Neuer Baustadtrat in Berlin-Mitte : Bibliothek soll an den Hauptbahnhof

Ephraim Gothe, Mittes neuer (alter) Baustadtrat, weiß genau, was er will. Und was nicht. Der Neptunbrunnen soll jedenfalls bleiben, wo er ist.

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Entwurf für den Bau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) Im Bild: Nickl & Partner Architekten AG, Berlin.
Entwurf für den Bau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) Im Bild: Nickl & Partner Architekten AG, Berlin.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) sollte am Hauptbahnhof entstehen, der Neptunbrunnen könne bleiben, wo er ist, das Hochhauskonzept des Senats sei „längstens überfällig“ und die Rekonstruktion der Bauakademie „großartig“. Klingt nach der To-do-Liste des neuen Bausenators, aber das politische Schicksal hat Ephraim Gothe (SPD) auf den rangniederen Posten des Baustadtrats von Mitte verschlagen. Egal. Gothe ist gelernter Stadtplaner und sagt gerne seine Meinung – auch zu Fragen, die an höherer Stelle entschieden werden.

Das Stadtratsamt hatte er schon mal fünf Jahre inne, bis er 2012 Staatssekretär für Bauen und Wohnen wurde, zwei Jahre später aber von seinem Chef Michael Müller ins „Mini-Exil“ zur Gemeinsamen Landesplanung nach Potsdam abgeschoben wurde. Eine „unangenehme“ Erfahrung für ihn, aber „keine verlorene Zeit“, sagt Gothe. Sein planerischer Horizont weitete sich und führte zur Erkenntnis, dass die Historische Mitte Berlins nicht bebaut werden sollte, weil eine Vier-Millionen-Stadt keinen Marktplatz von der Größe Bernaus vertrage.

Mit Bausenatorin Lompscher versteht er sich gut

Das große Ganze und das Kleine sollte man zusammen denken, und Gothe verspricht sich da eine gute Kooperation mit der künftigen Bausenatorin Katrin Lompscher von den Linken. Was die Historische Mitte anbelangt, liegen beide auf einer Linie. Beim Hochhaus auf der Fischerinsel ebenso. Gothe findet den Entwurf der Wohnungsbaugesellschaft Mitte ungeeignet, weil der geplante Neubauriegel mit einem integrierten Turm nicht zur Umgebung passe.

Neue Hochhäuser sollte man unbedingt bauen, sagt Gothe, nur eben nicht planlos über die Stadt verteilt. Die derzeitigen Turmprojekte an der Warschauer Brücke in Friedrichshain (140 Meter hoch) und am Estrel-Hotel in Neukölln (180 Meter) findet er „deplatziert“.

Badezone am Lustgarten? Gute Idee

Die Idee, am Lustgarten ein öffentliches Spree-Bad einzurichten, unterstützt Gothe. Wenn Touristen im Bademantel vom Radisson-Hotel am Dom vorbei zum Bad liefen, hätte er damit keine Probleme. Wie Toiletten und Umkleiden allerdings mit dem Denkmalschutz in Einklang zu bringen wären, dazu hat Gothe allerdings auch noch keine Idee.

Zum Bauprojekt Magnus-Haus hat der 51-Jährige auch eine klare Meinung. „Da sollte man Siemens von abbringen.“ Auch in dieser Frage liegt er voll auf Lompscher-Kurs. Der abgewählte SPD/CDU-Senat hatte sich über den Denkmalschutz hinweggesetzt und das Neubauvorhaben genehmigt.

Ex-Senator Nußbaum habe "fahrlässig" gehandelt

Gothe schaut auf seine Liste – ach ja, eine Bemerkung zum Ex-Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) möchte er sich nicht länger verkneifen: Nußbaum habe „fahrlässig“ gehandelt, als er entschied, das Grundstück für das gescheiterte Riesenrad-Projekt am Zoo nicht für das Land zurückzukaufen. Das wäre „zu einem Spottpreis“ möglich gewesen. Für falsch hält der Baustadtrat auch die Entscheidung seines Parteifreundes Andreas Geisel, am Leipziger Platz auf den vorgeschriebenen Wohnanteil zu verzichten. Die ZLB steht zwar nicht auf der Agenda des neuen Senats, aber Gothe wirft trotzdem mal einen neuen Standort in die Debatte: das Gelände am Hauptbahnhof, zwischen Friedrich-List-Ufer und Humboldthafen. Die Verkehrsanbindung wäre schon mal top.

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