Berlin : Schluss mit lustig

Die Loveparade soll nicht stattfinden, weil der Veranstalter noch keine Genehmigung hat. Der Senat reagiert darauf mit Unverständnis

Nana Heymann

An der Wand im Pavillon des Café Moskau in Mitte prangt am Mittwochvormittag ein grünes Banner mit der Aufschrift Loveparade 2007. Davor sitzt Geschäftsmann Rainer Schaller, ruhig und konzentriert. Er trägt ein schwarzes Hemd und ernste Miene, um eine positive Bilanz des von ihm veranstalteten Technoumzugs im vergangenen Jahr zu ziehen – und dann die Meldung des Tages zu verkünden: „Die Loveparade 2007 wird in Berlin nicht stattfinden können. Uns liegt von der Stadt keine Genehmigung vor.“

Noch in dieser Woche will Schaller seinen Antrag auf einen Umzug am 7. Juli zurückziehen. Gestellt hatte er ihn im Juni vergangenen Jahres, denn die Sondernutzungsrechte für eine Veranstaltung auf der Straße des 17. Juni liefen 2006 aus. Einen Bescheid gibt es aber bislang nicht. Schaller bemängelt fehlende Planungssicherheit und will nun ein Ausschreibungsverfahren um die Loveparade starten. Auf der Internetseite der Loveparade Berlin GmbH sollen sich ab heute europäische Metropolen um die Austragung des Technospektakels bewerben können. „Wir möchten eine Stadt finden, die zu uns steht“, sagt Schaller. Die Organisation der Parade sei weiterhin in vollem Gange, die Finanzierung in Höhe von drei Millionen Euro gesichert.

Mit Unverständnis reagiert die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf die Rückzugsankündigungen. „Vom Land Berlin ist zu keiner Zeit das Signal gegeben worden, dass die Loveparade am 7. Juli nicht stattfinden kann“, sagt Sprecherin Petra Rohland. Noch am 5. Februar hätten Vertreter des Verkehrslenkungsamtes und des Veranstalters zusammengesessen, um Details zu besprechen. „Es gab keine Zweifel, dass die Veranstaltung durchführbar ist, selbst wenn noch einige Genehmigungen fehlen.“ So stehen noch ein Verkehrszeichenplan und eine Lärmerlaubnis aus. Erst wenn diese beigebracht sind, wäre die schriftliche Zusage erteilt worden, sagt Rohland. Im Übrigen sei es in Berlin üblich, dass Zusagen „zeitnah“ erteilt werden, das sei auch im vergangenen Jahr so gewesen. Über die Tatsache, dass Schaller die Absage an die Stadt in einer Pressekonferenz verkündet und nicht in einem persönlichen Gespräch, zeigt sich Rohland irritiert: „Das ist nicht die Art, wie Partner miteinander umgehen.“

Michael Donnermeyer, Sprecher der Senatskanzlei, nennt als Grund für die bislang fehlende Genehmigung eine „schwierige Konkurrenzlage“. So hat Veranstalter Ralf Lipus für den 14. Juli die B-Parade beantragt, auch hierfür steht eine Antwort bislang aus. „Es muss ein Bescheid angefertigt werden, der rechtssicher ist“, sagt Donnermeyer und nimmt damit Bezug auf die von Lipus angekündigte Klage gegen das Land Berlin wegen Untätigkeit. Diesen Vorwurf weist der Senatssprecher jedoch zurück: „Wenn die Lage einfacher wäre, hätte es schon längst eine Genehmigung gegeben.“ Ziel sei es, eine Musikveranstaltung in Berlin stattfinden zu lassen. Eine Entscheidung müsse der Senat aber neutral treffen.

Wohlwollend wird Schallers Entscheidung von Loveparade-Erfinder Dr. Motte kommentiert, der sich im vergangenen Jahr wegen interner Querelen vom Technoumzug zurückgezogen hatte. „Dass die Veranstaltung einen Supernebeneffekt für die Stadt hat, wurde der Loveparade nie gedankt.“ Der Umzug habe der Stadt in der Vergangenheit Wochenendeinnahmen bis zu 50 Millionen Euro gebracht, da müsse er „auf Nummer eins der Prioritätenliste“ stehen. Vorwürfe macht Dr. Motte vor allem Klaus Wowereit, dem „Partybürgermeister, der viel mit Geld um sich schmeißt, aber die Subkultur nicht fördert“.

Enttäuscht von Wowereit ist auch Rainer Schaller. Noch im vergangenen Jahr lobte der Bürgermeister den Geschäftsmann vor laufenden Fernsehkameras für die erfolgreiche Wiederbelebung des Spektakels, das nach Angaben des Veranstalters 1,2 Millionen Besucher lockte. Ein Termin bei Wowereit, so Schaller nun, sei nicht zu bekommen gewesen. Das Vorhaben, den Firmensitz seiner Fitnesskette McFit von Bayern nach Berlin zu verlegen, will er vorerst aufschieben.

Unterdessen mutmaßen Insider, die Rückzugsankündigung sei nichts weiter als eine Drohgebärde. Um Druck auf die Senatsverwaltung auszuüben. Aber auch, weil Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei / PDS) Berlin als Austragungsort für die vom ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore initiierten Live-Earth-Konzerte ins Gespräch gebracht hat. Diese sollen ebenfalls am 7. Juli stattfinden, wodurch der Loveparade die volle mediale Aufmerksamkeit nicht mehr sicher wäre.

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