Berlin : Märkisches Museum: Wandeln unter Kreuzrippen

Man mag sich das Märkische Museum schon gar nicht mehr ohne seine "Große Halle" vorstellen - obwohl dieses imposante neugotische Kreuzgewölbe erst seit gestern wieder in voller Schönheit zu sehen ist. Welches Bild bot das 1908 eröffnete Museum zuvor? Was hatten ihm die Bomben des Zweiten Weltkrieges und lieblose Architekten zu DDR-Zeiten angetan?

Kurz gesagt, es war so ähnlich, als hätte man in ein provisorisch Instand gesetztes Schloss gnadenlos Rigips Platten eingezogen, als hätte man dort Decken abgehängt, um Büros zu erhalten. Seit 1995 wird das Märkische Museum nun wieder in seinen Urzustand zurückversetzt. Und der größte Kraftakt war die Sanierung der Großen Halle für rund zwei Millionen Mark.

14 Meter ist sie hoch, Licht strömt durch gotische Spitzbogenfenster, die Grundfläche entspricht den Maßen einer mittelgroßen Kapelle: Diesen sakralen Eindruck strebte der Architekt des Märkischen Museums, Ludwig Hoffmann, bewußt an. Schließlich sollte sein Werk den Berlinern vor Augen führen, wie im frühen bis späten Mittelalter in ihrer Heimat gebaut wurde. Das Museum selbst lud schon damals zum Spaziergang durch die Stadtgeschichte ein, es lag also nahe, auch seine Hülle als Schaustück zu gestalten.

Als wäre das Märkische Ufer eine Bühnenkulisse, entstand ein ungewöhnliches Haus aus Backsteinen, das unterschiedliche historische Elemente vereint. Es erinnert zugleich an die früheren märkischen Burgen, Klöster, Kirchen oder Rathäuser. Keine Sentimentalität im Sinne des Historismus, sondern ein Denkanstoß für alle, die vorbeikamen. Das Museum mit seinem markanten Turm sollte die Berliner an ihre Wurzeln erinnern, während die Stadt um die Jahrhundertwende atemlos in die modernen Zeiten stolperte.

Seit damals gilt die große Halle als einer der eindruckvollsten Museumsräume Berlins. Doch im Krieg wurde ihr Dach beschädigt, und zu DDR-Zeiten sparte man sich eine Rekonstruktion. In den 50er Jahren wurde das Kreuzrippengewölbe abgetragen und auf halber Höhe in der Halle eine Zwischendecke eingezogen, was den Charakter des Raumes völlig zerstörte. Auch drumherum ging man mit dem Erbe Ludwig Hoffmanns achtlos um, seine Architektur verschwand hinter einem Labyrinth von Umbauten.

Doch seit sechs Jahren wird das Museum für Berlins Geschichte unter der Regie der Stiftung Stadtmuseum liebevoll behandelt. Und seit gestern würde Hoffmann sein Werk auch im Inneren wiedererkennen. Rekonstruiert wurde sein System von Rundwegen, die wiederholt zum Herzstück, der Halle, zurückführen und diese durchqueren. Wer das Museum betritt, erlebt den Auftakt wie einst: Er steht in der Halle, die als Ausstellungsraum und als Versammlungsstätte genutzt werden soll.

Die Architektin Christiane Petersen leitetet die Rekonstruktion und hat zusammen mit den Handwerkern ein Meisterstück vollbracht. Zu allererst verschwand die Zwischendecke, danach wurde das Kreuzgewölbe wieder aus Ziegeln gemauert. Fast durchgängig setzte die Architektin historische Materialien ein und behielt die Vision ihres Vorgängers im Auge: Die Halle wirkt so malerisch, wie sie Ludwig Hoffmann bereits auf Skizzen dargestellt hatte.