Berlin : Liste der Ehrenbürger: 18 Namen waren nicht mehr opportun

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Nur sieben der 25 Namen auf der Ost-Berliner Liste der Ehrenbürger hat der Senat 1992 für Gesamtberlin übernommen, und zwar in Anerkennung "kultureller und wissenschaftlicher" Verdienste. Es sind die Künstler Heinrich Zille und Otto Nagel, die Schriftstellerin Anna Seghers, der Schauspieler, Regisseur und Intendant des Deutschen Theaters, Wolfgang Heinz, der Verleger und Schriftsteller Wieland Herzfelde, der sowjetische und der DDR-Kosmonaut Waleri Bykowski und Sigmund Jähn, die 1976 zusammen im Weltraum waren.

Die Namen der anderen 18 kamen politisch nicht in Frage. Sie wurden "nicht übernommen", wie es diplomatisch hieß. Den KPD-Chef Wilhelm Pieck (1946) hatte die West-Berliner Stadtverordnetenversammlung schon Ende 1948 sofort nach der Spaltung der Stadt gestrichen. Bei Erich Honecker (1982) haben das die Ost-Berliner Stadtverordneten Ende 1989 selbst besorgt. Der Senat strich SED-Chef Walter Ulbricht, Oberbürgermeister Friedrich Ebert und die LDPD-Politikerin Wilhelmine Schirmer-Pröscher. Die Übrigen waren sowjetische Militärs und Diplomaten. Eine Massenehrung hatte es zum 20. Jahrestag des Kriegsendes 1965 gegeben, als der Ost-Berliner Sowjetbotschafter Wladimir Semjonow und zehn Veteranen der Schlacht um Berlin ausgezeichnet wurden.

Drei waren Soldaten von legendärem Sowjetruhm: Michail Jegorow und Meliton Kantarija hatten am 30. April 1945 die rote Fahne auf dem Reichstag gehisst (das weltbekannte Foto wurde nachgestellt); Nikolai Mossalow, der am selben Tag in Berlin ein kleines Mädchen vor dem Ertrinken rettete, stand für den einfachen Soldaten mit Herz. 1971 erhielt der Ost-Berliner Sowjetbotschafter Pjotr Abrassimow anlässlich der Unterzeichnung des Viermächte-Abkommens über Berlin die Ehrenbürgerwürde. Als Nachzügler wurde 1975 auch der erste Stadtkommandant Nikolaj Bersarin zum Ehrenbürger ernannt.

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