Jobwunder Fabriketage : Endlich Ablenkung für Klaus Wowereit

Einfach mal gute Nachrichten genießen: Wie Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit sich heiter gestimmt mit der blühenden Start-up-Szene ablenkte.

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Verschiedene Start-Up-Unternehmen hat Klaus Wowereit am Mittwoch besucht.Alle Bilder anzeigen
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23.01.2013 15:19Verschiedene Start-Up-Unternehmen hat Klaus Wowereit am Mittwoch besucht.

Jens Begemann ist ziemlich groß, aber die Kurve hinter ihm ist viel größer. Sie führt fast senkrecht nach oben und hört dort nur auf, weil die Fabriketage zu Ende ist. „Und das waren nur die ersten sechs Monate“, sagt der Gründer des Videospielunternehmens Wooga. In diesen sechs Monaten 2009 stieg die Zahl der Nutzer von null auf sechs Millionen, inzwischen sind es 50 Millionen, und ein Ende ist nicht abzusehen. In der Backfabrik in Prenzlauer Berg wird gerade die dritte Etage hergerichtet, damit die rund 250 Mitarbeiter der Firma etwas mehr Platz bekommen und das Wachstum weitergehen kann – mit Spielen für Facebook und mobile Plattformen.

Kein Außenstehender vermutet in den alten Berliner Fabrikgebäuden so viel aufstrebende junge Unternehmen mit teils Hunderten von Angestellten, doch es gibt viele davon. Einige hatten am Mittwoch Besuch: Klaus Wowereit, der viel Geschundene, war auf der Suche nach dem Positiven, nach den guten Nachrichten für die Hauptstadt.

Er wirkte zwar abgekämpft, aber heiter, fühlte sich so wohl auf dem sicheren Boden der Zukunftsfähigkeit, dass er sogar ein wenig berlinerte – ein Heimspiel. Er mag die Start-Ups, die Leute von den Start-Ups mögen ihn, und das scheint auch daran zu liegen, dass die Berliner Verwaltung an dieser Front gute Arbeit leistet. „Woanders als in Berlin könnte ich mir dieses Unternehmen gar nicht vorstellen, sagte Begemann. Er profitiert wie viele andere Firmenchefs vor allem davon, dass gut ausgebildete junge Leute aus allen Ländern nach Berlin streben – Finnen, Brasilianer, Amerikaner an der Spitze. Englisch sprechen ist Pflicht, selbst die Deutschen, knapp die Hälfte der Wooga-Belegschaft, machen mit.

Wowereit unterwegs in der Welt der Start-ups
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23.01.2013 15:19Verschiedene Start-Up-Unternehmen hat Klaus Wowereit am Mittwoch besucht.

Ein ganz anderes, nicht weniger erfolgreiches Start-up-Unternehmen ist ReBuy, ein Internet-Flohmarkt. Wer Bücher, Handys, CDs, Spielkonsolen loswerden will, gibt die Bezeichnung online ein – und erfährt sofort einen Preis. Ein Kleinunternehmen? Die Lagerhalle in Rudow hat 8000 Quadratmeter, eine zweite, gleich große soll nebenan entstehen; 350 Mitarbeiter sind es gegenwärtig, 200 sollen hinzukommen. Und was Wowereit besonders gut gefällt: Hier ist Platz für gering Qualifizierte, die in Logistik oder Warenprüfung schnell angelernt werden können. Obwohl sich Tonnen von Büchern in den Hochregalen stapeln, gibt sich Co-Gründer Lawrence Leuschner siegessicher: Alles dreht sich rasch, sagt er, nichts liegt länger als ein Jahr.

Schon mit Preisen überhäuft, ebenfalls weiter expandierend: Sofatutor.com. Das Friedrichshainer Unternehmen für Online-Nachhilfe hat den deutschen Schulstoff in bislang rund 8200 Lehrvideos zusammengefasst, täglich werden es mehr. Knapp 80 feste und noch einmal ebenso viele freie Mitarbeiter arbeiten am Stoff, konzipieren Filme, produzieren sie an Ort und Stelle. In ganz schweren Fällen wird zudem persönliche Online-Nachhilfe von Experten angeboten. In Kürze gibt es auch ein Video zur politischen Geschichte Berlins, akustisch eingeführt von Wowereit persönlich; den Text hat er am Rande seines Besuchs rasch eingesprochen.

Wie fangen derlei Erfolgsgeschichten an? Zum Beispiel im „Startup Bootcamp“ in Kreuzberg. In diesem „Accelerator“ bereiten sich zehn Teams künftiger Jungunternehmer auf ihre Selbstständigkeit vor. Das deutsche „Credport“ möchte durch Datenvernetzung die Vertrauenswürdigkeit von Einzelpersonen im Internet sichtbar machen, drei Italienerinnen entwickeln das Portal „frestyl“, mit dem jeder Musikfan das passende Konzertereignis findet, und drei Österreicher wollen mit „Weavly“ helfen, legal eigene Mediencollagen („Mashups“) ins Netz zu stellen.

Noch drängeln sich die Teams in einer Fabriketage in der Schlesischen Straße, bald haben sie womöglich ihren eigenen Firmensitz. Gern in Berlin, wenn es nach den Gründern geht. Auch Klaus Wowereit hätte dagegen nichts einzuwenden.

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