Neues vom BER : Mehdorn - vom Zauberer zum Zauderer

Erst machte Hartmut Mehdorn am BER Tempo, Tempo, Tempo – und stolpert jetzt über seine eigenen Ansprüche. Er braucht Zeit, Zeit, Zeit. Und so lange bleibt der Manager der „Dödel vom Dienst“. Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit will dazu lieber nichts sagen.

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„Ich bin nicht Häuptling von Geduld.“ Hartmut Mehdorn, 71, seit März BER-Chef.
„Ich bin nicht Häuptling von Geduld.“ Hartmut Mehdorn, 71, seit März BER-Chef.Foto: dpa

Von Hartmut Mehdorn, der am Flughafen BER als Tempomacher angetreten war, sind kleinlaute Töne zu hören. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gab der Airport-Chef jetzt bekannt, dass ein Eröffnungstermin für den neuen Hauptstadt-Flughafen auch in der Aufsichtsratssitzung am 25. Oktober nicht beschlossen wird.

„Anfangs bin ich durchaus optimistisch gewesen. Bis ich Stück für Stück gemerkt habe, was da noch alles gemacht werden muss und wie viel Zeit und Geduld man noch braucht, um fertig zu werden. Das ist die bittere Realität“, sagte Mehdorn. „Es ärgert mich selber gewaltig, dass es nicht schneller geht. Ich bin nicht Häuptling von Geduld. Es wurmt mich. Es verlängert die Zeit, in der wir hier die Dödel vom Dienst sind.“ Aber letztlich kann ich nur sagen: Qualität geht vor Zeit“. Dass der Flughafen, der 2011 und dann 2012 starten sollte, womöglich 2014 in Betrieb geht, gilt mittlerweile fast als ausgeschlossen. Frühestens 2015 ist wahrscheinlich. Heute kann Mehdorn nicht einmal 2016 ausschließen.

Klaus Wowereit will die Aussagen nicht kommentieren

Der Regierende Bürgermeister und amtierende BER-Aufsichtsratchef Klaus Wowereit (SPD) wollte die Worte des BER-Geschäftsführers am Montag nicht kommentieren. „Das tun wir natürlich nicht“, sagte Senatssprecher Richard Meng. Allerdings hatte Wowereit schon in den vergangenen Wochen intern, aber auch auf öffentlichen Veranstaltungen mit Unternehmern signalisiert, dass ein Eröffnungstermin erst dann beschlossen und verkündet werde, wenn „zweihundertfünfigprozentig“ feststehe, dass dieser neue Zeitplan eingehalten werden könne. Wowereit ließ auch durchblicken, dass der Aufsichtsrat dies in seiner Sitzung Ende Oktober nicht leisten könne.

Das Debakel um den neuen Flughafen in Bildern
Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung für das Flughafen-Desaster übernommen. Am 24.05.2013 wies er jedoch eine persönliche Verantwortung für die mehrfache Verschiebung des Eröffnungstermins im BER-Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses von sich. Doch nun, Mitte Dezember ist sein Comeback als Aufsichtsrat sicher.Weitere Bilder anzeigen
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Eigentlich war Mehdorn vom Aufsichtsrat verpflichtet worden, bis dahin ein tragfähiges Gesamtinbetriebnahmekonzept – samt Eröffnungstermin – vorzulegen. Daraus wird, wie Mehdorn bereits nach den letzten Aufsichtsratssitzungen andeutete und nun offiziell bekräftigte, wohl nichts werden. „Wenn wir es können, werden wir eine Zeitzone oder sogar einen Termin nennen“, sagte Mehdorn mit Blick auf die Aufsichtsratssitzung am 25. Oktober. Aber: „Wir werden aber kein neues Risiko eingehen.“ Er werde sich daher erst zu einem Termin äußern, wenn er sicher sei, sagte der 71-jährige Manager. Da ist er sich mit Wowereit offenbar einig.

Als er im März dieses Jahres antrat, konnte alles nicht schnell genug gehen. Dann musste er erleben, dass er an der kurzen Leine der Politik geführt wurde – wie wie noch nie in seiner Karriere. Selbst bei der Bahn habe er das nicht erlebt, bekennt Mehdorn, der in der vergangenen Wochen stundenlang dem amtierenden Aufsichtsratschef Wowereit Rechnenschaft ablegen musste. Oder wie jetzt, als er Aufträge über elf Millionen Euro auslösen wollte, um Netzwerkprobleme im Terminal zu lösen. Doch Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke), Chef des Finanzausschusses des Aufsichtsrates, verweigerte im Umlaufverfahren die Zustimmung. Nun wird das Problem auf der nächsten Aufsichtsratssitzung erst einmal diskutiert – allerdings erst in sechs Wochen.

Nicht äußern wollte sich Mehdorn zur Zukunft seines Kollegen Horst Amann in der Geschäftsführung. Nur so viel: „Ich kann dazu nichts sagen. Das ist Sache des Aufsichtsrates.“ Amann war im August 2012 als Hoffnungsträger zum Flughafen gekommen, hat bis heute aber die weitgehend eingestellten Arbeiten nicht voran gebracht und sich mehr als ein Jahr lang mit einer Bestandsaufnahme der Mängel beschäftigt, was Mehdorn in der Vergangenheit heftig kritisiert hatte.

Noch immer liegen nach Tagesspiegel-Informationen nicht alle Pläne für die noch erforderlichen Arbeiten vor. Sie sind aber die Basis für die Verträge, die mit den ausführenden Firmen abgeschlossen werden müssen.

Ein Hemmnis sind zudem Verträge, die mit Unternehmen vereinbart worden sind, nachdem die damalige Flughafenleitung – mit Zustimmung des Aufsichtsrates unter dem Vorsitzenden Wowereit – die Architekten vor die Tür gesetzt hatte. Viele der danach gebundenen Firmen erhalten eine monatliche Pauschale. Damit gebe es kein Interesse, mit den Arbeiten zügig voranzukommen, sagte ein Insider. Auch hier will Mehdorn jetzt gegensteuern. Denn baulich sei es wahrscheinlich möglich, die wegen zahlreicher Umplanungen, vor allem bei der Brandschutzanlage, noch erforderlichen Arbeiten in eineinhalb Jahren abzuschließen, sagte der Experte aus der Flughafenplanung.

Dahme-Spree-Landrat Stephan Loge (SPD), dessen Bauaufsichtsbehörde allein mit dem BER fast ausgelastet wäre, hat Verständnis für Mehdorns Nöte. „Wer nicht ungeduldig ist, wäre da fehl am Platz“, sagte Loge am Montag. „Ich bin froh, dass die Tiefgründigkeit der Probleme dem Bauherrn klarer wird. Das ist ein Hoffnungsschimmer.“ 

Sehr viel kritischer kommentierte der Berliner Grünen-Abgeordnete Andreas Otto die Äußerungen Mehdorns. „Das Versteckspiel geht weiter“, sagte er am Montag. Er forderte von Mehdorn und Wowereit, noch vor der Bundestagswahl am 22. September „die Karten auf den Tisch zu legen“. Aus Sicht des Grünen gibt es zwei Erklärungen. Entweder habe das Krisenmanagement von Flughafengesellschaft, öffentlichen Gesellschaftern und Aufsichtsrat völlig versagt. Oder die zusätzlichen Kosten seien so hoch, dass darüber lieber geschwiegen werde.

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