Protest gegen Homophobie : Berliner Drag Queen näht sich den Mund zu

Im Netz kursiert ein drastisches Video: Eine Berliner Drag Queen näht sich den Mund zu. Damit protestiert sie gegen Homophobie in Russland - und das Schweigen hierzulande.

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Barbie Breakout ist eigentlich unpolitisch, aber jetzt protestiert sie gegen die Politik von Wladimir Putin.
Barbie Breakout ist eigentlich unpolitisch, aber jetzt protestiert sie gegen die Politik von Wladimir Putin.Foto: Promo

Barbie Breakout ist eine „Drag Queen“, also ein Mann, der sich in recht auffälliger Weise als Frau inszeniert. Drag Queens protestieren durch ihr bloßes Auftreten gegen die tradierten Geschlechterrollen und gegen Homophobie. In Russland werden Homosexuelle verfolgt, und darauf zielt jetzt ein Schock-Video, das im Internet verbreitet wird.

Zu sehen ist Barbie Breakout, die in der Berliner Clubszene bestens bekannt ist, mit stark geschminkten Augen und einer extravaganten Sturmfrisur. Ohne Ankündigung beginnt sie, sich mit mehreren Stichen den Mund zuzunähen. Dabei läuft ihr Blut über das Gesicht. Im zweiten Teil des Videos wird dazu ein Off-Kommentar eingespielt. Der Sprecher kritisiert, die deutsche Regierung schweige still angesichts der Verfolgung von Lesben und Schwulen unter Putin in Russland. Dazu kommt der Aufruf: „Lass dir deine Stimme nicht verbieten. Sag was. Mach den Mund auf.“

Die Netzgemeinde reagiert überwiegend positiv auf das Video: „Respekt“ und „Wahnsinn!!“ sind häufige Kommentare. Die Filmszene wurde bis gestern Nachmittag etwa 360 Mal positiv bewertet und 670 Mal weiterverbreitet. Für Kinder und Jugendliche ist das Protestvideo aber sicher nicht geeignet.

Das Video sei eine „reine Bauchentscheidung“ gewesen, sagt Barbie Breakout. Sie habe ihre eigene Sprachlosigkeit zum Ausdruck bringen wollen. „Es geht darum, dass da drüben Menschenrechte und das Recht auf Redefreiheit mit Füßen getreten werden.“ Im Internet kursierten viele Szenen und Berichte von drangsalierten und gefolterten Homosexuellen. „Ich bin kein besonders politisch aktiver Mensch“, aber in diesem Fall habe sie dem Gefühl der eigenen Machtlosigkeit etwas entgegensetzen wollen.

Es ist eine politische Einzelaktion mit ungewissem Ausgang. Mit dem Protest der Femen-Aktivistinnen, die auch in Berlin schon mehrfach in Erscheinung getreten sind, habe das Video nichts zu tun, aber der Femen-Protest sei auch „super“. Das Video soll noch mit einem russischen Kommentar versehen werden, um die Verbreitung zu erhöhen. Schon jetzt ist der Text im Video auch in andere Sprachen übersetzt worden.

Barbie Breakout ist zuletzt mit dem Buch „Tragisch, aber geil“ über ihr eigenes Leben aufgefallen. Darin schildert sie ihre schwierige Jugend, das Eintauchen ins Drogenmilieu von Frankfurt am Main, gefolgt vom Abitur an der heute in den Missbrauchsskandal verwickelten Odenwaldschule. Ansonsten finden sich Koch-Videos im Netz, in denen die Drag Queen „Wirsingrouladen in Biersauce“ zubereitet. Ihr Geld verdient sie vor allem als DJane.

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