Saubere Sache in Schöneberg : Prostituierte reinigen den Straßenstrich

Im Rahmen des Aktionstages "Saubere Sache" macht der Frauentreff Olga eine Säuberungsaktion entlang der Kurfürstenstraße – gemeinsam mit der BSR. Anwohner und andere sind eingeladen Donnerstag zu helfen.

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Der Frauentreff Olga engagiert sich für eine saubere Nachbarschaft.
Der Frauentreff Olga engagiert sich für eine saubere Nachbarschaft.Foto: Theo Heimann

Emilia blickt hinab in ihr Dekolleté. „Wenn man tagsüber draußen arbeitet, muss man ein bisschen Respekt haben“, sagt sie. Emilias Arbeitsplatz ist die Kurfürstenstraße, sie arbeitet dort seit vier Jahren als Prostituierte. Verständnis für die Frau, die gerade draußen vor der Tür ihre komplette Unterbekleidung weggelassen hat, hat sie nicht. Schließlich müssen sich die Frauen vom Straßenstrich die Straße mit den Anwohnern teilen.

Auf beiden Seiten Verständnis füreinander zu schaffen, ist ein Anliegen des Frauentreffs Olga des Vereins Notdienst. Emilia kommt fast jeden Tag in den Treff für Drogenabhängige und Prostituierte aus der Kurfürstenstraße. Bis zu 70 Besucherinnen kommen jeden Abend zwischen Dienstag und Freitag vorbei. Hier bekommen sie Aufklärung, Beratung, Kondome, Essen und Trinken. „Und Klamotten“, sagt Emilia und zupft an ihrem Oberteil. Am wichtigsten aber ist: Der Frauentreff ist ein Rückzugsort für die Prostituierten. Sie können sich hier erholen, sich austauschen, mal zwei, drei Stunden zwischendurch schlafen. „Männer dürfen hier nicht rein“, sagt Heike Krause vom Drogennotdienst.

Um für mehr Verständnis für den alteingesessenen Strich im Wohnbezirk zu sorgen und den Willen der Frauen zu zeigen, sich in der Straße zu integrieren, haben die Mitarbeiterinnen vom Frauentreff Olga im vergangenen Jahr mit Unterstützung der BSR eine gemeinsame Müllaktion veranstaltet. 30 Frauen haben mitgemacht und mit Zangen und Mülltüten gewappnet Abfall von der Straße entfernt. Für die Mitarbeiterinnen war die Aktion ein voller Erfolg. „Immerhin ist das ja auch die Arbeitszeit der Frauen“, sagt Heike Krause. Dieses Jahr wird der Einsatz wiederholt.

„Gib’s mir“ heißt der Slogan der BSR auf den orangenen Mülleimern. Auf einem Plakat, das für die Müllaktion wirbt, heißt der Zusatz: „Danke auch für Kondome und Taschentücher.“ Nach dem ersten Einsatz verteilten die Mitarbeiterinnen des Frauentreffs wiederverschließbare Mülltüten an die Prostituierten, damit sie die entstandenen Reste ihrer Arbeit gleich entsorgen können. Monika Nürnberger, Sozialarbeiterin vom Frauentreff Olga sagt: „Wir haben die bestimmt noch ein halbes Jahr lang verteilt.“ Auch Emilia hat die Tüte immer noch bei sich.

Monika Nürnberger ist der Meinung, es sei zwar schön, wenn ein paar leere Kondompackungen weniger auf der Straße liegen. „Aber eigentlich hatte die Aktion einen größeren Wert.“ Denn die Frauen, die wie Emilia Rücksicht auf die Anwohner nehmen, fallen einfach weniger auf, als die, die es nicht tun. Frauen aus osteuropäischen Staaten, die nur für wenige Wochen auf die Kurfürstenstraße kommen, haben kein Interesse an ihrer Umgebung. Da muss Nürnberger auch mal einschreiten, wenn auf der Straße Männer in Begleitung ihrer Kinder angesprochen werden. Sozialarbeiterin Nürnberger freut sich, wenn die Anwohner und andere Helfer bei der Säuberungsaktion mitmachen. Emilia hat das Müllsammeln Freude bereitet. „Das ist mal eine andere Arbeit, da geht’s nicht nur um Geld, Geld, Geld“, sagt sie. Dieses Jahr ist sie wieder dabei.

Die Müllaktion des Frauentreffs Olga findet am Donnerstag, 12. September, von 16 bis 19 Uhr statt. Treffpunkt: Frauentreff Olga, Kurfürstenstraße 40, Schöneberg.

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