Mangelnder Lärmschutz am BER : Baufortschritt: Eine Wohnung pro Monat

Am neuen BER-Flughafen in Schönefeld kommt das Schallschutzprogramm weiter nur schleppend voran. Für 11.900 Wohnungen wurden Anträge gestellt. Erst 655 wurden bislang bewilligt.

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Noch viel Arbeit vor sich: Flughafenchef Karsten Mühlenfeld und der Aufsichtsratsvorsitzende, Brandenburgs Staatssekretär Rainer Bretschneider.
Noch viel Arbeit vor sich: Flughafenchef Karsten Mühlenfeld und der Aufsichtsratsvorsitzende, Brandenburgs Staatssekretär Rainer...Foto: dpa/Bernd Settnik

Um den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld sind weiterhin kaum Wohnungen mit Schallschutzfenstern gegen Lärm geschützt, obwohl seit einer Woche bereits vorübergehend auf der neuen BER-Südbahn geflogen wird. Nach den neuesten Bilanzzahlen, die die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) am Montag im BER-Sonderausschuss des Landtages vorstellte, stagniert das Programm. „Wir haben noch keine ungeheuren Sprünge gemacht“, sagte Ralf Wagner, der zuständige FBB-Abteilungsleiter.

Es geht um die Anwohner des künftigen Airports, die am stärksten von Fluglärm betroffen sein werden, in den unmittelbar am BER gelegenen Orten wie Blankenfelde-Mahlow oder Waltersdorf. Im sogenannten unmittelbar um den BER gelegenen „Tagschutzgebiet“ besteht für 14.000 Wohnungen Anspruch auf Schutz, für 11.900 Wohnungen wurden Anträge gestellt. Doch bislang (Stand 31. März) hat die Flughafengesellschaft erst für 655 Wohnungen Schallschutz abschließend bewilligt – und dafür das Geld ausgezahlt. Vor einem Monat waren es mit 565 Fällen kaum weniger.

Real eingebauten Schallschutz haben bislang sogar nur 88 Wohnungen, für die der Flughafen den Anwohnern die Kosten für den Einbau von Schallschutzfenstern, Dämmungen und Lüftern erstattet hat. Vor einem Monat war das eine einzige Wohnung weniger. „Das macht uns auch nicht zufrieden“, sagte Wagner.

Das Gros der Fälle, 567 Bewilligungen, sind ausgezahlte Entschädigungen. Die erhalten Eigentümer für Gebäude, in denen der Schutzstandard technisch nicht erreicht werden kann und die Schallschutzkosten 30 Prozent des Verkehrswertes übersteigen würden und sich der Einbau nicht lohnt.

Viele Anwohner warten mit der Unterschrift

Der Flughafen sieht die Gründe im Zögern von Anwohnern, die Vereinbarungen mit der FBB zu unterzeichnen. Für knapp 4600 Wohnungen hat das Team Wagners die entsprechenden Kostenerstattungszusagen – der Umfang des nötigen und dann bezahlten Schutzes wird für jede Wohnung berechnet – verschickt. Doch viele Anwohner zögern, die Vereinbarungen zu unterzeichnen und die Firmen zu beauftragen. Die Kritik an zu bürokratischen, rigiden Bewilligungen – etwa der Ablehnung von Außendämmungen – reißt nicht ab. „Es liegt in Verantwortung der Betroffenen, Firmen zu beauftragen.“

Wie sieht's denn hier aus? Rundgang über den BER
Muntere Ausflugsrunde. Wir stehen hier auf der Südbahn, gemeinsam mit den Tagesspiegel-Lesern vom "Checkpoint". Natürlich ist der rote Teppich ausgerollt, ganz rechts: unser Bus. Hinten links: Der Flughafen.
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1 von 28Foto: Thilo Rückeis
02.03.2015 12:04Muntere Ausflugsrunde. Wir stehen hier auf der Südbahn, gemeinsam mit den Tagesspiegel-Lesern vom "Checkpoint". Natürlich ist der...

Der bewilligte Schallschutz reicht immerhin deutlich aus, um die Wohnungen tatsächlich so zu schützen, dass drinnen Ruhe ist. Das ergaben erste Lärmpegelmessungen in den Orten nahe der BER-Südbahn, von der während der Sanierung der Nordbahn bis Mitte Oktober die Flieger des alten Schönefelder Airports starten und landen. Nach der nun für 2017 geplanten BER-Eröffnung werden sie alle zwei Minuten in geringer Höhe überflogen.

Bei den Messungen wurden dort Spitzenpegel zwischen 73 Dezibel (Eichwalde) und 91,2 Dezibel (Kienitzberg) gemessen, was deutlich unter früheren Annahmen liegt, aber etwa dem Pegel zwischen einem Lkw und einem Presslufthammer entspricht. Für die Berechnung der Schallschutzmaßnahmen werden nach Auskunft Wagners aber weit höhere Spitzenpegel zugrunde gelegt, im Schnitt für zehn Dezibel mehr. „Zehn Dezibel sind da Welten.“

Mühlenfeld: "Es sieht alles gut aus"

Die geplante BER-Eröffnung im Herbst 2017 sei gewährleistet, betonte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. „Wir haben zurzeit keine Sorge, das zweite Halbjahr 17 als Eröffnungstermin zu erreichen. Es sieht alles gut aus.“ Lediglich bei der Sanierung der Kabeltrassen sei man etwas im Rückstand, habe aktuell 65 Prozent geschafft statt der 75 Prozent, die es sein müssten. Beim baulichen Brandschutz habe man 40 Prozent geschafft, bei der Beseitigung weiterer Mängel 48 Prozent.

Eine Inbetriebnahme im Herbst 2017 sei auch wichtig, weil die Sicherheits-Zertifizierung der europäischen Behörden für den Flughafen Tegel Ende 2017 auslaufe, sagte Mühlenfeld. „Die Kosten für eine neue Zertifizierung möchten wir uns gerne sparen.“