Sackgasse der Nation : Wilhelmstraße bleibt auf unbestimmte Zeit gesperrt

Die Sicherheitsvorkehrungen am Reichstag wurden gelockert, doch die Wilhelmstraße bleibt dicht – gegen jede Vernunft.

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Wie lange bleibt die Wilhelmstraße noch gesperrt?
Wie lange bleibt die Wilhelmstraße noch gesperrt?Foto: Thilo Rückeis

Im Baustellen-Labyrinth in Mitte wäre die Öffnung der Wilhelmstraße eine dringend notwendige Entlastung. Doch wird die dauergesperrte Nord-Süd-Verbindung je wieder durchgehend befahrbar sein? Seit einem terroristischen Anschlag in Istanbul im November 2003 ist diese Verkehrsschlagader vor der britischen Botschaft mit der Adresse Wilhelmstraße 70 aus Sicherheitsgründen einige hundert Meter lang gesperrt. 43 eiserne Poller machen eine Durchfahrt unmöglich, nur Fahrzeuge der Botschaft Ihrer Majestät und des Bundestages dürfen nach eingehender Kontrolle durch die Wachleute in den dunkelblauen Uniformen der Berliner Polizei passieren. „Hier bleibt allet so wie et is“, sagt einer von ihnen. Und auf die Frage, ob sich die Sicherheitslage in den letzten neun Jahren nicht entspannt habe, meint er nur, dies müssten andere beurteilen, er dürfe dazu eh nix sagen. Aber wer?

Vielleicht sein Chef, Innensenator Frank Henkel von der CDU? Der lässt ausrichten, was wir schon von seinem SPD-Vorgänger im Amt all die Jahre gehört haben: „Es gibt keine neue Entwicklung“. Der britische Botschafter schließt sich dieser Meinung an: „Das LKA überprüft regelmäßig die Gefährdungslage, und die deutsche Polizei hält die Schließung der Straße weiter für gerechtfertigt“. Wenn es neue Gesichtspunkte gäbe, würde die Botschaft freilich mit sich reden lassen – inwieweit zum Beispiel die Poller versetzt werden könnten oder ob wenigstens eine Straßenhälfte durchgängig befahrbar wäre. Denn keine Botschaft in Berlin ist so massiv bewacht wie jene des Königreichs mit einer Fassade, die nur ein geübter Stabhochspringer überwinden könnte. Und anderenorts gibt man sich lässiger: Sogar die Sicherheitsvorkehrungen im Reichstagsgebäude wurden gelockert, so dass nun wieder jedermann spontan und ohne tagelange Voranmeldung in die Glaskuppel gelangen kann.

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