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Mahnwache gegen islamistischen Terror : Merkel und Gauck vor Brandenburger Tor erwartet

Führende Politiker wollen heute gemeinsam mit den Muslimen in Deutschland und dem Zentralrat der Juden gegen islamistischen Terror und für ein friedliches Zusammenleben der Religionen demonstrieren.

Auch Gauck und Merkel kommen zur Mahnwache am Brandenburger Tor.
Auch Gauck und Merkel kommen zur Mahnwache am Brandenburger Tor.Foto: dpa

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland, die Türkische Gemeinde Berlin und andere muslimische Verbände haben für Dienstagabend um 18 Uhr zu einer Mahnwache für Toleranz und Religionsfreiheit in Berlin vor dem Brandenburger Tor aufgerufen. Die Verbände wollen mit der Aktion ihre Solidarität mit den Opfern der Terrorserie von Paris ausdrücken, die mit dem Anschlag auf das französische Satire-Magazin "Charlie Hebdo" ihren Anfang nahm.

Auch der Zentralrat der Juden nimmt an der kurzfristig organisierten Veranstaltung teil. Bei der Geiselnahme in einem koscheren Supermarkt waren in Paris neben den Mitarbeiterin von "Charlie Hebdo" und Polizisten vier Bürger jüdischen Glaubens getötet worden.

Außerdem hat die syrische Exil-Opposition ihre Anhänger aufgerufen, sich an der Berliner Mahnwache für Toleranz und Religionsfreiheit zu beteiligen. Das Büro der Nationalen Syrischen Koalition in Berlin erklärte am Dienstag: "Als Syrer können wir das Entsetzen über den Terrorismus besonders gut nachvollziehen." Es sei wichtig, ein gemeinsames Zeichen zu setzen, dass Demokratie, Freiheit und Solidarität stärker seien als die "Barbarei des Terrors".

Tausende Menschen zu Kundgebung mit Spitzenpolitikern erwartet

Tausende Menschen sollen zu der gemeinsamen Kundgebung gegen den islamistischen Terror kommen. Unter dem Motto „Zusammenstehen - Gesicht zeigen“ werden auch die Spitzen von Staat und Gesellschaft erwartet. Unter anderem ist eine Rede von Bundespräsident Joachim Gauck geplant. Außerdem wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sowie zahlreiche Minister und Oppositionspolitiker an der Veranstaltung teilnehmen. Auch Vertreter von Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft haben ihre Teilnahme angekündigt.

Angesichts islamfeindlicher Demonstrationen am Montag verurteilte die Kanzlerin erneut jede Ausgrenzung von Ausländern und Flüchtlingen. "Menschen, die aus Not, die aus Furcht um ihr Leben zu uns kommen, die Schutz suchen, haben ein Anrecht darauf, dass sie hier anständig behandelt werden", sagte die CDU-Vorsitzende bei einem Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Vereins Deutsche Gesellschaft in Berlin. Bereites am Montag hatte Merkel betont, auch der Islam gehöre zu Deutschland.

Auf dieses Bekenntnis der Kanzlerin hatte der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland zunächst zurückhaltend reagiert. Man müsse genau definieren, was damit gemeint sei. Im Hinblick auf die Mahnwache am Dienstagabend äußerte Sofuoglo aber Hoffnung auf eine Signalwirkung durch die gemeinsame Kundgebung in Berlin. "Ich hoffe, dass da ein Wir-Gefühl entsteht. Wir sind Deutschland", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Weltweite Trauer nach Pariser Anschlag
Aus Stiften und Kerzen geformt: "Ich bin Charlie".Weitere Bilder anzeigen
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10.01.2015 14:00Aus Stiften und Kerzen geformt: "Ich bin Charlie".

Große Teilnahme bei Anti-Pegida-Demonstrationen am Montag

Als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris hatten bereits am Montagabend bundesweit etwa 100.000 Menschen für ein friedliches Zusammenleben der Religionen demonstriert. Die Kundgebungen richteten sich gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung. In der Hauptstadt gingen rund 4000 Menschen auf die Straße. Ihnen standen etwa 400 Anhänger des rechtspopulistischen Berliner Pegida-Ablegers Bärgida gegenüber. Dessen Demonstrationszug kehrte nach rund 500 Metern wegen einer drohenden Blockade wieder zum Ausgangsort am Brandenburger Tor zurück. Nach Auskunft der Polizei blieb es auf beiden Seiten friedlich.

Die größten Demonstrationen gegen Pegida gab es in Leipzig, München und Hannover. In Dresden, wo die Pegida-Bewegung ihr Zentrum hat, folgten nach Polizeiangaben 25.000 Pegida-Anhänger einem von zahlreichen Politikern kritisierten Aufruf zu einem Trauermarsch. dpa/Tsp

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