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Prämie für Aufklärung des Rabbi-Angriffs : Friedenauer Bürger werden ihre Belohnung nicht los

21.09.2012 20:41 Uhrvon
Der Rabbiner Daniel Alter wurde Opfer eines antisemitischen Angriffs. Für den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung des Täters sind 6000 Euro zur Belohnung ausgesetzt.Bild vergrößern
Der Rabbiner Daniel Alter wurde Opfer eines antisemitischen Angriffs. Für den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung des Täters sind 6000 Euro zur Belohnung ausgesetzt. - Foto: Björn Kietzmann

Nach dem Angriff auf Rabbi Alter in Friedenau lockt eine Initiative im Kiez mit 6000 Euro Prämie. Das Umfeld der mutmaßlichen Täter bleibt jedoch stumm. Und die Polizei vorsichtig.

Seit zwei Wochen liegen 6000 Euro auf dem Tisch, aber keiner will sie haben. Nachbarn aus Friedenau und ein Berliner Unternehmer haben das Geld gespendet, weil sie die Ermittlungen in dem Überfall auf Rabbiner Daniel Alter vor einem Monat vorantreiben wollen. Die 6000 Euro soll derjenige erhalten, der den entscheidenden Hinweis zu den Tätern gibt.

Die Polizei vermutet, dass es sich um Jugendliche arabischer Herkunft handelt. „Sie haben vielleicht mit der Tat vor ihren Freunden geprahlt“, sagt einer der Friedenauer Initiative.

„Wir gehen davon aus, dass eine größere Gruppe Bescheid weiß. Vielleicht können wir einen durch das Geld zu einer Aussage verlocken.“ Die Friedenauer Initiative, die anonym bleiben möchte, will nicht nur, dass die Täter bestraft werden, sondern auch bei ihrer Resozialisierung mithelfen. Sie wollen mit den Jugendlichen sprechen und sie vielleicht zu einer anderen Sicht auf Religionen und die jüdische Gemeinschaft bewegen können. „Nur wenn wir in den Köpfen etwas verändern, können wir solche Überfälle verhindern.“

Bilder: Berliner zeigen Solidarität mit Rabbi Alter

Die Friedenauer wollten das Geld der Polizei geben, damit die Behörde sich um alles weitere kümmert – Fahndungsplakate druckt, auf die Belohnung hinweist, Informationen zu der Tat entgegen nimmt. Und vor allem auch deshalb: Die Gruppe möchte anonym bleiben, da sie die Bedrohung durch die Täter oder deren Umfeld fürchtet. Dazu kommt: „Als Privatpersonen können wir doch gar nicht beurteilen, wie wichtig eine Information ist. Das können doch nur die Ermittler“, sagt der Unternehmer. Er telefonierte sich von Polizeiabschnitt zu Landeskriminalamt zur Staatsanwaltschaft. „Überall wurde ich freundlich behandelt, alle begrüßten die Initiative, aber keiner fühlte sich zuständig“, sagt er. „Wenn wir eine Belohnung aussetzen, dann nur mit staatlichem Geld“, entgegnet ein Polizeisprecher. Sonst würden auch Firmen, etwa Versicherungen, kommen und sozusagen die Polizei zur Verfolgung ihrer privaten Interessen benutzen.

Die Polizei oder die Staatsanwaltschaft lobe in der Regel dann eine Belohnung aus, wenn die Ermittlungen in einer Sackgasse stecken, heißt es bei der Polizei. Wie schwer ein Verbrechen war, spiele keine Rolle. Zu dem Überfall auf Rabbiner Alter seien 30 Hinweise aus der Bevölkerung bei der Polizei eingegangen. Konkrete Anhaltspunkte auf Täter gebe es nicht. Deshalb denkt offenbar auch die Staatsanwaltschaft über die Auslobung einer Belohnung nach, wie der Tagesspiegel erfuhr. Das private Geld könnte möglicherweise obenauf gelegt werden. Am Montag haben die Friedenauer einen Termin im Landeskriminalamt.

„Eine Belohnung kann Ermittlungen voranbringen, aber so etwas als Privatleute umzusetzen, ist sehr schwer“, sagt Veit Schiemann, Sprecher des Opferberatungsvereins Weißer Ring. „Wie sollen Bürger ohne Einblick in die Ermittlungen beurteilen, welcher Hinweis letztlich entscheidend war?“ Das sei eigentlich erst nach der Verurteilung der Täter möglich. Da müsse man zumindest den Prozess genau verfolgen. Wenn die Täter Jugendliche sind, seien gar keine Prozessbeobachter zugelassen.

Auch sei es schwierig, die Anonymität der Belohner zu wahren. Man könnte einen Anwalt als Treuhänder einschalten, sagt Schiemann. Der aber dürfe das nicht kostenlos machen. Wenn er allerdings das übliche Honorar verlange, seien 6000 Euro schnell weg. Die Friedenauer Nachbarn treibt vor allem eines um: „Es ist schon so viel Zeit verloren, denn es gibt einfach keine Struktur für bürgerschaftliches Engagement bei solchen Ermittlungen.“

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