Problembaustelle BER : 20 000 Fragen offen

Die Mängelliste des BER ist länger als gedacht, sie enthält 20 000 Baumängel und der Flughafen hat „jede kaputte Fliese aufgeführt“. Das Hauptproblem bleibt aber der Brandschutz. Auf der Baustelle dürfte es in den kommenden Monaten dennoch kaum voran gehen.

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Tausende Mängel soll es am BER geben - genug zu tun für die Bauarbeiter.
Tausende Mängel soll es am BER geben - genug zu tun für die Bauarbeiter.Foto: dpa

Die Zahl klingt enorm: 20 000 Baumängel soll es am neuen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg (BER) in Schönefeld geben. Ein Sprecher der Flughafengesellschaft bestätigte am Sonntag, dass es eine entsprechende interne Liste gibt. Allerdings sei die darin aufgeführte Zahl ohne große Aussagekraft und irreführend. In dem Papier seien sämtliche Fehler aufgeführt – von der kaputten Fliese bis zur abgeplatzten Farbe. „Aber das Problem ist und bleibt vor allem der Brandschutz“, erklärte der Sprecher. Flughafen-Technikchef Horst Amann soll die Mitglieder des Bauauschusses im Berliner Abgeordnetenhaus bereits im Januar über die Mängelliste informiert haben.

Den Auftrag für die Auflistung hatte der Aufsichtsrat an das BER-Management erteilt. Wie berichtet werden jetzt alle Mängel nicht nur detailliert erfasst, sondern die Reparatur soll einzeln erfasst und kontrolliert werden. Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (CDU), der nach dem im Januar geplatzten Terminplan den Vorsitz des Projektausschusses übernommen hat, setzte dazu ein neues Berichtswesen durch. Mit Bombas Transparenzoffensive werden die Mängel jetzt je nach Priorität – hoch bis niedrig – in vier Kategorien eingeordnet. „Die Geschäftsführung muss entsprechende Lösungsansätze und personelle Zuständigkeiten nennen“, sagte Bomba. Jetzt werde eng auf den Status der Mängelbeseitigung geachtet, „also ob und in welchem zeitlichen und finanziellen Rahmen die Maßnahmen erledigt werden. Dazu sollen auch die jeweils Verantwortlichen direkt Bericht erstatten“.

Die BER-Architekten
Die Architekten des BER, Hans Joachim Paap und Hubert Nienhoff in ihrem Büro. Bilder "ihres" Flughafens hängen noch immer an den Wänden - trotz des Rauswurfs durch die Flughafengesellschaft.
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1 von 5Foto: Mike Wolff
12.02.2013 22:22Die Architekten des BER, Hans Joachim Paap und Hubert Nienhoff in ihrem Büro. Bilder "ihres" Flughafens hängen noch immer an den...

Bekannt ist seit der Sitzung des Aufsichtsrates am vergangenen Donnerstag, dass noch nicht einmal die Treppenhäuser im BER-Terminal fertig sind. Denn daran werde gerade gearbeitet, gab Technik-Chef Amann zu. Darüber hinaus dürfte es auf der Baustelle in den nächsten Monaten zunächst einmal kaum vorangehen. Noch bis Juli soll die Bestandsaufnahme laufen. Erst danach können neue Pläne für die Fertigstellung erstellt und damit ein neuer Terminplan bis zur Eröffnung festgelegt werden. Und bis all das nicht vorliegt, bleibt unklar, wie viel das Projekt am Ende kosten wird. Die Mehrkosten werden derzeit mit 1,2 Milliarden Euro veranschlagt; die Gesamtinvestitionen liegen bei 4,3 Milliarden Euro. Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) kündigte an, er werde wegen auf unbestimmte Zeit verschobenen Eröffnung einen Nachtragshaushalt vorlegen. Der Umfang hänge vom noch zu erarbeitenden Wirtschaftsplan der Flughafengesellschaft ab, die momentan liquide sei.

Auch bei der Aufarbeitung des BER-Desasters ist die Flughafengesellschaft noch nicht weiter – obwohl bereits im März ein Ermittlungsbericht vorliegen sollte. Anfang November hatte der BER-Aufsichtsrat auf Drängen des Bundesverkehrsministeriums beschlossen, externe Fachleute damit zu beauftragen. Zunächst ist dafür kürzlich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gefunden worden, die Fakten und Zahlen zusammentragen soll. Eine Rechtsanwaltskanzlei, die das Material prüft, muss erst noch benannt werden. Es geht um die Frage, ob Ex-Geschäftsführer Rainer Schwarz eine Fehlverhalten nachgewiesen werden kann.

Seit Baubeginn am BER 2006 musste die Eröffnung des BER vier Mal verschoben worden. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass der Airport erst 2014 in Betrieb geht.

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