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Marsch durch Berlin-Mitte : Demo der Rechtsextremen endet friedlich

Es kamen mehr Teilnehmer als erwartet, aber die Demo der Rechtsextremen durch Berlin ging ohne Zwischenfälle am Samstagabend zu Ende.

von , und Christian Vooren
Marsch durch Regierungsviertel. 3000 Menschen kamen zur rechten Demo in Berlin.
Marsch durch Regierungsviertel. 3000 Menschen kamen zur rechten Demo in Berlin.Foto: Paul Zinken/dpa

Mehr als 10 000 virtuelle Zusagen hatte es für die rechte „Merkel muss weg“- Demo auf Facebook gegeben. Ganz so viele reale Teilnehmer waren es am Ende nicht, aber die Hoffnung der Veranstalter auf 2000 Teilnehmer wurde am Sonnabend sogar deutlich übertroffen. Nach Polizeiangaben hatten sich rund 3000 Menschen am Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof versammelt. Sicherheitskreise hatten sogar nur mit einer niedrigen dreistelligen Teilnehmerzahl gerechnet. Ein Experte zeigte sich verwundert über den „den braunen Bodensatz aus Hardcore-Pegidisten, Neonazis, Hooligans, Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern“, der sich da gegen 16.30 Uhr in Bewegung setzte. Rechtsextremisten der Gruppe „Wir für Berlin & Wir für Deutschland“ hatten zu dem Marsch aufgerufen.

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Demo gegen Rechts am 12. März 2016.
Rund 1000 Menschen demonstrieren gegen Rechts


Auf der Gegenseite trafen sich demokratische Parteien von der CDU bis zu den Linken sowie zahlreiche Verbände, Gewerkschaften und linksextreme Gruppen zu mehreren Gegenkundgebungen und einer Gegendemonstration. Die Teilnehmer dieser Veranstaltungen waren allerdings deutlich in der Unterzahl. Entlang der mit Gittern abgesperrten Strecke hatten sich rund 1000 Personen versammelt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte auf 2000 Unterstützer der Gegenveranstaltung gehofft.

Massive Verkehrsbehinderungen

Die Polizei – mit 1300 Beamten im Einsatz – und die Verkehrsinformationszentrale hatten seit Freitag vor massiven Verkehrsbehinderungen gewarnt. Während der Demo kam es im Regierungsviertel und entlang der Strecke immer wieder zu Sperrungen und Staus. Die Behinderungen dauerten auch noch an, als der Zug schon längst weitergezogen war – zum Ärger von Passanten. Die Demo begann am Hauptbahnhof, von dort ging es über Reinhardtstraße, Luisenstraße, Wilhelmstraße, Dorotheenstraße und Ebertstraße bis zum Brandenburger Tor.
Der Marsch war von einer Einzelperson angemeldet worden, einem Mitarbeiter der rechtsextremen Kleinpartei „Bürgerbewegung Pro Deutschland“. Die auf Facebook veröffentlichten Forderungen waren eine Mischung aus kruden, rechten und sinnfreien Parolen. So hieß es: „Wir fordern eine gezielte Förderung der Talente unserer Kinder“, die „EU-Diktatur“ wurde abgelehnt, „Grenzkontrollen in der gesamten EU“ gefordert.

Verschwörungstheoretiker unterwegs

Dass auch Verschwörungstheoretiker bei der Demo waren, zeigt die Parole „Freie Energie zulassen“ – eine bekannte Parawissenschaft. „Hetzreden gegen Flüchtlinge“ sollte es nicht geben, so hatten es die Organisatoren im Vorfeld versprochen. Das hinderte die Teilnehmer letztlich aber nicht daran, neben „Merkel muss weg“- und „Lügenpresse“-Parolen auch „Wir wollen keine Asylantenheime“ zu skandieren. Als die auf etwa 1800 geschrumpfte Menge gegen 17.15 Uhr das Brandenburger Tor erreichte, sang sie die Nationalhymne. Die Gegendemonstranten konterten sich mit „Nazis raus“-Rufen. Die Polizei überprüfte mehr als 30 Rechte und fand dabei Pfefferspray sowie Quarzhandschuhe, die als eine Art Schlagwerkzeug dienen. Zudem kontrollierten die Beamten sechs Gegendemonstranten. Am Ende löste sich alles friedlich auf.

Ex-Pegida-Frontfrau Kathrin Oerthel vornweg

Dem Demo-Zug vorneweg marschierte übrigens die ehemalige Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel. Sie griff auch zum Mikrofon. Ihr früherer Mitstreiter Lutz Bachmann hatte sich dagegen von der Demo distanziert; die Berliner Bärgida-Bewegung hatte angekündigt, die Veranstaltung zu ignorieren.
Die AfD beteiligte sich am Sonnabend offiziell nicht an der Aktion. Als Redner angekündigt war aber mit Phillip Christ ein Hamburger AfD-Politiker. Die Partei lädt heute zum Landesparteitag. Die Proteste gehen deshalb weiter. In einem Aufruf der autonomen Szene heißt es: „AfD sabotieren“. Wie berichtet, musste die Partei sich einen neuen Versammlungsort suchen, nachdem ein Moabiter Hotel nach einem Farbanschlag und Drohungen den Vertrag gekündigt hatte. Nun findet der Parteitag in Lichtenberg statt.

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