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Nase voll : Deutschlands erste Pheromonen-Party floppt

20.04.2013 16:38 Uhrvon
Duftprobe. An den Beuteln mit getragenen T-Shirts testen die Singles, ob sie sich gut riechen können.Bild vergrößern
Duftprobe. An den Beuteln mit getragenen T-Shirts testen die Singles, ob sie sich gut riechen können. - Foto: David Heerde

Ein Datingportal lädt zur Schnüffelparty. Anhand des Geruchs sollen Singles den perfekten Partner finden. Es kommen zwar fast nur Journalisten, doch ein Pärchen findet sich trotzdem.

Die Party läuft noch nicht sehr lange, die ersten Tüten machen gerade die Runde, da hält Tanja plötzlich inne. Sie reckt ihre Nase in alle Richtungen. „Es müffelt.“ Sie schaut in die Runde. „Findet ihr nicht?“ Es stimmt. Es ist stickig, hier im Hinterzimmer. Sehr warm. Was an den ganzen Kameras liegen könnte, an den Scheinwerfern und Aufnahmegeräten, an der ganzen wuselnden Pressemeute.

Ein Altbau in Friedrichshain, Erdgeschoss, Bitte & Danke nennt sich der Laden in der Gabelsbergerstraße 8. Ein junges deutsches Datingportal hat eingeladen, zur ersten Pheromon-Party Deutschlands, eine „Event-Sensation“, wie es heißt. Pheromone, das sei kurz erklärt, sind menschliche Duftstoffe.

Das Prinzip des Abends: Die Teilnehmer stopfen gebrauchte T-Shirts in eine nummerierte Plastiktüte, andere Teilnehmer schnüffeln dran – und wo es besonders gut riecht (oder am wenigsten schlecht), dahinter soll der Traumpartner stecken. Der dann mittels eines Fotos entscheiden kann, ob er die nächsten Schritte einleitet. Kommt natürlich, wie jeder gute Trend, aus den USA.

Es sind wirklich viele Leute gekommen, das ist schon mal schön. Aber es sind fast ausschließlich Journalisten. Womit sich zum einen deren Arbeit erheblich erschwert. Typischer Dialog: „Und, was hast du schon so gerochen?“ – „Nichts, bin auch von der Presse.“ Den wenigen echten Teilnehmern macht es den Abend schlicht zur Hölle. Tanja hat schnell, Pardon, die Nase voll: „Ihr macht alles kaputt! Wir sollen hier den Mann fürs Leben erriechen und werden so belagert.“ Daher will sie in den Artikeln irgendwann nur noch Tanja genannt werden. Es gelingt ihr, sich aus dem Knäuel herauszuwinden, doch kaum dreht sie sich um, blinzelt sie in einen grellen Lichtkegel. Das N24-Team hat sie gestellt. „Und, hast du ihn schon gefunden? Na, deinen Traummann?“

Es ist keine ganz einfache Situation. Es schnürt einem den Atem ab. Also vor in den Empfangsraum. Vor der Sponsorenwand posiert eine Teilnehmerin mit blonden Ringellocken, Minirock und Stiefeln. „Be sexy!“, schreit sie der Hausfotograf an. „More sexy! More sexy!“ Die blonde Frau öffnet ihren Mund, schaut jetzt irgendwie lasziv, vielleicht hat sie das mal in einer Eiswerbung gesehen. Apropos: „Produkte zum Verlieben“, mit diesem Slogan wirbt der Veranstalter für seine Seite. Die Produkte, das sind die Männer. Die Frauen können sie in ihren Warenkorb legen. Die Liebe in Zeiten von Amazon.

Als nächstes wird ein schmaler junger Mann an die Wand gestellt, dünne Brille, kariertes Hemd. „Und, wie viele Fotos hast du schon so machen lassen?“ – „Drei.“ – „Und wonach riecht sie, deine Lieblingsfrau?“ – „Keine Ahnung, angenehm.“ – „Wie angenehm?“ – „Angenehm halt. Keine Parfümbombe oder zu viel Schweiß. So, dass man sich vorstellen kann, neben dieser Frau aufzuwachen.“ Das ist dann tatsächlich mal ein halbwegs schöner Satz. Doch der junge Mann muss schnell weg, er hat schon sehr viele Interviews gegeben.

Zurück in den Mittelraum, auf Ledersofas plaudern biertrinkende Journalisten. Die ersten Facebook-Anfragen gehen raus. Informationen machen rasend schnell die Runde, das ist der Vorteil. So spricht sich schnell herum, dass die beiden schönen Menschen neben Tanja eigentlich Models sind, die sich das RTL-Team als Protagonisten mitgebracht hat. Praktisch. Er könnte so vom Typ her der Sohn von Detlef „D!“ Soost sein, ist eigentlich Tänzer. Seine Tattoos werden leider vom Muskelshirt halb verdeckt. Und sie ist die Sorte Frau, die sich ihre Haare schwarz färbt. Aus ihrem knallengen Büxlein ragt ein weißes iPhone-Cover heraus, mit ein paar funkelnden Edelsteinen drauf, immer mal wieder zieht sie es mit spitzen French-Nail- Fingern heraus. Der Kameramann ist dagegen einfach nur ein echter Profi. Sein Spezialgebiet: rasend schnelle Schwenks. Von der Foto-Leinwand auf die Models. Und zurück.

Und dann wird’s ernst. Ein Indie-Typ mit Hut hat sich mit der Nummer des Models ablichten lassen. Das Team rüstet sich zum Angriff. Schwarzhaarige vorweg, dicht dahinter Reporter, Kamera- Profi und dann der stolpernde Tonmann, er kommt kaum hinterher. Es ist zu eng, zu laut, man kann leider nicht hören, wie das Gespräch so anläuft.

Tanja hat irgendwann genug. Sie zieht sich die Jacke an. „Gehst schon?“ – „Guck dir mal die Leute an“, sagt sie, „da spricht heute keiner mehr irgendwen an.“ Auf dem Weg nach draußen kommt sie an der Schwarzhaarigen und dem Hut vorbei, die sich tatsächlich immer noch unterhalten, die Kamera ist längst aus, der Beitrag im Kasten. Wie sie so dastehen, geben sie ein großartiges Pärchen ab. Der Singer-Songwriter und die Großraumdisko. Zu gerne würde man ihnen jetzt ein paar Fragen stellen, ob und wie sie sich riechen können, zum Beispiel, aber das wäre nicht angebracht. Genug geschnüffelt.

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