Neue Netzplattform : Transparenter Leerstand

03.04.2012 00:00 Uhrvon
  • Eine der bekanntesten Bauruinen der Stadt ist die ehemalige Nato-Abhöranlage auf dem Teufelsberg im Grunewald. Immer wieder scheiterten dort anvisierte Bauprojekte, langsam holt sich die Natur das Gelände zurück. Foto: dpa
    Eine der bekanntesten Bauruinen der Stadt ist die ehemalige Nato-Abhöranlage auf dem Teufelsberg im Grunewald. Immer wieder scheiterten dort anvisierte Bauprojekte, langsam holt... - Foto: dpa
  • Die ehemalige Frauenklinik in Neukölln wurde zwischen 1966 und 1978 erbaut, seit 2005 steht das Gebäude leer. Foto: leerstandsmelder.de
    Die ehemalige Frauenklinik in Neukölln wurde zwischen 1966 und 1978 erbaut, seit 2005 steht das Gebäude leer. - Foto: leerstandsmelder.de
  • Durch Vandalismus wurde das am Eingang aufwendig verzierte Gebäude stark beschädigt, ebenso wie... Foto: leerstandsmelder.de
    Durch Vandalismus wurde das am Eingang aufwendig verzierte Gebäude stark beschädigt, ebenso wie... - Foto: leerstandsmelder.de

Eine Internetseite zeigt ungenutzte Gebäude und brachliegende Flächen in Berlin. Die Macher wollen Zwischennutzungskonzepte diskutieren und unnötige Neubauten vermeiden.

Das Eierhäuschen am ehemaligen Spreepark ist dabei, die frühere Frauenklinik in Neukölln und sogar der noch genutzte Flughafen Tegel: diese Gebäude und viele andere werden auf "www.leerstandsmelder.de" aufgelistet. Seit Montag ist diese Internetseite für Berlin online.

Sie soll auf brachliegende Flächen und ungenutzte Immobilien aufmerksam machen, die möglicherweise als Partyort, für Kunstaktionen oder andere Zwecke zwischengenutzt werden können. Außerdem würden "sinnlose Neubauten verhindert", indem man beispielsweise auf leerstehende Bürohäuser hinweise, sagen die Initiatoren. Alle Orte sind dafür übersichtlich auf einem interaktiven Stadtplan eingezeichnet.

In Berlin hat die Idee allerdings nicht Premiere: Zuvor gingen schon entsprechende Seiten für Frankfurt, Kaiserslautern, Bremen und Hamburg ans Netz. Sarah Oswald, Mitglied im Verein "openBerlin e.V.", der die Berliner Seite betreut, will vor allem "Leerstand transparent aufzeigen". Die zehn Aktiven hätten sich schon lange mit Konzepten der Zwischennutzung beschäftigt, sagt sie. Es habe sie gestört, dass es noch kein vergleichbares Angebot gab. Mittlerweile sind in Berlin 106 Liegenschaften auf der Karte eingetragen. "Ihre Nutzer können sich über sinnvolle Konzepte austauschen, davon können sogar die Eigentümer profitieren." Oswald nennt als Beispiel eine zuletzt von einem Nutzer eingetragene Kleingartenanlage, die zwischen dem Tempelhofer Feld, S-Bahngleisen und Fernstraßen verwahrlose. Die meisten Menschen würden gar nicht mitbekommen, wenn so etwas irgendwo brachliege. Nun soll "die Crowd", also die auf der Seite aktive Netzgemeinde, die Gebäude und Areale entdecken, publizieren und für Qualität und Genauigkeit garantieren. "Wenn jemand eine falsche Info reinschreibt, korrigiert das ein anderer", sagt Oswald.

Die Initialzündung für www.leerstandsmelder.de war die erfolgreiche Besetzung des Gängeviertels in der Hamburger Innenstadt. Der Betreiberverein "Gängeviertel e.V" zählt alleine im Umfeld des Autonomenzentrums "Rote Flora" und der Hafenstraße mittlerweile rund 570 Leerstände. Mittlerweile würden sich sogar Mitarbeiter der Städtischen Entwicklungsgesellschaft (Steg) an den Diskussionen um einzelne Immobilien beteiligen, sagt Mitinitiator Michael Ziehl.

Als abrufbare Informationen zu den Objekten werden neben der Anschrift und der früheren Nutzungsart auch Angaben zum Eigentümer gemacht – falls dieser zu ermitteln ist. Proteste von Besitzern, die sich an den Pranger gestellt fühlen könnten, hat es laut Michael Ziehl kaum gegeben, obwohl die Hamburger die Seite schon seit Dezember 2010 nutzen können. "Wir wollen nicht gegen Eigentümer hetzen, sondern mit ihnen in einen Dialog treten", sagt Ziehl.

Die Hamburger Behörden und die Polizei sehen www.leerstandsmelder.de nicht als Problem an, obwohl die Seite potentiell als Informationsbasis für Hausbesetzungen dienen könnte. "Wir haben hier keine so aktive Besetzerszene, die Zeiten der Hafenstraße sind lange vorbei", sagt ein Sprecher der Innenbehörde.

Was mit den bereitgestellten Informationen für Berlin letztendlich geschieht und welche Fortschritte erzielt werden, können Oswald und Ziehl nicht genau sagen, "das bekommen wir kaum mit". Auf alle, die den zunehmenden Mangel an Freiflächen und partytauglichen Ruinen kritisieren, solle die Karte jedenfalls inspirierend wirken: Vor allem der Ostteil Berlins ist voll von leeren Gebäuden.

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