Neue Software "KrimPro" : Berlins Polizei berechnet Einbrüche im Voraus

Eine selbst entwickelte Software soll der Polizei helfen, Verbrechen vorherzusagen. Die Gewerkschaft ist skeptisch.

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Ein Einbrecher verschafft sich Zugang zu einer Wohnung (Symbolbild).
Ein Einbrecher verschafft sich Zugang zu einer Wohnung (Symbolbild).Foto: Nicolas Armer/dpa

Türen aufgebrochen, Schränke und Kommoden durchwühlt, Geld, Elektrogeräte und Schmuck für immer verschwunden: Im ersten Halbjahr 2016 wurden in Berlin am Tag durchschnittlich 36 Einbrüche in Wohnungen oder Häuser verübt. Rund 6000 Taten wurden zwischen Anfang Januar und Ende Juni in der Hauptstadt registriert. Die Täter agieren in Banden und so professionell, dass die Ermittler kaum eine Chance haben: Nicht einmal jeder zehnte Einbruch wird aufgeklärt, die Quote lag zuletzt bei 8,5 Prozent.

Ein neues Computerprogramm soll die Jagd nach Serieneinbrechern bald erleichtern. „KrimPro“ – kurz für Kriminalitätsprognose – heißt die aus diversen Microsoft-Tools zusammengebastelte Eigenentwicklung, die am Mittwoch, wie berichtet, im Polizeipräsidium vorgestellt worden war. Es diene „als Hilfsmittel, um mit den vorhandenen Daten der Berliner Polizei eng begrenzte Gebiete auszuweisen, in denen eine weitere Serientat erwartet werden kann“, hieß es. Das Programm soll den Ermittlern zeigen, wo die Einbrecher mit hoher Wahrscheinlichkeit das nächste Mal zuschlagen. Dabei werden diverse Polizeidatensätze kombiniert, um zeitliche und räumliche Einbruchshäufungen vorherzusagen. Testläufe hätten gezeigt, dass im Vergleich zu bisherigen Methoden eine drei- bis siebenfach „bessere Prognose im Hinblick auf zukünftige Tatbegehungen erzielt“ werde. Grund genug für die Polizei, das Programm ab Herbst in allen Direktionen einem „erweiterten Probelauf“ zu unterziehen.

Ein fertiges Programm kaufen? Berlin wollte lieber ein eigenes

In München und Nürnberg wird schon seit Längerem das ähnliche Programm „Precobs“ eingesetzt. In der bayerischen Landeshauptstadt sank die Zahl der Einbrüche in der Folge um rund ein Drittel. „Precobs“ wurde von einem Unternehmen aus Oberhausen entwickelt. Auch in Stuttgart und Karlsruhe wird es getestet. Anstatt nun einfach eine Lizenz von „Precobs“ zu erwerben, setzt man in Berlin aber lieber auf die Eigenentwicklung. So müssten keine Polizeidaten an einen externen Dienstleister herausgegeben werden, die „Daten-Hoheit“ der Polizei bleibe gewahrt, hieß es.

Die Gewerkschaft der Polizei reagierte skeptisch auf diese Entscheidung. Mit „Precobs“ liege eine funktionstüchtige Software vor, „KrimPro“ sei hingegen nur ein „hübscher Modellbaukasten“, sagte die GdP-Vorsitzende Kerstin Philipp. Die Zukunft dieser „Sparvariante“ sei ungewiss, die Folgekosten könnten nicht abgeschätzt werden. Auch wenn man den Einsatz der Prognosesoftware grundsätzlich gutheiße: Mit der Entscheidung für ein selbst entwickeltes Programm werde einmal mehr „auf Kosten der Sicherheit der Bevölkerung gespart“, bemängelte die GdP-Vorsitzende.

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