• Leichteres Umsteigen möglich – aber nicht gewollt Am S-Bahnhof Nikolassee gäbe es eine Lösung

Berlin : Leichteres Umsteigen möglich – aber nicht gewollt Am S-Bahnhof Nikolassee gäbe es eine Lösung

beim Wechseln zwischen den Linien S 1 und S 7.

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Berlin - Auch der Sonntag war ein ganz normaler Tag für die S-Bahn-Fahrgäste im Südwesten der Stadt: Auf der S 1 fiel um 9.55 Uhr die Abfahrt ab Nikolassee nach Oranienburg aus; auf der S 7 entfielen zwischen Wannsee und Potsdam gleich mehrere Fahrten, anschließend brachte ein defekter Zug in Griebnitzsee den Verkehr durcheinander und danach war der Fahrplan nach einem Notarzteinsatz nur noch Makulatur. Hinzu kam – wie noch bis voraussichtlich zum 4. November – das übliche Durcheinander beim Zwangsumsteigen zwischen der S 1 und der S 7 in Nikolassee. Zumindest dort wären Erleichterungen für die Fahrgäste möglich gewesen; sie wurden aber nicht umgesetzt.

Seit Ende April ist der Abschnitt Nikolassee–Wannsee der S 1 gesperrt, um marode Brücken ersetzen zu können. Fahrgäste müssen auf diesem Abschnitt auf die Züge der S 7 ausweichen, die sich häufig verspäten, was die Wartezeit beim Umsteigen in Nikolassee weiter verlängern kann. Weil die Bahnsteige beider Linien weit auseinander und auf verschiedenen Ebenen liegen, gibt es beim Wechseln ohnehin schon einen Zuschlag von rund zehn Minuten. Häufig fahren den Fahrgästen nach deren Berichten Züge auch unmittelbar vor der Nase weg.

Auch wenn erkennbar sei, dass Fahrgäste zum Zug eilen, sei ein längeres Warten nicht möglich, weil sich Verspätungen dann auf die komplette Linie auswirken würden, argumentiert die S-Bahn. Anfällig für Verspätungen ist vor allem die S 7 zwischen Ahrensfelde und Potsdam. Dabei hat gerade sie Priorität bei den Planern. Sie muss zwischen Charlottenburg und Wannsee auch die Fahrgäste aufnehmen, die hier sonst mit den Regionalzügen unterwegs sind. Deren Gleise sind noch bis Dezember gesperrt.

Der größere Andrang führt häufig zu längeren Aufenthalten beim Ein- und Aussteigen. Dies beginnt bereits im Zentrum auf der Stadtbahn. Während die Züge meist alle drei oder fünf Minuten kommen, gibt es bei jeder zweiten Fahrt vor den Bahnen der S 7 eine Fahrplanlücke von acht Minuten. Bei der langen Wartezeit drängen sich dann meist besonders viele Menschen in die Züge, was den Aufenthalt verlängert. Schon vor Monaten hatte der Fahrgastverband Igeb gefordert, die Lücke im Fahrplan zu schließen. Dies wäre möglich, wenn alle Bahnen der S 75 aus Wartenberg bis zum Bahnhof Westkreuz fahren. Bei ihnen endet aber jede zweite Fahrt bereits im Ostbahnhof, so dass es auf den folgenden Bahnhöfen zu dem Acht-Minuten-Loch im Fahrplan kommt. Noch immer fehlen der S-Bahn Fahrzeuge, um ihr Angebot nach Plan zu fahren.

Bei einer anderen Lösung hätte es Fahrzeuge gegeben, es fehlte aber der Wille, sie einzusetzen. Bereits bei den Vorbesprechungen zur Sperrung der S 1 zwischen Wannsee und Nikolassee hatte wiederum die Igeb vorgeschlagen, die in Wannsee endenden Buslinien 114, 316 und 318 bis zum Bahnhof Nikolassee zu verlängern. So hätten sich die Nutzer dieser Busse wenigstens das Umsteigen in Wannsee erspart, und auch in Nikolassee wären die Wege zu und von den Zügen kürzer gewesen. Die BVG hatte die Kosten auch bereits kalkuliert, bestellt worden sind diese Fahrten aber nicht.

Zur Begründung teilte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) mit, den Ersatzverkehr übernehme die S 7; ein zusätzlicher BVG-Verkehr sei „nicht angemessen“ gewesen. Und die S-Bahn erklärte, es sei nicht mehr möglich aufzuklären, warum die Idee der Igeb nicht umgesetzt worden ist. Aber auch die Bahn hält ihr Konzept für ausreichend.

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