Sibylle Szaggars Redford : Die Regenkünstlerin

Für die Malerin Sibylle Szaggars Redford ist Natur die „größte Inspiration“ Als 17-Jährige lebte sie in West-Berlin – und jobbte im Friedrichstadtpalast.

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Zwischen Kunst und Liebe. Sibylle Szaggars Redford und ihren Mann verbindet auch die Leidenschaft für Kunst. Ihre Bilder sind jetzt in Charlottenburg zu sehen. Foto: Paul Zinken
Zwischen Kunst und Liebe. Sibylle Szaggars Redford und ihren Mann verbindet auch die Leidenschaft für Kunst. Ihre Bilder sind...

Sie weiß, was es bedeutet, im Blitzlichtgewitter zu stehen. Sie ist die Frau von Robert Redford, einem der berühmtesten Hollywoodstars. Aber wenn es um sie selbst geht und ihre Kunst, dann ist ihr Rummel eher unangenehm. Lange hatte es Sibylle Szaggars Redford deshalb nicht ausgehalten auf ihrer eigenen Vernissage am Wochenende in der Charlottenburger Galerie Monet, wo vom Dienstag an neue Werke der in Hamburg geborenen Malerin ausgestellt werden. Es gab keine großen Reden, keine Show. Stattdessen ist sie im kleinen, privaten Kreis und mit dem ebenfalls angereisten Ehemann Redford essen gegangen. Schließlich sieht sie die deutsche Verwandtschaft und Freunde nicht so oft, seit sie in den USA lebt.

Dort, in der Garage eines ihrer Wohnsitze, in Santa Fe, New Mexico, steht ein großer Karton: „Waiting for rain“ hat Sibylle Szaggars Redford daraufgeschrieben. Darin lagert sie Papierbögen, die sie vorab mit Farbpigmenten bearbeitet hat. „In der Hochwüste von New Mexico werden wir immer wieder von Monsunregen überrascht“, sagt die gebürtige Hamburgerin. „Und sobald es anfängt zu regnen, springe ich in meiner wetterfesten Kleidung mit diesen Blättern ins Freie.“ Der Regen prasselt auf die Farbfelder, wäscht sie aus, verändert die Arbeit. Diese leuchtenden „Rain Paintings“ stellt sie neben abstrakten, großformatigen Ölgemälden in Berlin aus. „Die Natur ist meine größte Inspiration“, sagt die 55-Jährige.

Diese Liebe teilt sie mit ihrem Mann. Der Schauspieler engagiert sich immer wieder für den Umweltschutz. Kennengelernt haben sich Sibylle Szaggars und Redford in den neunziger Jahren. Die gelernte Hotelfachfrau war damals nach Sundance im US-Bundesstaat Utah gezogen, in jenes Wintersportgebiet also, das Redford gekauft und wie das renommierte, von ihm geführte Independent-Filmfestival nach seiner berühmten Filmrolle des Banditen Sundance Kid benannt hat. Seit 1996 sind die Malerin und der Schauspieler ein Paar, 2009 haben sie in Hamburg geheiratet. „Lange Zeit waren mein Mann und ich nur befreundet“, erzählt Sibylle Szaggars Redford. Man ging zusammen Skifahren und Reiten. „Und wir haben uns über Kunst und über die Kultur der Indianer unterhalten“, erinnert sie sich. Redford hatte in seinem Restaurant in Sundance traditionelle, indianische Holzskulpturen ausgestellt. Die Künstlerin war davon so fasziniert, dass sie begann, mehr über den Kult der indigenen Völker zu forschen. Sie lebte sogar zwei Monate bei einem alten Ehepaar der Hopi-Indianer, lernte ihre Rituale und Tänze kennen. Aus dieser Begegnung sind zahlreiche Gemälde entstanden.

Preisauskünfte zu den aktuellen Arbeiten gibt es nur auf Anfrage, sagt Galerist Lambert Monet: „Die Kunst soll im Vordergrund stehen.“ In Berlin stellt Sibylle Szaggars Redford zum ersten Mal aus. „Ich kenne die Stadt noch vor dem Mauerfall“, sagt sie. Als 17-Jährige hat sie als Anziehhilfe hinter den Kulissen des Friedrichstadtpalasts gejobbt. „Jeden Morgen bin ich von West-Berlin über die Grenze und abends wieder zurück“, sagt sie. Mit Robert Redford an der Seite und Berliner Fotografen im Schlepptau hat sie diesmal Zeit zum Sightseeing gehabt. Am heutigen Montag geht es zurück in die USA.

„Wenn man einen Mann hat, der so viele kreative Ideen hat, muss man etwas Eigenes für sich finden“, sagt Sibylle Szaggars Redford. Man hört ihr die Jahre in den Staaten an. Ihre Sprachmelodie ist singender als im Deutschen, die Konsonanten sind weicher. „Ich liebe es, im Atelier zu stehen.“ Hat sie denn überhaupt Zeit dafür? „Wir sind schon viel unterwegs“, gesteht die Künstlerin, „aber wir verstecken uns auch immer wieder.“ Ob es sie nicht stört, dass in den letzten Tagen vor allem über Robert Redford berichtet wurde, obwohl der eigentliche Grund des Berlinbesuches doch sie selbst und ihre Kunst war? „Ich liebe meinen Mann.“ So einfach ist das.

Galerie Monet, Fasanenstraße 29, Charlottenburg, 23. Oktober bis 20. Dezember, Di-Fr 14 bis 19 Uhr, Sa 11 bis 16 Uhr

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