Internationale Hochschulen in Berlin : Ausländische Studenten bekommen keine Visa mehr

Eine internationale Filmhochschule holt Studenten aus dem Ausland nach Berlin. Doch die Ausländerbehörde erteilt keine Visa mehr. Betroffen sind auch andere Einrichtungen.

von
Ausländische Studenten verschiedener internationaler Hochschulen bekommen kein Visum mehr.
Ausländische Studenten verschiedener internationaler Hochschulen bekommen kein Visum mehr.Foto: dpa

Weltoffen und international präsentiert sich Berlin gerne. Da macht der Wissenschafts- und Hochschulstandort keine Ausnahme. „Die internationale Dimension gehört zum Leitbild und zur politischen Gesamtstrategie des Landes Berlin“, heißt es in einer Präsentation der Senatsbildungsverwaltung, die von der SPD-Bildungssenatorin Sandra Scheeres geführt wird. Aber momentan mehren sich in der auch für die Hochschulen zuständigen Verwaltung die Zweifel daran, dass die Ausländerbehörde das ebenso sieht. Denn das Amt, das zum Verantwortungsbereich von Innensenator Frank Henkel (CDU) gehört, erteilt seit einigen Monaten ausländischen Studenten verschiedener internationaler Hochschulen keine Visa mehr.

Betroffen ist unter anderem der Berliner Ableger der Met Film School, einer privaten Hochschule aus London, die ihre Abschlüsse über die staatliche, renommierte University of Wes-London anbietet. Seit gut drei Jahren ist die kleine internationale Hochschule auch in Berlin beheimatet. Drei Jahre lang gab es keine Probleme. Die Senatsbildungsverwaltung bestätigte in dieser Zeit gegenüber der Ausländerbehörde, dass die Bachelor- und Master-Studienabschlüsse deutschen Examina vergleichbar sind. Damit erhielten die aus Nicht-EU-Ländern stammenden Studenten problemlos ein Visum, um in Berlin an der Filmhochschule studieren zu können. Das ist vorbei.

Alleinstellungsmerkmal in der Stadt

Die Ausländerbehörde teilte der Hochschule mit, dass die Studenten kein Visum mehr bekommen könnten, da „keiner der angebotenen Studiengänge zu einem anerkannten deutschen Hochschulabschluss führt“. Eine Entscheidung, die nicht nur für die Met-Film-School-Direktorin Silvia Beck unverständlich ist – sondern auch für die Senatsbildungsverwaltung.

Die Innenverwaltung erklärt das Vorgehen so: Bei der Überarbeitung der Verwaltungsrichtlinie habe man den Begriff des Studium konkretisiert und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Studium an diesen internationalen Hochschulen kein Studium im Sinne des Gesetzes und deswegen nicht visumsfähig sei.

„Die Vielzahl von in- und ausländischen Bildungseinrichtungen in Berlin ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt und sowohl wissenschaftlich wie wirtschaftlich von großer Bedeutung“, schreibt Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach (SPD) an Bernd Krömer (CDU), seinen Kollegen in der Innenverwaltung. Krach widerspricht ausdrücklich der Rechtsauffassung der Ausländerbehörde und betont, auch diese internationalen Abschlüsse seien in Deutschland anerkannt. Deswegen solle man zu der alten Verständigung zwischen der Bildungsverwaltung und der Ausländerbehörde zurückkehren.

Studiengebühren von 20 000 Euro

Es sei nicht nachvollziehbar, warum ein Bildungsangebot, „das von der Britischen Regierung offiziell anerkannt ist, plötzlich nicht mehr von der Berliner Ausländerbehörde als gleichwertig angesehen wird“, sagt Beck. Zudem brächten die Studenten nicht nur über die Studiengebühren, die pro Jahr rund 20 000 Euro betragen, Geld nach Berlin. Im vergangenen Jahr waren Studenten aus 34 Nationen eingeschrieben.

70 Studienplätze sollen an der Filmhochschule zum Herbst neu besetzt werden. Beck rechnet damit, dass gut die Hälfte der Interessenten aus NichtEU-Ländern stammt. Diese könnten kein Studium in Berlin mehr beginnen. Für die Hochschule würde dies wirtschaftliche Einbußen bedeuten. Tipp der Innenverwaltung: Die Hochschule könne ihre Ausbildung ja Deutschen und Studenten aus EU-Staaten anbieten. Außerdem könne die Met Film School sich eine deutsche Kooperationshochschule suchen, um so künftig deutsche Abschlüsse zu vergeben.

Sollte die Ausländerbehörde bei ihrer Praxis bleiben, wären auch zwei weitere britische sowie eine kroatische Privathochschule betroffen. Und eine amerikanische Einrichtung würde wahrscheinlich keine Berliner Dependance eröffnen können.

Autor

25 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben