Homofeindlichkeit : EU reagiert auf Berichte über Schwulen-Verfolgung in Tschetschenien

In Tschetschenien sollen hunderte Homosexueller verschleppt und misshandelt worden sein. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini fordert nun Aufklärung von Russland. In Berlin ist am Samstag ein Solidaritätsmarsch geplant.

Queere Aktivisten demonstrierten am Donnerstag in München für die verfolgten Schwulen in Tscheschenien.
Queere Aktivisten demonstrierten am Donnerstag in München für die verfolgten Schwulen in Tscheschenien.Foto: Imago

Die Europäische Union hat Russland zur Aufklärung von Berichten aufgefordert, nach denen in der Teilrepublik Tschetschenien Hunderte homosexuelle Männer verschleppt und gefoltert wurden. Sollten sich die Berichte bewahrheiten, habe man es mit schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen tun, ließ die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini in Brüssel mitteilen.

Russland habe sich international verpflichtet, für den Schutz von Menschen zu sorgen, denen wegen ihrer sexuellen Orientierung Verfolgung drohe.

Die EU reagierte mit der Stellungnahme auf Berichte von Menschenrechtsorganisationen und Medien. Ihren Angaben zufolge wurden zuletzt in Tschetschenien gezielt Homosexuelle verfolgt. Drei von ihnen sollen sogar getötet worden sein. Laut Recherchen der regierungskritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" sind Polizei und Sicherheitskräfte für die Übergriffe verantwortlich. Sie gingen gegen Männer mit "nicht traditioneller sexueller Orientierung" oder des Verdachts darauf vor.

Offiziell wird alles abgestritten

Ein Sprecher des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow nannte die Berichte "Lügen" und "Desinformation". Außerdem könne niemanden verhaftet oder unterdrückt werden, den es in der Republik gar nicht gibt. Sollten solche Leute in Tschetschenien existieren, "müssten sich die Sicherheitsbehörden keine Sorgen um sie machen, denn ihre Verwandten würden sie schon an einen Ort geschickt haben, von dem sie nie wiederkehren könnten", sagte er.

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte Anfang der Woche gesagt, es sei nicht Aufgabe des Kremls, sondern der Sicherheitsbehörden, solchen Berichten nachzugehen.

Kundgebung an der russischen Botschaft

In Berlin findet am Samstag, 8. April, ein Trauer- und Solidaritätsmarsch für die tschetschenischen Schwulen statt. Start ist um 15 Uhr am Auswärtigen Amt. Eine anschließende Kundgebung findet nahe der russischen Botschaft statt. Sprechen wird unter anderem der Grünen-Politiker Volker Beck. (dpa/Tsp)

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