Prenzlauer Berg und Wedding : Gleimtunnel bleibt weiterhin gesperrt

Der Gleimtunnel zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen bleibt gesperrt. Erst im Januar sollen die Zuständigkeiten geklärt werden – vielleicht.

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Fluten mit Folgen: Die Wassermassen hatten im Sommer sogar Autos aufeinandergestapelt.
Fluten mit Folgen: Die Wassermassen hatten im Sommer sogar Autos aufeinandergestapelt.Foto: dpa/ Jörg Carstensen

Der Gleimtunnel war nach dem Fall der Mauer einfacher zu öffnen als 27 Jahre danach nach einem Starkregen. Jedenfalls bleibt weiterhin unklar, wann die gesperrte Verbindung zwischen Prenzlauer Berg und Wedding wieder geöffnet wird. Der avisierte 23. Dezember ist jedenfalls doch nicht mehr geworden. Jetzt soll es nach dem Jahreswechsel am 3. Januar einen Ortstermin aller Beteiligten geben. So kann der Verkehr auf der Gleimstraße erst im nächsten Jahr wieder rollen – mehr als ein halbes Jahr nach der Sperrung wegen einer Überschwemmung nach einem Starkregen.

Das Wasser war allerdings nur der Auslöser für die Sperrung, da unklar war, wie stark die alten Brückenbauwerke durch die Überschwemmung beschädigt worden waren. Die Fluten hatten immerhin mehrere Autos weggeschwemmt. Was dann folgte, war ein mehrfacher Streit um Zuständigkeiten und Verantwortung, der alles blockierte und am Ende dazu führte, dass fast nichts geht. Nur Fußgänger und Radfahrer dürfen seit August den „Tunnel“ passieren, der eigentlich aus acht Anfang des vergangenen Jahrhunderts gebauten Brücken für die Bahn besteht. Weil beim Bau der Mauer die Zwischenräume verschlossen worden waren, wirkt das Bauwerk aber wie ein Tunnel – und heißt auch so.

Im Ostteil tat sich auch nach der Wende nur wenig

Über die Brücken, die im Grenzgebiet lagen, fuhren bis 1985 noch Güterzüge zum damaligen Güterbahnhof Eberswalder Straße. Nach der Wende verkaufte die Bahn den westlichen Bereich der Anlage, die jetzt der Groth-Gruppe gehört, die im benachbarten Mauerpark baut und die Brücken als Baustraße nutzt. Auch für den Ostteil fühlt sich die Bahn nach einem Verkauf an das Land nicht mehr zuständig; sie lehnte es nach der Überflutung ab, das Bauwerk auf ihre Kosten begutachten zu lassen, wie es die Groth-Gruppe bei ihrem Eigentum regelmäßig gemacht hatte. So konnte nach der Überschwemmung auch dort schnell Entwarnung gegeben werden, obwohl sich, wie sich herausgestellt hatte, das Bauwerk durch die Fluten gehoben und danach auf die alte Position gesenkt hatte.

Im Ostteil aber tat sich weiter nichts. Zumindest für die Widerlager, auf denen die Brückenteile ruhen, sei die Bahn weiter zuständig, hatte der damalige Pankower Baustadtrat und heutige Staatssekretär in der Senatsverkehrsverwaltung, Jens-Holger Kirchner (Grüne) argumentiert: Im Oktober reichte es ihm und er gab selbst ein Gutachten in Auftrag, das der Senat finanzierte. Weil dieser Bereich der Brücken seit acht Jahren nicht mehr untersucht worden war, zogen sich die Prüfarbeiten in die Länge.

Es gibt neuen Streit um Zuständigkeiten

Etwas beschleunigen konnte Kirchner aber die Arbeiten doch: Originalbaupläne, die Mitarbeiter von ihm in Archiven gefunden hatten, waren in altdeutscher Schrift verfasst, die keiner der heutigen Gutachter mehr lesen konnte. Weil Kirchner sie nach seinen Angaben von der Großmutter gelernt hatte, konnte er „übersetzen“ und so die Suche nach einem Lesekundigen zumindest verkürzen.

Und nun steht auch für den östlichen Teil des Tunnels fest: Er ist standfest und viel besser erhalten als bisher angenommen. Autos dürfen aber trotzdem noch nicht durchfahren. Mitte und Pankow haben die Sperrung genutzt, um ohnehin geplante Arbeiten vorzeitig auszuführen. So gibt es jetzt am westlichen Ende einen kleinen Kreisverkehr, der die Zufahrt zu einer Erschließungsstraße für das im Mauerpark entstehene, umstrittene Wohn-Ensemble der Groth-Gruppe ermöglicht. Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Und es gibt neuen Streit um Zuständigkeiten: Mitte und die zur Senatsverkehrsverwaltung gehörende Verkehrslenkung Berlin (VLB) konnten sich bisher nicht einigen, wer für die Abnahme des Kreisels zuständig ist.

Vielleicht ist man nach einem Ortstermin schlauer. Am 3. Januar wollen sich nach Angaben von Mittes Stadträtin Sabine Weißler (Grüne), die auch für Straßen zuständig ist, Vertreter der beiden Bezirke, der VLB, der Groth-Gruppe mit Kirchner treffen. Frohes Neues!

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