Lidl-Bike : Bahn und Lidl verleihen bald Fahrräder in Berlin

Lidl-Bike löst Call-a-Bike ab: Der Discounter und die Deutsche Bahn kooperieren beim Aufbau eines Leihfahrrad-Systems in der Hauptstadt. Den Senat und seinen Anbieter Nextbike ärgert das.

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Bald gibt es in Berlin zwei Fahrrad-Leihsysteme.
Bald gibt es in Berlin zwei Fahrrad-Leihsysteme.Foto: tsp

Fahrradfahrer wird’s freuen, wirtschaftlich kann es eng werden: In Berlin gibt es im nächsten Jahr zwei unterschiedliche Leihsysteme: Das Leipziger Unternehmen Nextbike setzt auf feste Stationen für das Ausleihen und Zurückgeben der Räder, die Deutsche Bahn bietet ein Modell an, bei dem die Räder an beliebigen Stellen stehen werden – beschränkt auf den inneren S-Bahn-Ring. Nextbike, das sich in einer Ausschreibung gegen die Bahn durchgesetzt hat, wird vom Senat mit jährlich 1,5 Millionen Euro bezuschusst. Die Bahn hat sich den Lebensmitteldiscounter Lidl als Sponsor geangelt. Aus dem bisherigen Call-a-Bike-System wird folglich Lidl-Bike. Die Organisation liegt weiter bei der Bahn. Starten sollen beide Systeme im Frühjahr.

Nextbike hat das Ziel, nach und nach an mehr als 700 Stationen insgesamt 5500 Räder anzubieten. Die Bahn will mit 3500 Rädern ihren bisherigen Bestand auf einen Schlag mehr als verdoppeln, kündigte am Donnerstag Sylvia Lier, die Chefin von DB-Rent, an. Ein Überangebot durch die zwei großen Leihsysteme werde es nicht geben, sagte Lier. Die Nachfrage in Berlin sei groß genug.

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Berlin kann zwei Leihsysteme verkraften

Die Senatsverkehrsverwaltung schließe dagegen nicht aus, dass das Vorgehen der Bahn die Wirtschaftlichkeit des vom Land geförderten Systems beeinträchtige, sagte Verwaltungssprecherin Petra Rohland. Und während Nextbike an harte, vom Land vorgegebene Qualitätskriterien gebunden sei, seien solche Anforderungen an Lidl-Bike nicht möglich, da es keinen Vertrag gebe.

Auch beim Preis gibt es Unterschiede: Lidl-Bike offeriert einen Basisvertrag für 3 Euro im Jahr; die erste halbe Stunde beim Ausleihen kostet 1,50 Euro, jede weitere einen Euro. Maximal werden pro Tag 15 Euro fällig. Der Komforttarif kostet 49 Euro. Die ersten 30 Minuten gibt’s dabei für 50 Cent. Wer sein Rad an einem vorgeschlagenen Platz abstellt, erhält die 50 Cent zurück. Wer länger unterwegs ist, zahlt für jede weitere halbe Stunde einen Euro. Die Höchstgrenze pro Tag beträgt zwölf Euro.

Nextbike will 50 Euro im Jahr. Die erste halbe Stunde Radeln ist gratis, danach werden alle 30 Minuten 1,50 Euro fällig. Ein Tagesabo kostet 3 Euro, für sieben Tage sind es 10 Euro. Auch hier ist jeweils die erste halbe Stunde gratis. Die Bahn baut ihr System auf Anweisung des Senats bis zum 15. November ab.

Die rund 100.000 Kunden sollen nach Liers Angaben automatisch zu Lidl-Rad wechseln. Nextbike, das auf eigene Rechnung in Berlin präsent ist, werde, anders als bisher geplant, weiter auf eigene Kappe auch im Winter mehrere hundert Räder anbieten, so Nextbike-Sprecherin Mareike Rauchhaus. Sie wirft der Bahn vor, unlautere Mittel einzusetzen. Das Doppelangebot sei ein Kampf zwischen David (Nextbike/Senat) und Goliath (Bahn/Lidl). „Und wer gewonnen hat, wissen wir ja.“

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