Berlin : Schmackhafte Seiten

Unter Berlins Foodbloggern gibt es absolute Profis. Im Internet öffnen sie ihre Wundertüten mit Rezepten, Selbsterfahrungen, Tipps.

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Gourmets im Netz. Sie bieten Passiv-Genießern Stoff: Steffen Sinzinger, Peggy Schatz, Anne Seubert, Ariane Bille.
Gourmets im Netz. Sie bieten Passiv-Genießern Stoff: Steffen Sinzinger, Peggy Schatz, Anne Seubert, Ariane Bille.

Warnung an alle Foodies: Verlieren Sie sich nicht in den Weiten des Internets! Dort lauern Foodblogs so weit das Auge reicht, geschrieben von Experten und Amateuren, strengen Kritikern und begeisterungsfähigen Fans, zeitraubend, lustig, informativ, manchmal nur belanglos. Jeder Versuch, auch nur einen nennenswerten Teil davon aufzuzählen, wäre hoffnungslos. Aber vielleicht jene, die in Berlin geschrieben werden? Im globalen Internet ist das an sich ein unsinniger Ansatz. Aber immerhin: Der Berliner Leser kann zumindest, was dort von Berlinern über Berlin geschrieben steht, leicht überprüfen und zum Anlass eigener Exkursionen nehmen – das geht bei australischen Bloggern schlecht. Also!

Einer der interessantesten Berliner im essbaren Internet ist Steffen Sinzinger, der Autor der „Berliner Speisemeisterei“. Er ist als Küchenchef im Berliner Concorde-Hotel ein ausgewiesener Profi, dessen Wort Gewicht hat. Er weiß nicht nur viel zu berichten und zu beurteilen, sondern hält seine Arbeit auch in technisch avancierten Fotos fest. Berlin selbst spielt dabei nur eine geringe Rolle, weil sich Sinzinger vor allem mit küchentechnischen Problemen und Kochbüchern befasst. Das tut er aber mit großer Detailfreude. Kürzlich ging es um die Möglichkeiten des auch von Amateuren geschätzten Thermomix-Geräts, oben stand zuletzt ein komplexes Rezept für Fortgeschrittene: Karottenvariationen (www.steffensinzinger.de).

Viel mehr als nur eine Bloggerin ist Peggy Schatz. Ihr Blog multikulinarisch.de ist nur eines ihrer Standbeine im Netz, selbst ein Netz mit Links in die halbe kulinarische Welt, Eventkalender, Wundertüte. Die freiberufliche Web-Entwicklerin berichtet gern von ihren küchentechnischen Selbsterfahrungen, die oft Überraschendes zutage fördern – kürzlich ging es beispielsweise um die weithin verpönten Rotaugen und Plötzen – und wie man sie essbar machen kann. Ebenso interessant ist das von Peggy Schatz gegründete berlin-food.info, eine Datenbank und Suchmaschine mit unzähligen Restaurants, Geschäften, Produzenten.

„Kekse, die die Welt verändern“, ist das Motto von Anne Seubert und ihrem Blog kekstester.de. Es geht darin um . . . manchmal auch um Schokolade. Aber wer hineinsurft, verfolgt schnell mit Staunen, wie viele Aspekte das scheinbar so eng geschnittene Thema bietet. Voilà: Petersilienkekse mit Knoblauch und Olivenöl. Die Kekstesterin verkostet, prüft Rezepte, backt sie kritisch nach, berichtet über einschlägige Bäckereien, schreibt über Süßwarenmessen.

Aus ihrer Diplomarbeit hat die Berliner Grafikdesignerin und Foodfotografin Ariane Bille die Seite kulinarische-momentaufnahmen.de entwickelt. Eigentlich handelt es sich um ein Meta-Projekt, denn im Mittelpunkt stehen Interviews mit zwölf deutschen Foodbloggern, die auch Rezepte beisteuern. Aber drumherum wachsen auch andere Texte und Themen. Für Traditionalisten soll im Herbst bei Hädecke auch ein Buch erscheinen.

Ein Spezialfall unter den Berliner Foodbloggern ist Lo Graf Blickensdorf, dessen Wirken als Gesamtkunstwerk und Törtchenkönig sich auf seiner Website (www.blaues-blut.blogspot.de) nur andeutungsweise erschließt. Am liebsten erzählt er Witze und berichtet sachkundig aus dem Schaffen Berliner Konditoreien, eigene Rezepturen dagegen gibt es nicht.

Man sieht: Auch passive Genießer finden im Netz zuverlässig ihre Gemeinde.

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