 von Roman Herzog entschiedenen europaweiten Bauwettbewerb gewannen die jungen Architekten Martin Gruber und Helmut Kleine-Kraneburg aus Frankfurt am Main.Der erste Spatenstich wurde im März 1996, das Richtfest im Juli 1997 gefeiert, und seit vielen Monaten schon können Passanten und Autofahrer vom Spreeweg an der Siegessäule aus das von Gerüsten befreite Resultat betrachten: Einen dunkel-anthrazit schimmernden, naturstein-polierten runden Baukörper, dessen wahre Dimensionen sich nur ahnen lassen.Von höherer Warte aus läßt sich ein großes Oval erkennen, 80 Meter lang, 40 Meter breit, vier Geschosse hoch, mit einem Riegelbau im Lichthof - und mit 138 Büros über einer zweistöckigen Tiefgarage.

Rund 91 Millionen Mark kostete der Neubau, als "Oval Office" oder "Ei" hat er schnell Spitznamen erhalten.Die Abdichtung des Unterbaus kostete mehr Zeit als erwartet, ursprünglich sollte noch im Sommer alles fertig sein.Nun aber hat im Bundespräsidialamt das Kistenpacken begonnen.Es herrscht, so wird versichert, eine Aufbruchsstimmung: "Wir freuen uns auf Berlin".

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