Protest in Friedrichshain : Alte Teppichfabrik weiterhin von Autonomen besetzt

Das Fabrikgelände am Spreeufer ist möglicherweise schon monatelang besetzt. Bei einer Räumung drohen Auseinandersetzungen.

Felix Keßler
Fabrikgelände am Spreeufer.
Fabrikgelände am Spreeufer.Foto: privat

Das leerstehende Gebäude der ehemaligen Teppichfabrik an der Straße Alt Stralau in Friedrichshain ist weiterhin besetzt. Auch am gestrigen Nachmittag befanden sich weiterhin Personen auf dem ehemaligen Fabrikgelände neben den Bahngleisen. Derweil wird das Areal am Spreeufer von einem Reinigungsdienst entrümpelt; so bald wie möglich sollen an den maroden Bauwerken Arbeiten beginnen.

Einem Bekennerschreiben auf der Online-Plattform linksunten.indymedia zufolge stammen die Besetzer offenbar aus dem autonomen Spektrum. Die neue Nutzung des Gebäudes blieb dabei einige Zeit unbemerkt, erst Mitte Juli habe der Eigentümer laut Polizei eine "Wohnsituation" festgestellt und kurz einige Tage später privat einen Sicherheitsdienst beauftragt. Der hat das Grundstück nun umstellt, doch den Besetzern gelingt es noch immer, das Gelände unbemerkt zu betreten.

Die Hausbesetzer stammen aus dem linksextremen Milieu

Christian Heistermann, dessen Reinigungsunternehmen mit den Aufräumarbeiten auf dem Gelände beauftragt ist, sieht die Situation jedoch gelassen. Er rechnet mit dem Ende der Besetzung spätestens zum Beginn der Bauarbeiten im Laufe der nächsten Woche. Auch ihm und seinen Mitarbeitern gegenüber hätten die Besetzer kein konkretes Ziel der Aktion formulieren können. In der Online-Botschaft bezeichnen sich die Autonomen selbst als "eine heterogene Gruppe aus Gentrifizierungsgegner_innen, Wohnungslosen und Aktivist_innen". Mit Hausbesetzungen hatten Aktivisten in den letzten Jahren häufig auf die Wohnungsnot in Berlin hingewiesen.

Besetzung zur Not auch mit Gewalt

Militantes Verhalten scheint dabei für die Linksextremen akzeptabel zu sein: Am vergangen Freitag kam es zu einer Auseinandersetzung mit dem Sicherheitsdienst, bei dem Holzlatten und Dosen flogen. Auch daraufhin hinzugerufene Polizeibeamte wurden attackiert. Verletzt wurde niemand. Den Hausbesetzern wird nun schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen, regelmäßig sind Streifenwagen vor Ort. Für eine Räumung müsste der Besitzer des Backsteinbaus jedoch einen Räumungstitel vorlegen. Das ist anscheinend noch nicht geschehen.
In der unmittelbaren Nachbarschaft der Fabrik, deren Brachflächen zunehmend von edlen Neubauten verdrängt werden, ist die Besetzung kein großes Thema. Passanten zeigten sich von der Besetzung überrascht, viele wussten nicht einmal davon.

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