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Spitzengespräch in China : Angela Merkel holt Pandabären-Paar nach Berlin

Bao Bao und Yan Yan - die Berliner liebten ihre Panda-Bären. Nun freut sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller: Der Zoo bekommt bald ein neues Bärchenpärchen.

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Ein bisschen China. Die neue Panda-Anlage soll an einen historischen Pavillon im Zoo erinnern.
Ein bisschen China. Die neue Panda-Anlage soll an einen historischen Pavillon im Zoo erinnern.Zeichnung: Zoo

Panda-Bären sind in der Natur stark bedroht - und im Zoo Lieblinge der Besucher. Im Zoologischen Garten gehörten Bao Bao und Yan Yan zu den Highlights eines Rundganges. Dann, seit dem Tode von Yan Yan 2007 und von Bao Bao 2012, blieben die Gehege leer. Käfige, muss man sagen, denn die Kachelanlage war zwar nach dem Geschmack des früheren Zoo-Traditionalistenchefs Bernhard Blaszkiewitz tiergerecht, aber nicht nach dem des neuen Zoo-Managers Andreas Knieriem. Solange die Anlage nicht bärengerecht umgebaut sei, könne er es nicht unterstützen, dass dort wieder Tiere leben, hatte Knieriem dem Tagesspiegel bei Amtsantritt gesagt.

Li und Merkel holen Pandas nach Berlin

Doch nun gibt es Nachrichten, die am Rande der Spitzengespräche zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang öffentlich wurden - und die in der Zoopressestelle am Donnerstag für große Freude sorgten. "Damit sich auch die Stimmung in der deutschen Bevölkerung gegenüber China verbessert und nicht nur Menschenrechtsverletzungen mit dem Land verbunden werden, haben Li und Merkel noch eine Neuigkeit parat: Man verhandelt über ein neues Panda-Bären-Pärchen für den Berliner Zoo", schreibt die Nachrichtenagentur dpa. Demnach sagte Merkel: „Das ist ein besonders Stück China, das viele Menschen in Deutschland erfreuen wird.“ Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) äußerte sogleich seine Freude über die künftige neue Berliner Attraktion. „Ich bin Bundeskanzlerin Angela Merkel sehr dankbar darüber, dass sie die Berliner Initiative aufgegriffen hat und sich bei ihrem Besuch in China für ein weiteres Bärenpaar starkgemacht hat. Der Bär ist nicht nur Berlins Wappentier – viele dieser Tiere haben einen festen Platz im Herzen der Berlinerinnen und Berliner, ob sie Maxi, Schnute oder Knut oder eben Bao Bao und Yan Yan heißen. Berlin freut sich, dass nun bald hoffentlich wieder Bärennachwuchs in die Hauptstadt kommen soll und der Zoologische Garten um eine einzigartige Attraktion reicher wird.“

Knieriem hatte schon lange vorgearbeitet

Der Zoo Berlin zeigte sich hoch erfreut. Die chinesische Regierung wird als Leihgabe an die Hauptstadt ein Pandabären-Paar nach Berlin schicken. Noch am Donnerstag Nachmittag lud Zoodirektor Dr. Andreas Knieriem in den Zoo und zeigte den Standort der künftigen Anlage. Es wird also neu gebaut. "Die Freude ist groß, schon lange hat sich Zoodirektor Dr. Andreas Knieriem für ein neues Panda-Paar eingesetzt", hieß es am Nachmittag im Zoo. Laut Knieriem, der sich intensiv um die Tiere bemüht hatte, könnte jetzt nach offizieller Zusage im Laufe des kommenden Jahres die neue Panda-Anlage entstehen. Angelehnt an die Architektur des ehemaligen chinesischen Musik-Pavillons soll die neue Heimat auf dem derzeitigen Hirsch-Areal entstehen. „Das ist ein besonders Stück China, das viele Menschen in Deutschland erfreuen wird“, hatte Merkel am Rande der Spitzengespräche in China gesagt, bei denen es hauptsächlich natürlich um Wirtschaftskooperationen und auch die Lage in Syrien ging.

Der Zoo hatte sich schon länger im Stillen bemüht

Es erfreute auch den Zoochef, der von der Nachricht der Verhandlungen auf höchster Ebene am Donnerstag höchst positiv überrascht war. Der Zoo hatte sich wohl schon länger um so ein neues Pandapaar bemüht. Und nun klappt alles für Berlin. Vielleicht klappt es dann künftig in Berlin ja auch mal mit Panda-Nachwuchs. In früheren Jahrzehnten hatten auch die damaligen Regierenden Bürgermeister wie Eberhard Diepgen (CDU) und Klaus Wowereit (SPD) sich für die Attraktionen für Berlin bemüht.

Yan Yan als Exponat in China

Unterdessen hatte ja das Naturkundemuseum zuletzt die präparierte Pandabärin Yan Yan ausgestellt, bevor das Präparat nach China zurückkehrte. Viele Menschen guckten sich den "Star" da an und machten Bilder. So gewannen die Tiere auch nach dem Tode noch Sympathien.

Nur noch knapp 2000 Exemplare in der Natur

Zurzeit gibt es schätzungsweise nur noch knapp 1900 frei lebende Exemplare. Der Lebensraum der Pandas sind subtropische Berghänge mit dichter Bewaldung. Hier leben die Tiere laut Wikipedia im Sommer in Höhen von 2700 bis 4000 Metern, im Winter wandern sie in tiefergelegene, oft rund 800 Meter hoch liegende Gebiete ab. Große Pandas sind Einzelgänger, die ein Revier von rund vier bis sechs Quadratkilometern bewohnen.

Aufgabe Artenschutz

„Selbst in der beispielhaften Artenvielfalt wie der des Berliner Zoos ist ein Panda-Pärchen eine ganz besondere Attraktion“, teilte der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Zoologischer Garten Berlin AG, Frank Bruckmann, mit. Und weiter: „Neben der großen Freude steht natürlich die Verantwortung, solch wertvolle Tiere begrüßen zu dürfen. Pandabären sind einzigartige Botschafter im Zeichen des Artenschutzes.“ Der Große Panda wird als „stark gefährdet“ in der Roten Liste für bedrohte Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) eingestuft. In freier Natur findet man die Großbären, Pflanzenfresser, lediglich in den lichten Laub- und Nadelwäldern der chinesischen Bergregionen. 2014 wurden noch 1864 Tiere in freier Wildbahn gezählt.

Berliner Bärenmarken

Das erste Berliner Bärchenpärchen Bao Boa und Tjen Tjen – 1978 in China geboren – waren laut Zoo einst am 5. November 1980 als Staatsgeschenk des chinesischen Regierungschefs Hua Guofeng an Bundeskanzler Helmut Schmidt in Berlin eingetroffen. Nach dem Tod von Pandadame Tjen Tjen, zu Deutsch „Himmelchen“, im Februar 1984 lebte Bao Bao („Schätzchen“) zunächst als „Junggeselle“ in der Hauptstadt. In der Natur sind die Tiere allerdings Einzelgänger. Im April 1995 kam Yan Yan, „die Schöne“, als Leihgabe aus Peking in den Zoo – Menschenmassen begrüßten das neue Weibchen an Bao Baos Seite. Mit dem Nachwuchs klappte es aber nicht. Am 26. März 2007 verstarb „die Schöne“ mit 22 Jahren an Darmverstopfung. Und am 22. August 2012 starb Bao Bao mit 34 Jahren - er war bis dahin der älteste lebende männliche Panda der Welt. Bis Sommer 2015 war Yan Yan an der Seite Bao Baos in der Sonderausstellung „Panda“ im Museum für Naturkunde Berlin zu sehen – dann kamen die Präparate auch nach China.

Berlin - Du und deine Pandabären
Ab sofort wartet Yan Yan im Naturkundemuseum auf neugierige Besucher und eingefleischte Panda-Fans.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dpa
05.08.2013 17:20Ab sofort wartet Yan Yan im Naturkundemuseum auf neugierige Besucher und eingefleischte Panda-Fans.

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