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Service für Geflüchtete : Sicherheit im Verkehr - per Smartphone

Bitte nicht auf Gleisen laufen - eine App des Deutschen Verkehrssicherheitsrates gibt Geflüchteten Tipps zu Regeln auf Deutschlands Straßen und Wegen.

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Vorbildlich. Helm auf, Fahrrad mit allem drum und dran: Hier macht ein Polizist auf seinem Rad an der Spree in der Sonne Pause. In Deutschland läuft alles auch im Straßenverkehr nach klaren Regeln, das sollen Geflüchtete jetzt dank einer neuen App "German Road Safety" verinnerlichen.
Vorbildlich. Helm auf, Fahrrad mit allem drum und dran: Hier macht ein Polizist auf seinem Rad an der Spree in der Sonne Pause. In...Foto: Paul Zinken/dpa

In Syrien haben viele Kinder, sofern sie überhaupt ein Fahrrad besaßen, mangels funktionierender Bremsen mit beiden Beinen am Boden oder einem Fuß am Reifen gestoppt. Jetzt, im Zuge der Flüchtlingskrise nach Deutschland gekommen, fahren einige auf schnellen, geschenkten Rädern herum, kennen aber die Rechts-vor-Links-Regel im Straßenverkehr beispielsweise nicht (wie im Übrigen anscheinend auch viele deutsche Verkehrsteilnehmer). In Berlin lernen jetzt auch afghanische Frauen in Kursen Fahrradfahren, was ihnen zuvor verboten war.

Das ist der Hintergrund, vor dem der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) jetzt mit Unterstützung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) eine kostenlose Smartphone-App herausgebracht hat. Die Präventions-Kampagne "German Road Safety" soll Geflüchteten eine sichere Teilhabe am Straßenverkehr und somit am sozialen Leben ermöglichen, sei es beim Weg zum Deutschkursus im Berliner Wohnkiez oder beim Trip innerhalb Deutschlands, hieß es bei der Präsentation am Donnerstag in Berlin.

Auf Arabisch - andere Sprachen sollen folgen

Die App erklärt unter anderem, wie man Tickets kauft und welche Verkehrsmittel es im ÖPNV gibt. Informationen, die ein jeder Tourist, der in Schönefeld landet, auch brauchen kann, und von den Tipps zur Sicherheit mit dem Fahrrad im Straßenverkehr profitiert sicher auch so mancher Berliner Radler. Auf anderen europäischen Sprachen als Englisch und Deutsch gibt es die App noch nicht, das soll sich aber bald ändern. In arabischer Version kann sie schon heruntergeladen werden.

Der DRV ging natürlich nicht etwa davon aus, dass es in Syrien oder anderen Ländern keine Ampeln oder Verkehrsregeln geben würde. Dennoch gebe es viele Menschen, die mit dem deutschen Regelwerk nicht vertraut sind, daher wolle man präventiv tätig werden, sagt Marc-Philipp Waschke, Referent für Geflüchtete und zugewanderte Menschen sowie für Unfallprävention auf Wegen und Dienstwegen beim DVR. Die App richte sich an alle Verkehrsteilnehmer, die nicht mit dem bundesdeutschen System vertraut sind oder eine Auffrischung brauchen. Bisher gibt es die Hinweise aber noch nicht auf Italienisch, Französisch, Spanisch oder Türkisch. "Die Idee gab es schon länger, aber der Ausgangspunkt war für uns einfach die Flüchtlingskrise und wir wollten sinnvolle Integration leisten. Es werden aber noch mehr Sprachen folgen", so Waschke.

Spezielle Statistiken gibt es nicht

Hintergrund der Aktion sei auch nicht, dass Geflüchtete mehr Unfälle als andere Verkehrsteilnehmer verursachen, sagt Waschke, . Es werde zudem nicht gesondert erfasst, etwa im Falle eines Zusammenstoßes, ob ein Unfallopfer Asylbewerber sei. Auch die Berliner Polizei teilte auf Tagesspiegel-Anfrage mit, dass solche Statistiken nicht erfasst werden.

Ein Hinweis: Bitte anschnallen!

Klar ist aber, dass ein großer Teil der zehntausenden Zugewanderten beispielweise aus Afrika und Afghanistan einen völlig anderen Zustand auf den Straßen oder ein anderes Nahverkehr-System kennt. "In Syrien ist es so: Der Bus kommt - oder wenn nicht, dann nicht", sagt Rudina Abouhamed. Sie kam vor dem Krieg aus Syrien nach Deutschland und unterstützt die Kampagne "German Road Safety" jetzt als Ideengeberin und Übersetzerin. Hier in Berlin kämen die Busse oft auf die Minute pünktlich, in der alten Heimat fahren sie zumindest im Stadtverkehr nicht nach Plan, sondern scheinbar willkürlich.

Die Handy-App gibt nun zunächst auf Deutsch, Englisch und Arabisch beispielsweise Tipps zur Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs. Dazu gehören Infos darüber, wann Fußgänger Vorrang haben. Viele junge Flüchtlinge (und Touristen) treffen sich ja gern auf dem Alexanderplatz in Mitte - da wiederum muss man dringend auf die vergleichsweise leisen Straßenbahnen achten, die auf dem großen Platz Vorrang haben. Mitunter halten Neuankömmlinge schon mal einen Geldautomaten für einen Ticketautomaten, weil sie die Beschriftung nicht lesen können.

Zahlreiche Geflüchtete sind an Bahngleisen entlang und am Rande von Autobahnen nach Deutschland gelaufen; nun machen App, Website und Broschüren deutlich, dass das in Deutschland verboten ist - wie aber auch in den meisten Herkunftsländern.

Gewarnt wird - auch für Berliner Locals nicht unwichtig - davor, während des Laufens über den Bürgersteig, unterwegs auf dem Fahrrad oder am Steuer eines Autos das Smartphone zu benutzen, weil das vom Verkehrsgeschehen ablenkt oder man einhändig mit dem Rad stürzen kann. Im Kapitel zum Autofahren wird auch auf die Notwendigkeit hingewiesen, für die Kinder spezielle Sitze im Auto zu benutzen.

Ein Quiz soll das Erlernen der Verkehrsregeln erleichtern. Viele Flüchtlinge, die aus ländlichen Gegenden kommen, sind Ampeln nicht gewöhnt und zuvor direkt auf der Straße gelaufen; hier aber heißt Rot tatsächlich Rot, vermittelt die Infokampagne.

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Verkehrsschild warnt vor Smartphone-Zombies
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Poster nur für Flüchtlingsheime

Nun werde die Informationskampagne auch zur Bedeutung der Verkehrszeichen auf Straßen bundesweit per Poster in den Notunterkünften und Heimen für Geflüchtete plakatiert. Für deutsche Verkehrsteilnehmer ist keine Info-Kampagne geplant. Stattdessen hofft der Deutsche Verkehrssicherheitsrat, Flüchtlinge, Sozialarbeiter und ehrenamtliche Helfer über soziale Netzwerke wie Facebook zu erreichen. Die Infobroschüren mit didaktischen Tipps, mit Bildern und in verständlicher Sprache etwa auf Deutsch/Französisch/Tigrinisch oder auch Deutsch/Albanisch/Kurdisch sowie Deutsch/Farsi/Paschtu wurden bereits von großen Behörden und Verbänden wie der Polizei, Landesministerien und Kommunalverwaltungen, Flüchtlingsinitiativen und Ehrenamtlern bestellt, Nachdrucke sind in Arbeit. Die Broschüren sind in Zusammenarbeit mit der Deutschen Verkehrswacht, der Unfallforschung der Versicherer sowie den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen entwickelt worden, hieß es weiter.

Die App soll bald in weiteren Sprachen, die eine große Anzahl von Flüchtlingen etwa aus Afrika spricht, wie Französisch, oder auch auf Farsi herauskommen.

Alle Infos im Internet unter www.germanroadsafety.de

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