Nach Terroranschlag im Dezember : Der Breitscheidplatz bekommt eine Erinnerungsstätte

Sieben Architekten erarbeiten derzeit Vorschläge, über die eine Jury entscheiden soll. Geplante Einweihung: am ersten Jahrestag des Anschlags.

Provisorisches Gedenken. Am Breitscheidplatz stehen Kerzen und Blumen, die an die Opfer erinnern. 
Provisorisches Gedenken. Am Breitscheidplatz stehen Kerzen und Blumen, die an die Opfer erinnern. Foto: Sophia Kembowski/dpa

Noch immer erinnern Kerzen und Blumen vor der Gedächtniskirche an die Toten des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt. Aber so berührend diese über nun schon mehr als ein halbes Jahr anhaltende Anteilnahme auch ist – sie wird wohl irgendwann abnehmen und vermag eine offizielle und dauerhafte Würdigung der zwölf Opfer des Attentäters Anis Amri nicht zu ersetzen, die jetzt langsam Gestalt annimmt.

Wie Senatssprecherin Claudia Sünder bestätigte, arbeiten auf Initiative des Senatskanzlei sieben ausgewählte Architekturbüros, die bereits andere Gedenkorte gestaltet haben, an Vorschlägen für eine Erinnerungsstätte. Vorgegeben ist die Größe: eine Fläche von fünf mal vier Metern – wie Martin Germer, Pfarrer an der Gedächtniskirche, sagte, an der Nordseite der Kirche, in der Nähe des Anschlagsortes. „Zur Erinnerung an die Opfer des Terroranschlags auf dem Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016. Für ein friedliches Miteinander aller Menschen“, soll der Text lauten, ergänzt um die Namen und Herkunftsländer der Toten.

Gedenkort soll am ersten Jahrestag eingeweiht werden

Es habe bereits zahlreiche vorbereitende Treffen gegeben, bei denen man sich auf das Vorgehen verständigt habe, sagte die Senatssprecherin. „Angemessenheit“ sein ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des dann zu verwirklichenden Entwurfs, über den eine elfköpfige Jury entscheide. Sie werde sich aus Fachpreisrichtern, Architekten etwa, und Sachpreisrichtern zusammensetzen, zu denen auch er zähle, sagte Pfarrer Germer. Zum ergänzenden Kreis weiterer „Sachverständiger“ werden auch zwei Angehörige von Opfern gehören. Koordiniert wird das Verfahren von Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales.

Für die Einweihung des Gedenkortes ist der erste Jahrestag des Anschlags ins Auge gefasst worden. Wie Pfarrer Germer sagte, habe es anfangs auch Überlegungen gegeben, ob dieser Zeitpunkt nicht zu früh sei. Nach dem Anschlag aufs Münchner Oktoberfest 1980 habe es einige Jahre gedauert, bis dort ein Gedenkort entstand. Es habe sich dann aber doch die Meinung durchgesetzt, dass der 19. Dezember dieses Jahres der richtige Zeitpunkt sei. Und er habe das Gefühl, dass dies auch der öffentlichen Erwartung und der der Angehörigen entsprechen.

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