Panorama am Checkpoint Charlie : Die Rückkehr des Mauerstreifens
05.09.2012 00:00 UhrWer die Mauer nicht selbst erlebt hat, kann sie sich nur schwer vorstellen. Gewiss, es gibt Bücher, Fotos, Filme, Zeitzeugen, die man befragen kann, und trotzdem: Das Stadtgefühl von damals, irgendwo, sagen wir in Kreuzberg, am Betonwall zu stehen, vor sich die bunt bemalte Mauer, dahinter der Todesstreifen, Wachtürme in regelmäßigen Abständen, Posten mit schussbereiten Gewehren, im Hintergrund die Ost-Hälfte der Stadt, alles grau in grau – all das ist kaum zu vermitteln.
Aber das könnte sich bessern, an historischem Ort, das ist ja bereits erprobt: Vor dem Pergamonmuseum steht noch bis 14. Oktober, um zwei Wochen verlängert, das Pergamon-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi und hilft den Antikenfreunden bei der Imagination. An der Friedrichstraße 205, Ecke Zimmerstraße aber entsteht derzeit wiederum so ein fantasieförderndes Asisi-Werk, „Die Mauer“, ein „Panorama zum geteilten Berlin“. Das privat finanzierte Projekt wird kleiner als das Rundbild der Antike, 15 Meter hoch und 60 Meter im Umfang, während Pergamon auf 24 mal 103 Metern dargeboten wird, von einer 15 Meter hohen Plattform aus. Am Checkpoint Charlie sind es nur vier Meter. Aber das Ungleichgewicht in den Dimensionen ist ja nur gerecht, schließlich stellte Pergamon einen Höhepunkt der Kulturgeschichte dar, die Mauer aber einen Tiefpunkt.
Trostlose Touristenattraktion - der Checkpoint Charlie heute
Am Dienstag wurde am Panorama Richtfest gefeiert. Entworfen hat es Asisi selbst, den Aufbau leitet der ausführende Architekt Anuschah Behzadi. Rund 120 Tonnen Stahl wurden für den Rundbau verwendet, der bislang noch an den Schöneberger Gasometer erinnert. Die Stahlkonstruktion wird anschließend mit wärmedämmenden Paneelen verfüllt. Parallel entsteht der Besucherturm.
Das neuen Panorama über die geteilte Stadt wird nach dem Entwurf Asisis in einer Firma in Lennestadt im Sauerland ausgedruckt, am 17. September wird es nach Berlin geliefert, anschließend gehängt und durch eine Beleuchtung sowie eine akustische Installation ergänzt. Am 22. September soll „Die Mauer“ eröffnet werden.
Es sei „eines der kompliziertesten Projekte, die ich je gemacht habe“, sagte der 1955 in Wien als Sohn persischer Emigranten geborene Asisi. Die Bauzeit sei sehr kurz. Das Projekt erzähle auch ein Stück aus seinem Leben.





































