Massentierhaltung : Im Kampf gegen das Schweinesystem

Unsere Autorin erklärt, warum es für Berlins grünen Justizsenator Dirk Behrendt um die Wurst geht. Eine Glosse.

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Sauwohl. Senator Dirk Behrendt zu Besuch beim Sattelschwein auf der Domäne Dahlem.
Sauwohl. Senator Dirk Behrendt zu Besuch beim Sattelschwein auf der Domäne Dahlem.Foto: imago/photothek

Das ist natürlich wieder ein gefundenes Fressen – hier stimmt die Metapher wenigstens halbwegs, denn es geht um die Wurst und um das Schwein, aus dem sie gemacht wird. Wie ging es dem Tier vor der Schlachtung? Hatte es genug Platz im Stall? Konnte es sich die Zeit mit Holzspielzeug vertreiben?

Verbrauchersenator Dirk Behrendt (Grüne) hat am Donnerstag die Parlamentssitzung geschwänzt und ist zur Agrarministerkonferenz nach Lüneburg gereist, und alle, die Behrendt ohnehin gefressen haben, regten sich auf: Hat er denn keine anderen Probleme? Die vernachlässigte Berliner Justiz ächzt im Kampf gegen kriminelle Clans, Mädchenhändler, Betrüger und Hacker.

Sprachrohr der Schweine

Hätten die Ermittler nicht mehr Unterstützung durch den Senator verdient als die Schweine? Wo bleiben das nötige Personal für die Gerichte, eine verfassungsgemäße Besoldung, moderne Software?

„Während es der Senator nicht einmal schafft, sich die Probleme der Justiz auch nur anzuhören, stürzt er sich mit immensem Eifer auf Probleme, die im Land Berlin gar nicht vorhanden sind“, stänkert Marcel Luthe von der FDP, sein AfD-Kollege Marc Vallendar nennt „die politische Prioritätensetzung“ des Justizsenators „selbst für einen wohlwollenden Beobachter kaum mehr nachvollziehbar“, CDU-Kollege Sven Rissmann sieht Behrendt „auf Abwegen, während die Berliner Justiz im Chaos versinkt“.

In Niedersachsen leben 8,4 Millionen Schweine, in Berlin sind es nach letzter Zählung ganze 65 Stück. Der Senat legt nun die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung dem Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vor, um klären zu lassen, ob diese gegen das Grundgesetz verstößt.

Wenige Schweine aber Millionen Konsumenten

Bei aller Kritik: Völlig abwegig ist der Vorstoß nicht. Immerhin leben mehr als drei Millionen Konsumenten in Berlin, die wissen wollen, was auf ihren Tellern landet. Und Länder wie Niedersachsen, in denen die Agrarlobby mächtig ist, können Berlins Unterstützung für das Tierwohl sicher gebrauchen.

Die Normenkontrolle betrifft Bundesrecht; die von Behrendt bestallte Tierschutzbeauftragte Diana Plange wurde gerade von den deutschen Landestierschutzbeauftragten zu ihrer Sprecherin gewählt und dürfte diesen Vorstoß initiiert haben. Das erscheint auch nicht als kritikwürdig, solange Behrendt das eine tut, ohne das andere zu lassen. Schließlich soll es nicht nur den Schweinen in ihren Käfigen (die inkriminierte Sorte heißt Kastenstand) besser gehen, auch Schwerkriminelle sollen möglichst artgerecht unterkommen. Hinter Gittern.

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