Polemik : Karneval der Kulturen? Sofort abschaffen!

Dass sich Jahr für Jahr an Pfingsten rund um den Blücherplatz ein niveauloses Volksfest breitmacht, ist schlimm genug. Dass es Vorbote einer besseren Welt sein will, macht es unerträglich. Berlin braucht den Karneval der Kulturen nicht mehr.

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Checkt euch bitte woanders! Kreuzberg braucht den Karneval der Kulturen nicht mehr, findet unser Autor.
Checkt euch bitte woanders! Kreuzberg braucht den Karneval der Kulturen nicht mehr, findet unser Autor.Foto: dpa

In der Kreuzberger Urbanstraße befindet sich seit Jahren ein kleiner Hindu-Tempel. In einem Kellerraum. Mehrere Altäre sind diversen Gottheiten gewidmet. Der Hauptgott heißt Sri Mayurapathy Murugan und wird außerdem noch im Süden Indiens sowie auf Sri Lanka verehrt. Man kann den Tempel von außen kaum erkennen.

Aber bis vor kurzem wurde Sri Mayurapathy Murugan einmal im Jahr feierlich durch die Straßen des Viertels getragen. Mehrere hundert Gläubige säumten dann den Weg. Familien in prächtigen Gewändern postierten sich mit Opfergaben an jeder Straßenkreuzung. Musiker tröteten, Trommler machten Tacka-di-tacka-di. Direkt vor unserer Haustür blieb der Umzug jedes Mal stehen. Es war sehr laut. Gebetsformeln plärrten aus einem Megafon. Und wir traten aus der Tür und hinzu. Es war wunderbar.

Manchmal bedarf es in Kreuzberg nur weniger Schritte, um in eine so fremdartige Welt zu wechseln, dass sie mit der eigenen nichts mehr zu tun hat.

Karneval der Kulturen 2014
Sportlich, sportlich - dieser Tänzer der Gruppe "Amasonia" stimmt sich und das Publikum schon mal auf die WM ein. Eindrücke von diesem Umzug, dem Kinderkarneval am Vortag und viele nützliche Informationen rund um das Spektakel gibt es in unserer Bildergalerie.Weitere Bilder anzeigen
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07.06.2014 17:37Sportlich, sportlich - dieser Tänzer der Gruppe "Amasonia" stimmt sich und das Publikum schon mal auf die WM ein. Eindrücke von...

Der Umzug war nirgends vorher angekündigt worden. Aber wer den tamilischen Kalender kannte, wusste vermutlich Bescheid. Mitten in Tabla-Rausch und Sitar-Wolke bekam man von den Staus, die sie verursachten, natürlich nichts mit. Die Menschen waren mit sich selbst beschäftigt, und das ist ein legitimer Grund, die öffentliche Ordnung zu stören.

Wer den Berliner Kulturkalender kennt, weiß, dass Kreuzberg über Pfingsten praktisch ein einziger Stau ist. Der Umzug wird jedes Mal angekündigt. Trotzdem gibt es kein Entkommen vor dem, was 1995 als Karneval der Kulturen mal sehr wohlmeinend begann. Wobei nicht der Straßenkarneval selbst das eigentliche Ärgernis ist, sondern das ihn begleitende Volksfest.

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