Platz da! : Folge 4: Kottbusser Tor

Der "Kotti" gilt als Treffpunkt für viele: Touris, Junkies, Anwohner, Nachtschwärmer. Er ist Unfallschwerpunkt, Moloch und Attraktion. Der Bezirk will ihn verkehrsberuhigen – reicht das?

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Der Bezirk will das Kottbusser Tor verkehrsberuhigen – reicht das?
Der Bezirk will das Kottbusser Tor verkehrsberuhigen – reicht das?Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Rosa und weiß blühen die Kirschbäume. An den Tischen vor der Bäckerei Simitdchi tunken Frühstücker Sesamkringel in ihr Teeglas. Am Gemüsestand neben der Einfahrt zum nordwestlichen Teil der Reichenberger Straße werden gerade die Tomaten ausgepackt, und zwei Passantinnen begrüßen sich fröhlich an der Ampel am Anfang der Adalbertstraße. Es funktioniert: Man kann das Kottbusser Tor als einen angenehmen Ort erleben – vor allem, wenn man es sich an einem sonnigen Frühlingsmorgen ansieht und nicht in der Nacht.

„Das Kottbusser Tor ist ein Lebensumfeld, mit dem sich viele Bewohner identifizieren. Viele nennen es „Kotti“ und empfinden den Platz als sehr lebenswert“, sagt Thomas Werner vom Quartiersmanagement Zentrum Kreuzberg. Es habe sogar „internationales Renommee“ und sei in den letzten Jahren ein „Attraktionsort“ geworden. „Obwohl das nicht zu erwarten war.“ Denn lange wurde der Kotti nur als großes Problem wahrgenommen. Vor allem über das Neue Kreuzberger Zentrum, auch NKZ genannt, ist viel Negatives gesagt worden, „Bausünde“ war noch das Harmloseste. Immer wieder gab es Bestrebungen, den zwölfgeschossigen Häuserblock, der zwischen 1969 und 1974 über die Adalbertstraße hinweg wie ein Tor gebaut wurde, abzureißen. Er fällt vielen als Erstes zum Kottbusser Tor ein – wenn sie nicht an Drogendealer und Junkies denken oder den mörderischen Verkehr.

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Platz da! Die Leserdebatte zu Berliner Stadtplätzen
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13.03.2012 14:07In dieser Bildergalerie zeigen wir Ihnen die 15 Berliner Stadtplätze, die wir mit Ihrer Hilfe und mit Unterstützung durch Berliner...

Laut Statistik der Dekra fanden 2011 die meisten Unfälle von Fahrradfahrern in Berlin genau dort statt. Wer sich auch nur eine Viertelstunde ansieht, wie chaotisch sich das Verkehrskarussell dreht, kann gut verstehen, warum. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg beschreibt das Kottbusser Tor als „Verkehrsknotenpunkt“. Als einen Ort der Durchfahrt also. Um die zu optimieren, sollen dort noch im Mai Bauarbeiten beginnen: Es gibt ein neues Verkehrskonzept.„So ein Platz erfüllt viele Aufgaben“, sagt der zuständige Bezirksstadtrat Hans Panhoff (Grüne). „Bei dem Umbau geht es vor allem um die Verkehrssicherheit.“ Die Straße wird so umgebaut, dass Autofahrer abbremsen müssen, um in die Adalbert- und die Reichenberger Straße abbiegen zu können. Außerdem sollen bessere, breitere Radwege und zusätzliche Ständer gebaut werden. Neue Ampeln werden aufgestellt – auch für Radfahrer.

Als das Konzept im Januar den Anwohnern beim Quartiersmanagement vorgestellt wurde, habe es Unmut gegeben, sagt Quartiersmanager Werner. „Weil der Bezirk keine Bürgerbeteiligung mit eingeplant hat.“ Inhaltlich jedoch hätten die Anwohner nichts gegen das Konzept: „Die Leute wollen den provisorischen, chaotischen Dauerzustand beenden. Sie wollen einen verkehrssichereren Kotti – und das nicht nur für Autofahrer“, sagt Werner.

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