Berlin : Sklerose-Gesellschaft schaltet Staatsanwalt in Finanzaffäre ein

In der Finanzaffäre im Berliner Landesverband der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft fordern die Mitglieder eine umfassende Aufklärung. Deswegen soll der Vereinsvorstand eine Strafanzeige gegen die im Sommer fristlos entlassene Geschäftsführerin stellen, der nicht gerechtfertigte Ausgaben vorgeworfen werden. Das beschloss eine Mitgliederversammlung am Dienstagabend.

Die Gekündigte bestreitet die Vorwürfe und hat eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Deswegen trafen am Mittwoch ihr Anwalt und die ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende und Chefärztin der Neurologie im Jüdischen Krankenhaus, Judith Haas, vor dem Arbeitsgericht aufeinander. Wegen vom Vorstand zu spät eingereichter Unterlagen kam das Gericht aber noch zu keiner Entscheidung über die Rechtmäßigkeit der Kündigung, der Prozess wurde auf November vertagt. Während der Verhandlung ließ der Richter erkennen, dass die Sachlage bislang nicht eindeutig zu bewerten ist. Bei vielen der Zahlungen von rund 20 000 Euro, die die bisherige Geschäftsführerin für Essensrechnungen, externe Aufträge oder Fördergelder ausgab, sei schwierig zu bewerten, ob sie gerechtfertigt oder zu hoch waren. Mitglieder des Vereins befürchten allerdings, dass die tatsächliche Höhe von nicht gerechtfertigten Ausgaben ein Vielfaches der gestern verhandelten Summe beträgt.

Ein Problem bei der Aufklärung besteht derzeit auch darin, dass Unterlagen nicht mehr aufzufinden sind, so der dienstliche Terminkalender der ehemaligen Geschäftsführerin. Vorstandschefin Haas wirft ihr unter anderem vor, Quittungen für Geschäftsessen auf ihren – Haas’ – Namen ausgestellt zu haben, auch wenn sie an den Essen nicht teilgenommen habe. In der Sklerose-Gesellschaft ist die Empörung über den Fall, aber auch über den Umgang des Vorstands, damit groß. Wegen der Debatte auf der Mitgliederversammlung am Dienstag konnte nicht wie geplant ein neuer Vorstand gewählt werden, das soll in sechs Wochen nachgeholt werden. lvt

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