Wer ist warum dabei?

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Karneval der Kulturen in Berlin : Sonne, Glitzer, Trommelwirbel: Rio ist in Kreuzberg
von , und Sophie Aschenbrenner

Seit 20 Jahren dabei: Laura La Risa, Flamencotänzerin

Flamenco-Tänzerin Laura La Risa geht es vor allem um eines: „Jeder soll sehen, dass Berlin bunt ist. Dafür tanze ich“, sagt sie. Seit 20 Jahren ist sie mit ihrer Gruppe beim Karneval der Kulturen. Der bedeutet nicht nur fröhliches Feiern, sondern sei die wichtigste Kulturveranstaltung Berlins. Die Tänzerin will zeigen, dass es „in Berlin viele verschiedene Kulturen gibt, die einander akzeptieren, nicht nur tolerieren“. Deshalb solle der Senat die Künstler finanziell unterstützen. „Wir arbeiten ein Dreivierteljahr am Auftritt, nähen die Kostüme und finanzieren alles. Wir sind das Aushängeschild von Berlin“, sagt sie.

Eine Fanmeile könne man auch in Frankfurt veranstalten. Der Karneval der Kulturen aber gehöre nach Berlin wie die vielen Menschen, die hier miteinander leben.

Lieber würde sie eigentlich durch enge Straßen laufen, „wo die Menschen aus den Fenstern schauen“. In den vergangenen 20 Jahren habe sie viele schöne und bewegende Momente erlebt. „Ich freue mich, wenn die Leute sich freuen.“

Mojito geht immer: Erik Hofmann, Gastronom

Erik Hofmann vom Catering-Unternehmen OrangePoint ist einer der dienstältesten Gastronomen auf dem Karneval der Kulturen: 1996 war er zum ersten Mal dabei. Dieses Jahr verkauft er seine Drinks gegenüber der Eurasia-Bühne. „Der Karneval war immer ein Fest, auf dem sich Besucher mit ausländischen Wurzeln wohl fühlen, ausdrücken oder präsentieren und zugleich als fester Bestandteil unserer Multikultur erlebbar sind“, sagt er. Daher seien Fest und der Umzug „eine wichtige, hoch politische Veranstaltung – obwohl nicht als politische Demonstration angemeldet“. Es entstehe eine „losgelöste Stimmung, die man bei anderen Veranstaltungen seltener findet“ – obwohl immer mehr Touristen extra für den Karneval nach Berlin kämen.

Was haben eigentlich die Leute vor fünf Jahren getrunken? Das gleiche wie heute: „Die Klassiker Caipirinha und Mojito sind beim Karneval der Kulturen wie bei anderen Open-Air-Veranstaltungen der absolute Renner“, sagt Hofmann. Dieses Jahr seien auch Cocktails auf Wodka-Basis angesagt, wie Moscow Mule oder Wodka-Mate.

Indische Premiere: Heike Valy, Organisatorin

„Die vergangenen Jahre standen wir immer am Rand des Umzugs und haben verzweifelt auf die indische Gruppe gewartet“, sagt Heike Valy, die Managerin von Berlin Indiawaale. Also beschloss sie, selbst eine zu gründen. Indiawaale ging aus der Facebook-Gruppe „Indians in Berlin“ hervor und nimmt dieses Jahr zum ersten Mal am Karneval der Kulturen teil, mit rund 220 Indern und Indienfreunden.

Es soll eine bunte Mischung werden: Eine Laufgruppe in traditioneller Kleidung, eine „Walking Flag“ in den Flaggenfarben orange, weiß und grün und eine Rikscha. Tanz gibt es auch: Ein extra aus Indien angereister Lehrer hat die Bollywood-Gruppe gecoacht. Zwar sei die Zeit für die Vorbereitungen knapp gewesen, sagt Valy, „aber als Inder ist man relativ spontan“.

Sie selbst ist Berlinerin, aber dank zahlreicher Reisen nach Indien „im Herzen Inderin“. Beim Karneval der Kulturen möchte sie vor allem die Lebensfreude der Inder zeigen. „Die Menschen dort brauchen im Gegensatz zu uns Deutschen nicht viel, um glücklich zu sein“, sagt Valy.

Genießen und feiern: Campbell McInnes, Zuschauer

Campbell McInnes kommt aus Brisbane in Australien und studiert in Berlin klassische Musik. Vergangenes Jahr wohnte er noch in der Gneisenaustraße und war zum ersten Mal beim Karneval der Kulturen. Vor allem die entspannte Stimmung und die Straßenfest-Atmosphäre haben ihn begeistert. „Ich fand es cool, beim Umzug so viel Musik aus den verschiedenen Ländern zu hören – die koreanische Musik hat mich zum Beispiel beeindruckt“, sagt er. So etwas habe er noch nie erlebt. In Brisbane gebe es zwar Veranstaltungen, bei denen einzelne Kulturen gefeiert würden, aber keine, die „das Zusammenkommen verschiedener Kulturen feiert“.

Berlin sei ohnehin die perfekte Stadt für einen Karneval der Kulturen. „Wenn man hier auf die Straße geht, trifft man immer Leute aus den verschiedensten Ländern; ich finde es schön, diese Vielfalt ein Wochenende lang zu feiern.“ Zwar ist der Student mittlerweile aus Kreuzberg weggezogen, auf den Karneval freut er sich trotzdem: Am Sonnabend will er Essen und Getränke „ganz ruhig genießen“, am Sonntag dann beim Umzug feiern.

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