Berlin : John-Nachfolge: Kandidatin war Stasi-IM

Als Ausländerbeauftragte vorgeschlagene Anetta Kahane verpflichtete sich als Studentin bei der Staatssicherheit

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Von Barbara Junge

Die von Sozialsenatorin Heidi Knake- Werner (PDS) favorisierte mögliche Nachfolgerin im Amt der Ausländerbeauftragten, Anetta Kahane, war während ihrer Studienzeit Stasi-IM. Das bestätigte die derzeitige Leiterin der Berliner Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen (RAA) dem Tagesspiegel. Kahane hat als 19-Jährige eine Verpflichtung für die Staatssicherheit der DDR unterschrieben, den Kontakt aber später abgebrochen. Dieser Vorgang war der Senatorin offenbar bekannt, als sie die Kandidatin zu einer Bewerbung ermunterte – die Erkenntnisse waren aber aus ihrer Sicht wohl nicht in dem Maße belastend, dass sie gegen Kahane gesprochen hätten.

SPD-Chef Peter Strieder wies am Dienstag darauf hin, dass – unabhängig von Kahane – noch keine Vorauswahl getroffen sei. Der Vorschlag von Knake-Werner sei nicht mit dem Senat abgesprochen. Jetzt werde das übliche Auswahlverfahren durchgeführt.

Anetta Kahane hat schon einmal eng mit der Ausländerbeauftragten Barbara John kooperiert. 1990, noch vor der Vereinigung, wurde die Übersetzerin und Journalistin aus der damaligen DDR Ausländerbeauftragte in Ost-Berlin. Die Zusammenarbeit währte nur kurz. Nach der Wiedervereinigung war John für Ost und West zuständig – und Kahane wurde als Verwaltungsangestellte abgeordnet, die Regionale Arbeitsstelle für Ausländerfragen (RAA) aufzubauen. In dieser Funktion hat sie Strukturen gegen den gewaltsam auftretenden Rassismus aufgebaut.

Anetta Kahane war insgesamt etwa zwei Jahre lang öffentlich Bedienstete und wurde deshalb von der Gauck-Behörde überprüft. Die Zusammenfassung ihrer Akte enthielt nach Auskunft von Kahane den Befund, dass sie mit der Stasi als IM kooperiert habe. Dem Tagesspiegel sagte sie, sie habe – wie aus den Akten hervorgehe – eine Verpflichtungserklärung unterschrieben.

Sie habe sich aber damals nichts zu Schulden kommen lassen, das dagegen gesprochen habe, weiter im Öffentlichen Dienst zu arbeiten, sagte Kahane. Sie habe niemandem geschadet. Auch heute entscheide dieser Teil ihrer Vergangenheit nicht darüber, ob sie sich für das Amt bewerbe. „Wenn ich ernst nehme, was in dieser Zusammenfassung der Akte steht, kann es keine Rolle spielen. Das ist nichts, was ich mir vorwerfen muss“, sagte Kahane. „Erst die Summe ergibt meine Person. Und nicht etwas, was ich als 19-Jährige getan und dann aber korrigiert habe.“

Als die Akte Anfang der neunziger Jahre gekommen sei, habe sie insbesondere die Frage der Bewertung belastet. „Das gesamte Leben wird aus diesem einen Punkt heraus bewertet, ohne dass man wirklich gewichtet, wie relevant oder auch gefährlich der Vorgang war“. Auch deshalb habe sie „ nicht das größte Interesse an einer Veröffentlichung“ gehabt. Der Druck sei in der Wendezeit ein ganz anderer gewesen als heute. Mit historischem Abstand sei sie zuversichtlich, „dass man heute genauer hinschaut, um jemanden insgesamt zu bewerten“.

Kahane wurde erst kürzlich der Moses- Mendelssohn-Preis des Landes Berlin verliehen. Die 48-Jährige wurde damit für ihr Eintreten gegen Rassismus und Intoleranz geehrt. Kahane ist Mitinitiatorin von „Rock gegen Rechts“, Begründerin der Amadeo-Antonio-Stiftung, die sich gegen rechte Gewalt und für die Opfer dieser Gewalt einsetzt und das antirassistische Civitas-Programm der Bundesregierung inhaltlich berät.

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