Missmanagement beim Flughafen : BER-Desaster: Frühe Warnungen wurden ignoriert

06.10.2012 22:17 Uhrvon
Eine der Landebahnen des Berliner Flughafens ist vor ein paar Wochen zumindest schon mal zur Besichtigung freigegeben worden. Foto: dapd
Eine der Landebahnen des Berliner Flughafens ist vor ein paar Wochen zumindest schon mal zur Besichtigung freigegeben worden. - Foto: dapd

Die Planer des Hauptstadtflughafens BER wiesen die Geschäftsführung schon früher als bisher bekannt auf Probleme hin. Ein Controllingbericht an den Aufsichtsrat wurde geschönt.

Beim Berliner Flughafendesaster mit dem mehrfach verschobenen Eröffnungstermin hat es schon wesentlich früher Warnungen gegeben, dass der Termin gefährdet sei, als bisher bekannt war. Zu den Frühwarnern gehörten nach Tagesspiegel-Informationen auch die mit der Bauüberwachung beauftragten Architekten, deren Vertrag nach der kurzfristigen Verschiebung der für den 3. Juni 2012 vorgesehenen Inbetriebnahme des Flughafens von der Flughafengesellschaft gekündigt worden ist.

In einem Bauüberwachungsbericht der Planungsgemeinschaft Flughafen Berlin Brandenburg International vom Januar 2012 sind neun rote Pfeile für mehrere Bereiche verzeichnet, die zeigen, dass die Planziele nach aktuellem Stand nicht erreicht werden.

Daraus wurden im folgenden Controllingbericht vom März 2012 an den Aufsichtsrat durchweg gelbe Ampeln, die signalisieren, dass es Probleme gibt, diese aber lösbar seien, obwohl sich am Sachstand nichts geändert hatte. Bisher war den Planern – den Architekturbüros gmp (von Gerkan, Marg und Partner) sowie JSK – vorgeworfen worden, sie hätten zu spät auf Probleme hingewiesen. Sie selbst wollten sich wegen einer inzwischen eingereichten Klage der Flughafengesellschaft, die einen Schaden von 80 Millionen Euro geltend macht, nicht äußern.

Rote Pfeile gab es in dem Überwachungsbericht bei den Bereichen Gebäudeautomation, Sicherheitssysteme sowie für die Position Heizung, Kühlung, Lüftung, Sanitär. Wörtlich heißt es hier: „Inbetriebnahme und Gesamtablauf kritisch, besonders für Sicherheitstechnische Anlagen.“ Und bei den Sicherheitssystemen heißt es: „Fertigstellung sicherheitsrelevanter Anlagen (Türen, Brandfall) auf kritischem Weg.“

Empfänger des Berichts war der Planungs- und Baubereich der Flughafengesellschaft. Das Schreiben war auch Grundlage für den Controllingbericht des Projektsteuerers WSP an den Aufsichtsrat, der dann nur noch die gelben Ampeln enthielt. Zu klären, wie es dazu kam, gehört jetzt auch zu den Aufgaben des Untersuchungsausschusses des Abgeordentenhauses, der im Herbst seine Arbeit aufnimmt.

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Welche Konsequenzen sollte Klaus Wowereit aus dem Flughafen-Desaster ziehen?

Flughafensprecher Ralf Kunkel sagte, es sei unstrittig, dass es im Baubereich der Flughafengesellschaft „Unzulänglichkeiten“ gegeben habe. Insider berichten, die verschiedenen Stufen der Berichterstattung über den Stand der Arbeiten hätten häufig nicht zusammengepasst. Die Vorgänge im Baubereich würden nun „im Detail“ aufgearbeitet, sagte Kunkel. Den Bericht der Bauüberwacher mit den roten Pfeilen kenne er nicht.

Der Chef des Baubereichs, Manfred Körtgen, hatte das Unternehmen bereits im Mai verlassen müssen. Weitere leitende Mitarbeiter zog Körtgens Nachfolger Horst Amann kurz nach Beginn seiner Arbeit aus dem Projekt ab. Eine offizielle Begründung dafür gab es nicht; Insider schließen einen Zusammenhang beim Umgang mit den Berichten jedoch nicht aus.

Unterdessen hat die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, auch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erneut in die Pflicht genommen. Sollte sich im Untersuchungsausschuss herausstellen, dass Wowereit als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft Pflichtverletzungen begangen habe, müsse er die Konsequenzen ziehen, sagte Künast im Tagesspiegel-Interview. Dann brauche man Neuwahlen. Im Umgang mit dem Flughafen habe Wowereit „nicht mit offenen Karten gespielt“.

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