Berlin : Nofretete - zu wertvoll, um versichert zu werden

EVA-MARIA VOCHAZER

BERLIN .Die Büste der Nofretete, der Pergamon-Altar oder Rembrandts "Bildnis der Hendrickje Stoffels" sind zwar in ganz unterschiedlichen Museen der Stadt zu sehen, haben aber eine Gemeinsamkeit: Diese Kunstschätze sind nicht versichert - weder gegen Diebstahl noch gegen Feuer- oder Wasserschäden.Was widersinnig scheint, ist offiziell in den Bestimmungen der Bundeshaushaltsordnung verankert: "Risiken für Schäden an Personen, Sachen und Vermögen des Bundes werden grundsätzlich nicht versichert".

Als am Mittwoch zwanzigtausend wertvolle Bücher des Ibero-Amerikanischen Institutes durch Wasser aus einem geborstenen Heizungsrohr durchnäßt wurden, deckte keine Versicherung den Schaden von mindestens 100 000 Mark.Die scheinbare Sorglosigkeit des Bundes im Umgang mit seinen Kulturgütern hat einen handfesten finanziellen Grund.Laut Bundeshaushaltsordnung müssen Bundesmittel "wirtschaftlich und sparsam" verwendet werden."Die Versicherungssummen für unschätzbare Kunstwerke wären so hoch, daß sie in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Risiken stehen", sagte Wolfgang Kahlcke, Sprecher der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Die Museen und Bibliotheken, die zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehören, setzen seit vielen Jahren auf die Devise "gut Sichern statt Versichern." Klimatisierte Räume, Rauchmelder, Alarmanlagen und ein Wachschutz sollen die Kunstschätze vor technischen Pannen und Dieben schützen."Viele Exponate in unseren Museen sind so wertvoll, daß eine Versicherung jeden Haushalt sprengen würde", sagte Maria Bergmann, Sprecherin des Deutschen Technik-Museums in Kreuzberg.Viele der Schätze in Berliner Museen sind ohnehin Unikate oder sehr seltene Exemplare.Den kulturhistorischen Wert einer verlorenen Gutenberg-Bibel kann keine Versicherung ersetzen.

Eine Ausnahme macht die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nur dann, wenn es sich bei Exponaten um Leihstücke aus Privatvermögen handelt, die in die Obhut des Bundes gegeben wurden.Diese Kunstwerke werden dann versichert.In den Berliner Museen sind diese Kunstschätze jedoch eher die Ausnahme.

Nicht versichert sind auch die Gebäude des Bundes, wie die Villa von der Heydt in Tiergarten, in der die Leitung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz residiert."Wir müssen bei Versicherungsfragen ganz eindeutig zwischen dem öffentlichen und dem privatem Lebensbereich unterscheiden", sagte der Sprecher der Stiftung.

Daß die wertvollen Bestände in den Berliner Museen und Bibliotheken nicht versichert sind, wollen die Leiter der Kultureinrichtungen nicht gerne an die große Glocke hängen."Selbstverständlich sind unsere sehr wertvollen Bestände ganz besonders gesichert", betonte Dieter Kronenberg, Verwaltungsleiter der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek.Die ältesten Bände seines Hauses stammen aus dem Jahr 1470 - mehr will er nicht verraten.Ähnlich wie beim Ibero-Amerikanischen Institut aber sind die Rohrleitungen in einigen der Büchermagazine stark erneuerungsbedürftig - und gegen Wasserschaden ist das Haus natürlich nicht versichert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar