Religion und Denkmalschutz : Katars Nackte wird wieder entblößt

Botschafter klärt Verwirrung um Skulptur an Zehlendorfer Villa: Fahnenschmuck nur zum deutsch-katarischen Kulturjahr

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Das deutsch-katarische Flaggendoppel an der Villa Calé in Zehlendorf ist nur temporär.
Das deutsch-katarische Flaggendoppel an der Villa Calé in Zehlendorf ist nur temporär.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Erst schnöde ignoriert und vernachlässigt, dann aufs Feinste herausgeputzt, schließlich komplett verhüllt – die Nackte im Giebel der Villa Calé in der Schützallee / Ecke Riemeisterstraße in Zehlendorf hat einiges mitgemacht in den vergangenen Jahrzehnten. Seit Kurzem ist sie, wie berichtet, den Blicken der Passanten komplett entzogen, verborgen hinter einer Plane, die die Flaggen Deutschlands und des Emirats Katar zeigt. Und es durfte, bislang unwidersprochen von der Botschaft Katars als Hausherr, gemutmaßt werden, das damit die dem streng muslimischen Staat unliebsame Nacktheit verhüllt werden sollte.

Unverhüllte Schönheit. Eine Nackte ziert den Giebel der dem Emirat Katar gehörenden Villa Calé.
Unverhüllte Schönheit. Eine Nackte ziert den Giebel der dem Emirat Katar gehörenden Villa Calé.Foto: Thilo Rückeis

Dabei habe es „offenbar ein Missverständnis“ gegeben, stellte jetzt der Botschafter Katars, Saoud bin Abdulrahman al Thani, im Gespräch mit dem Tagesspiegel klar: „Für uns geht es darum, die Deutschen darauf aufmerksam zu machen, dass wir 2017 mit der Bundesrepublik ein gemeinsames Kulturjahr feiern.“ Nach dem Ende der vorgesehenen Veranstaltungen werde man die Flaggen wieder abnehmen. Die Villa, die im Juli als arabisches Kulturinstitut mit dem Namen „Diwan“ eröffnet werde, sei im Übrigen mit vielen verschiedenen Skulpturen geschmückt.

Das denkmalgeschützte Gebäude war 1997 von Katar erworben worden, stand lange leer und verkam. In den vergangenen beiden Jahren wurde es jedoch vorbildlich saniert.

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