Berlin : Schloss Friedrichsfelde: Welcher Schlossherr kauft sich den Schlüssel?

Steffi Bey

Kein Mobiliar, keine Ausstellungsstücke und keine Besucher. Das Schloss Friedrichsfelde im Tierpark Berlin dümpelt vor sich hin. Eigentlich sollte das um 1695 errichtete Bauwerk längst saniert werden. Doch die Bauarbeiten ruhen seit Monaten. "Erst wenn über die Zukunft des Schlosses entschieden ist, wird weiter saniert", begründet Petra Reetz, Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, den Baustopp.

Derweil scheint sich allerdings niemand für das denkmalgeschützte Kleinod verantwortlich zu fühlen. Diesen Eindruck hat jedenfalls Gisela Wiedebusch. Fast 19 Jahre arbeitete die Lichtenbergerin im Schloss und auch jetzt kommt die ältere Dame oft in den Tierpark. "Mir blutet jedes Mal das Herz, wenn ich sehe, wie rücksichtslos mit der einst viel besuchten Kulturstätte umgegangen wird", sagt sie. So würden wochenlang Fenster offen stehen und auch der Regen könne durch Löcher im Mauerwerk ungehindert auf die aus dem 18. Jahrhundert stammenden Wandbespannungen sickern.

Ihre Beobachtungen hat Gisela Wiedebusch sowohl der Stiftung Stadtmuseum - seit sechs Jahren wird das landeseigene Areal von dort verwaltet - als auch dem Senat vor Monaten schriftlich mitgeteilt. Doch geändert hat sich nichts. Stattdessen erhielt sie fast gleichlautende Antworten: "Wir sind nicht zuständig und haben Ihr Schreiben weitergeleitet", hieß es. Der Direktor des Stadtmuseums Reiner Güntzer erklärt, dass momentan der Senat "für Ordnung und Sicherheit" zu sorgen habe, weil dort auch seit Herbst vergangenen Jahres der Schloss-Schlüssel liege. "Wir mussten damals das Haus räumen und die Ausstellungsstücke woanders deponieren", betont er. Wie Kerstin Schneider, Sprecherin der Senatskulturverwaltung mitteilt, sei der Schlüssel inzwischen wieder bei der Stiftung. Damit wolle man dem Stadtmuseum die Möglichkeit geben, vorübergehend Geld durch die Vermietung des Schlosses einzuspielen.

Fest steht schon jetzt, dass die Stiftung Stadtmuseum finanziell überfordert ist. So sind allein seit Räumung des Gebäudes Betriebskosten in Höhe von rund 52 000 Mark angefallen. Deshalb soll jetzt gemeinsam nach einem neuen Eigentümer gesucht werden. Durch ein Interessenbekundungsverfahren will die Senatskulturverwaltung noch in diesem Jahr herausfinden, ob es überhaupt Bewerber gibt. Bauherr des Schlosses war einst der Generalschifffahrtsdirektor der kurbrandenburgischen Marine, Benjamin von Raulé. 1682 hatte er im damaligen Rosenfelde ein Stück Land gekauft. Dort wurde das Gebäude errichtet - vermutlich nach Entwürfen von Johann Arnold Nering.

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