Lügenpost im Briefkasten : Das Märchen von der Zwangsunterbringung von Flüchtlingen

Haben Sie mehr als 12 Quadratmeter pro Person zur Verfügung? Dann müssen Sie wohl Flüchtlinge aufnehmen! Das steht in einem - gefälschten - Brief. Jetzt ermittelt die Polizei wegen Volksverhetzung.

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Flüchtlinge in der Notunterkunft Karlshorst in Berlin
Flüchtlinge in der Notunterkunft Karlshorst in BerlinFoto: dpa

Der ein oder andere Empfänger des Schreibens wird einen gehörigen Schrecken bekommen haben, andere haben sicher gleich gedacht: Da kann doch etwas nicht stimmen. „Unterbringung von Asylbewerbern in derzeit privat genutzten Wohnungen“ steht über dem gefälschten Schreiben, die im Landkreis Oberhavel in Briefkästen aufgetaucht sind. Darin werden etwa Hennigsdorfer aufgefordert, den Behörden zu melden, wenn sie zu Hause über den ausreichenden „Wohnraum von 12 Quadratmetern je Person“ hinaus freie Kapazitäten besitzen. Jetzt ermitteln die Staatsanwaltschaft Neuruppin und Polizeidirektion Nord/Oberhavel wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und Volksverhetzung.

"Rechte Kreise versuchen, die Verwaltung lahmzulegen"

In dem von unbekannten Tätern fingierten Schreiben heißt es, „zugewiesene Aussiedler und jüdische Emigranten“ würden vorläufig in Übergangswohnungen untergebracht. Nunmehr werde aber der „Fachdienst Unterbringung von Asylbewerbern“ vorhandene „privat genutzte Wohnungen nach deren Aufnahmekapazitäten prüfen“. Und: „Gegebenenfalls wird die Unterbringung von Asylbewerbern in Ihrer Wohnung notwendig.“ „Das ist eine ganz perfide Methode, die Bemühungen des Landkreises bei der Unterbringung von Asylbewerbern zu unterlaufen und die Bürgerinnen und Bürger zu verunsichern“, teilt Landrat Ludger Weskamp über die Internetseite des Landkreises Oberhavel mit. „Rechte Kreise versuchen, die Arbeit der Verwaltung lahmzulegen.

"Bitte auch Nachbarn über die Fälschung informieren"

Man bedient sich unseres Kopfbogens, zitiert Passagen von der Internetseite des Landkreises. Das alles soll glaubwürdig klingen.“ Doch die Bürger, auch von Gransee, Leegebruch, Velten und Oranienburg, sollten sich „nicht in die Irre führen lassen und auch ihre Nachbarn über die Fälschung informieren“. Da unter anderem unberechtigt ein Briefbogen im Layout des Landkreises Oberhavel genutzt, die Kontaktdaten des Pressesprechers angegeben und dessen Unterschrift gefälscht war, wurde unverzüglich Anzeige erstattet. Das Dezernat Staatsschutz der Polizeidirektion Nord führt nun die Ermittlungen. Gesucht werden laut Landrat aber natürlich weiter Vermieter, die – selbstverständlich freiwillig – Wohnraum anbieten möchten. Auch Untermietverträge mit Privatpersonen sind möglich. Wer helfen will, schickt eine Mail an: FB-Soziales@oberhavel.de.

Symbolbild
SymbolbildFoto: dpa/Patrick Pleul
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