Berlin : So wirken homöopathische Medikamente

Björn Rosen

Das Beispiel: Heuschnupfenmittel DHU, laut dem Marktforscher IMS meistverkauftes Präparat seiner Art.

Das Heuschnupfenmittel DHU enthält drei pflanzliche Stoffe: die getrocknete Frucht der Schwammgurke Luffa operculata, die getrockneten Blätter und Blütenstände der Galphimia glauca aus Mexiko und frische Teile der tropischen Ballonrebe Cardiospermum halicacabum. Wie die Stoffe verarbeitet werden, ist im „Homöopathischen Arzneibuch“ (HAB) vorgeschrieben. Auch die Herstellung aller anderen homöopathischen Medikamente, die man in Deutschland kaufen kann, richtet sich streng nach dem HAB.

Die Homöopathie wurde vor mehr als 200 Jahren vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann begründet. Ihre Grundidee: Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt. Um Krankheiten zu bekämpfen, müsse man niedrig dosierte Stoffe einsetzen, die in höherer Dosis ähnliche Symptome auslösen. Der Körper soll gereizt, seine Selbstheilungskraft aktiviert werden. Die Frucht der Luffa operculata führt normalerweise zum Beispiel zu einer verstopften Nase – stark verdünnt im Heuschnupfenmittel DHU wirkt sie aber angeblich positiv auf die Schleimhäute. Allergiker sollten am besten drei bis vier Wochen vor dem Pollenflug mit der Einnahme des Mittels beginnen, um den Körper rechtzeitig zu aktivieren, rät der Hersteller.

Derzeit sind in Deutschland etwa 2000 homöopathische Einzelmittel auf dem Markt. Viele entstehen aus einer „Urtinktur“, in der der natürliche Inhaltsstoff mit Alkohol und Wasser angesetzt wird. Dieses Gemisch wird dann weiter „potenziert“: Die Lösung wird nach genauen Vorgaben mit Alkohol und Wasser verdünnt und verschüttelt. Luffa operculata zum Beispiel wird für das Heuschnupfenmittel DHU insgesamt vier Mal verdünnt (jeweils im Verhältnis 1:10) und nach jeder Verdünnung zehn Mal verschüttelt. Man spricht davon, dass der Stoff damit in der Potenz D4 vorliegt. Für einige Medikamente werden Stoffe so stark verdünnt, dass sie chemisch nicht mehr nachgewiesen werden können.

Wie Homöopathie letztlich funktioniert, ist unbekannt. Das gilt auch für das Heuschnupfenmittel DHU. „Was im Körper abläuft, wissen wir bis heute nicht“, sagt Birgit Siegener von DHU. „Aber Studien beweisen, dass typische Beschwerden wie Niesreiz, Verstopfung der Nasen oder Brennen der Augen schon nach wenigen Tagen zurückgehen.“ Schulmediziner sind dagegen sehr skeptisch, was die Wirkung von homöopathischen Medikamenten anbetrifft. Viele vermuten einen Placebo-Effekt.

DHU kostet 7,98 Euro (30 ml). Ein anderes homoöpathisches Antiallergikum ist Klosterfrau Allergin, 9,45 Euro.

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