Mariendorf : Martin-Luther-Gedächtniskirche: Vorm Abriss gerettet

Die baufällige Martin-Luther-Gedächtniskirche in Mariendorf wird saniert. Das Gebäude mit NS-Symbolen wurde 1936 eingeweiht.

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Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Gestern stellte Pfarrer Hans-Martin Brehm gemeinsam mit Vertretern vom Denkmalamt und der Landeskirche das Sanierungskonzept vor. Insgesamt 1,6 Millionen Euro haben die Bundesregierung, das Land Berlin und die Evangelische Kirche bewilligt, um das von den Nazis geprägte Gebäude zu erhalten. „Es ist ein national wertvolles Denkmal“, sagte der Landeskonservator des Berliner Denkmalamtes Jörg Haspel. Unter der Leitung der Stadtentwicklungsgesellschaft „Stattbau“ soll bis 2011 die Renovierung des Glockenturms abgeschlossen und ein neues Nutzungskonzept erarbeitet werden. Neben Gottesdiensten sind Bildungs- und Kulturveranstaltungen in den Räumen geplant. Jedoch fehlen für die nächsten Jahre noch weitere 2 Millionen Euro, um auch das Kirchenschiff zu renovieren.

Die Kirche ist ein einzigartiges Zeugnis davon, wie tief der Einfluss der Nationalsozialisten auf die christliche Gemeinde in Deutschland war. Bei der Einweihung im Jahr 1935 wurden nicht nur Kirchen-, sondern auch Nazilieder gesungen. Den Altar ziert das Relief eines SA-Mannes direkt neben Jesus. Lediglich verbotene Nazisymbole wurden nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt.

Im Jahr 2003 mussten bereits die Empore und der Glockenturm aufgrund schwerer Bauschäden gesperrt werden. Seither wird der Turm mit einem Gerüst stabilisiert. Zwischenzeitlich hatte die Gemeinde schon darüber diskutiert, die Kirche abzureißen. Pfarrer Brehm zeigte sich erleichtert, dass jetzt die Zukunft seines Gotteshauses gesichert ist. „Natürlich erzählt man lieber Heldengeschichten vom kirchlichen Widerstand als vom Einknicken und Versagen der Christen im Dritten Reich“, sagt Brehm. Er sieht in der unbequemen Geschichte des Gebäudes die Chance, sich mit der Vergangenheit intensiv auseinanderzusetzen. Wie sich das umsetzen lässt, zeigt die Ausstellung „Getauft – Verstoßen – Deportiert“, die derzeit im Gebäude gezeigt wird. Darin werden das Schicksal und die Verfolgung Menschen jüdischen Glaubens innerhalb der Kirche gezeigt. Die Ausstellung ist noch bis zum 9. November in der Kirche zu sehen. jra

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